Wieder eine Slowakei-Tour, Teil 4 (Reiseberichte)

Krümelmonster @, München, Donnerstag, 07. November 2019, 20:14 (vor 13 Tagen) @ Krümelmonster

Für die Weiterfahrt hätte ich mit einem direkten Zug ab Ústí nad Labem hl. n., dem Hbf. fahren können, dieser macht einen Bogen Richtung Norden über Teplice. Ich entschied mich aber für die exotischere Variante: ich lief zurück zum Westbahnhof und stieg in den Regionalzug, der einen Bogen Richtung Süden macht. Obwohl die gesamte Strecke elektrifiziert ist, brummte planmäßig eine Regionova herbei. Trotz gutem Streckenzustand fuhr sie nicht schneller als 60 km/h, laut Openrailwaymap ist das auch die Streckenhöchstgeschwindigkeit. Man sah wieder äußerst viel Verfallenes, ein paar abgefuckte Bahnhöfe und ganz viel verfallene Industrie. An einer der kaputten riesigen Hallen prangte ganz oben riesig groß auf Russisch: „Идите домой! Это наша дела» (ich hoffe, ich habe es ohne Fehler wiedergegeben, „Geht nach Hause, das ist unsere Sache/Angelegenheit!“). Wie lange das wohl schon dort steht?
[image]
102 Alter Obus
[image]
103 Neuer Obus
[image]
[image]
104 – 105 Die Gegend um den Westbahnhof wirkt nicht sehr einladend
[image]
106 Auf ihrem gesamten Laufweg dieselt diese Regionova unter Oberleitung… :-s
[image]
107 Der sehr einladende Bahnhof von Trnice
[image]
108 Ein paar alte Loks
[image]
109 Bessere Hundehütte
[image]
110 Die Treppenkonstruktion wirkt nicht sehr belastbar…
[image]
[image]
111 – 112 Auch Bílina wirkt nicht sehr heimelig…
In Bílina endete die Regionova mit + 3, der 7-min-Anschluss auf den Schnellzug war nicht bahnsteiggleich. Ich fragte einen gerade anwesenden Baumeister, wo der Zug abfährt, er deutete auf den Nachbarbahnsteig. Ich machte eine Handbewegung quer über die Gleise zum Nachbarbahnsteig, er machte eine Handbewegung zur Unterführung, dann nach unten, dann zum Nachbarbahnsteig, dann nach oben. Gut zu wissen, dass das Überqueren der Gleise in Tschechien mittlerweile auch aus der Mode kommt.^^
Wegen eines Erdrutsches gab es nun mehrere Monate lang SEV, vsl. 5 – 15 min Verspätung und danach mit 8 min den letzten knappen Anschluss an diesem Tag – auf einen 2-h-Takt... Und das ganze – weil Bayern-Böhmen-Ticket – ohne FGR… Immerhin war die Ankunft in Ostrov nad Ohří auf die Minute pünktlich, doch der Wechsel zu den Bussen hätte für meinen Geschmack schneller vonstatten gehen können. Mein Bus wurde von den beiden anderen überholt, die Fahrtzeit des Zuges konnte nicht ganz gehalten werden. Nach ca. 15 min erreichte mein Bus merklich nach den beiden anderen Karlsbad. Ich huschte schnell in den Zug. Bis zur Abfahrt dauerte es trotzdem noch etwas, die erfolgte erst mit + 7. Während der 45 min Fahrzeit bis Cheb reduzierte sich die Verspätung nur auf + 5. Dass die Oberpfalzbahn warten würde, hielt ich für reichlich unwahrscheinlich. Ich sprintete durch die Unterführung (leider war der Ausstieg auf der falschen Seite, um direkt über die Gleise zu latschen) und flog mit einem Hechtsprung ins Regioschüttel (sorry nochmal an alle, die ich dabei platt gemacht habe :-/ ), zwei drei andere Umsteiger waren fast genauso schnell wie ich. Und dann wartete das Regioschüttel doch 2 min… -.-
[image]
113 Besser ein schlechtes Bild als gar keins ;-)
[image]
114 Der Bahnhof von Most ist ja wirklich abstoßend hässlich…
[image]
[image]
115 – 116 Wenigstens wird später die Landschaft ganz nett
[image]
117 Der Zug von Karlsbad nach Cheb am Ziel
Die pünktliche Fahrt im Schüttel konnte nicht verhindern, dass die Slowakei mittlerweile die rote Laterne bei der Pünktlichkeit an Tschechien abgegeben hat (nur Länder mit min. 10 Fahrten, damit es halbwegs aussagekräftig ist). In beiden Ländern waren weniger als zwei Drittel der Züge pünktlich. Und um es schon mal vorweg zu nehmen: im weiteren Tagesverlauf mit üppigen Umsteigezeiten kam es natürlich zu keinen Verspätungen mehr.