Wieder eine Slowakei-Tour, Teil 2 (Reiseberichte)

Krümelmonster @, München, Donnerstag, 07. November 2019, 20:13 (vor 11 Tagen) @ Krümelmonster

Am nächsten Morgen wachte ich kurz vor Margecany in der Ostslowakei auf. Es regnete bei bei niedriger Wolkendecke. Die Ankunft in Košice war pünktlich kurz vor halb 9, und schwupps hörte es auf zu regnen. =) Die 2,5 h Aufenthalt nutzte ich zunächst, um das erste Mal in der Slowakei Tram zu fahren. Ich kenne die Slowakei ja nun wirklich gut, kenne viele Ecken im ganzen Land, beherrsche (halbwegs) die Sprache (es ist halt schwer dranzubleiben), aber ich hatte es tatsächlich noch nie geschafft, mit einer Tram zu fahren.^^ Dann schlenderte ich eine Runde durch die sehr schöne Innenstadt und holte mir frisch gemachte Sandwiches zum Mitnehmen.
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27 Angekommen in Košice
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28 Tram Košice
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29 – 32 In der Altstadt von Košice
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33 Der Urban-Turm neben dem Dom
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34 Der Dom der Heiligen Elisabeth
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35 Der Dom aus Richtung Süden
Anschließend beförderte das Dieselmonster das Krümelmonster ganz in den Osten des Landes, denn dort war ich noch nie. Die Strecke führte kurvig aus Košice hinaus zunächst Richtung ukrainischer Grenze, bald bogen wir links ab Richtung Humenné. Die Ecke ganz im Osten der Slowakei macht einen unwirtlichen, dystopischen Eindruck, als würde einfach alles den Bach runter gehen. Die Straßen sind kaputt, die Häuser auch, kein Schwein ist unterwegs. Nur im modernen Zug ist noch heile Welt (Streckenzustand & Geschwindigkeit ok), abgesehen davon, dass nicht wenigen Mitreisenden mehrere Zähne fehlen... Man sieht Dörfer, die scheinbar komplett im Verfall begriffen sind, und bekommt so ein richtiges Ende-der-Welt-Gefühl... Draußen sah einfach alles kaputt aus… Der Mobilfunkempfang war schlimmer als in Deutschland. Die Strecke querte eine riesige Reihe paralleler Oberleitungen, quasi eine Stromautobahn, Richtung Ostgrenze. Ich frage mich bis heute, wer dort so viel Strom verbraucht. Mittags kurz vor halb eins am 29. April (!) verkündete die Temperaturanzeige bereits 30 Grad. Es war äußerst diesig, was den depressiven Eindruck verstärkte…
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36 Dieses Monster bringt mich weiter
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37 – 38 Wir ziehen einen Güterzug auf der Breitspurstrecke ab
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39 Stillleben des Verfalls
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40 Michalovce. Auf Slowakisch kann man das schön prägnant sagen: „Za Košicami je koniec sveta aj svetla.“ – Hinter Košice endet die Welt und das Licht…
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41 Güterzug in Strážske
Nach anderthalb Stunden wurde Humenné pünktlich erreicht, der 4-min-Anschluss Richtung Stakčín gelang. Diese Fahrt dauerte eine Dreiviertelstunde. Landschaftlich war es nicht groß spannend, man sah viel Industrie, wobei – anders als auf dem Weg nach Humenné – noch nicht alles davon kaputt war. Stakčín selbst wirkte relativ intakt… Es ist ein Kaff mit weniger als 2.500 EW, während des Aufenthaltes inspizierte ich es relativ genau. Irgendwie fühlte es sich eher an wie die Ukraine als wie die Slowakei… Bis zur Ostgrenze sind es 23 Straßenkilometer, doch