^^ In Franzensbad passierte das Schüttel einen Pendolino, ich sah, dass der ja sogar NBÜ hat – gibt es NBÜ auch in anderen Ländern, dachte das wäre ein deutscher Standard? Die tschechische KiNe konnte Deutsch, zwar nicht richtig gut, aber immerhin. Der deutsche Zub hatte sich direkt hinter mir im Führerstand verkrochen und dort urst laut Videos geschaut. Ab Aš, wo sich der Zug schlagartig leerte, kam er heraus, um die sage und schweige sechs grenzüberschreitenden Reisenden zu kontrollieren (eine Rentner-Gruppe , eine weitere Frau und mich). Auf mein "Dobrý" reagierte er mit "Danke", auf mein "Ďekují" gar nicht… Als das Schüttel Selb-Plößberg erreichte, hatte ich alle Bahnstrecken von Bayern ins Ausland überquert (mit Ausland meine ich diesmal nicht Franken und auch nicht Deutschland^^). Nach 70-minütiger Fahrt erreichte das Schüttel Hof. Im tschechischen Wikipedia-Artikel steht, dass Hof als „Fränkisch-Sibirien“ gilt, weil es dort immer so kalt ist.^^ Und tatsächlich: Nachdem es Tags zuvor in Brünn fast 30 ° waren, hatte es in Hof plötzlich nur noch 12 °!
[image]
118 Tschechische Grinsebacke
[image]
119 Zugkreuzung
[image]
120 Schüttel am Ziel
Eine gute Dreiviertelstunde hatte ich bei dieser Kälte totzuschlagen, bis es im Wackelhunger weiter Richtung Bamberg ging. Bis Hochstadt-Marktzeuln (kurz vor Lichtenfels) war ich (mit Ausnahme der Stichstrecke Oberkotzau – Hof) heute komplett neue Strecke gefahren. Ich überlegte, ob ich im Wackelhunger bis Bamberg sitzen bleiben sollte, entschied mich dann aber, bereits in Lichtenfels in den Hamster umzusteigen – es war eine gute Entscheidung: Zwar ist der Hamster auch nicht bequemer, aber in Bamberg hätte ich im Hamster wohl keinen freien Platz mehr gefunden, der war nämlich völlig überfüllt. Zusätzlich zum ohnehin schon überfüllten Zug kam nun auch noch ein Junggesellenabschied hinzu. -.- Warum macht man sowas überhaupt am Feiertag, wenn man am nächsten Tag wieder arbeiten muss? Freitag oder Samstag wären doch strategisch viel klüger.^^
[image]
121 Oberfränkischer Ausblick
[image]
122 In Marktschorgast kommt ein Zugteil hinzu
[image]
123 Neuenmarkt-Wirsberg: Nicht so schüchtern, komm ruhig näher! :-)
[image]
124 Nun ist auch der zweite Tf auf der dunklen Seite ;-)
[image]
125 Hamster
[image]
126 Kloster Vierzehnheiligen südöstlich vom ICE-Halt Lichtenfels
[image]
127 Daneben erhebt sich der Staffelberg, am Südende der RbTW immer gut erkennbar
Auch in Nürnberg war die Übergangszeit mit 50 min alles andere als anschlussoptimiert. Der MüNüX war mal wieder völlig überfüllt. Zum Glück sah ich noch einen freien Platz neben einem dicken Menschen. Ich fragte, ob da noch frei ist. Er meinte, er wartete auf einen Kumpel. Ich meinte, ich war aber zuerst da. Wir diskutierten kurz. Ich saß. :p Natürlich kam kein Kumpel, aber man kann es ja mal versuchen… -.- Sehr viele Leute stiegen bereits in Allersberg aus, danach gab es immerhin fast keine Stehplätze mehr. Ich versuche ja immer, den MüNüx wenn irgend möglich zu vermeiden, aber wenn man so kreuz und quer umhergurkt, kommt halt wenig anderes als ein Bayern-Böhmen-Ticket in Frage, und den mehr als einstündigen Umweg über Treuchtlingen (3 h Regionalbahn) wollte ich mir am Ende dieser ohnehin schon anstrengenden Tour auch nicht mehr geben.^^ Es war die MüNüX-Verbindung mit Umstieg in Ingolstadt. Südlich davon bot ein Dosto-Zug erheblich größere Kapazität. Dieser erreichte – nach fast 14 h allein heute – mein Ziel München eine Minute vor Plan um 21 Uhr.
[image]
128 Angeblicher MüNüX in Ingolstadt, doch München fährt dieser Zug gar nicht an
[image]
129 Opa & ich am Ziel

Insgesamt hatte die Tour 2.769 km und 34:48 h Fahrzeit (plus 11:59 h für Zwischenhalte, davon ja mehr als die Hälfte in Žilina). Das macht nicht ganz 80 km/h im Durchschnitt. 458 km der Strecke waren in Deutschland, 406 km in Österreich (inkl. von der Grenze bis Salzburg-Hbf.), 758 km in Tschechien und 1.066 km in der Slowakei.

Es grüßt
Das Krümelmonster

--
Was ist Ironie?
Stell dir vor, dein Zug bleibt in der Pampa liegen. Die Steckdosen gehen nicht mehr. Dann gibt die Klimaanlage den Geist auf. Usw. Nach einer Weile gibt's Freigetränke für alle. Und 10 min später fallen die WCs aus...
Das ist Ironie!


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum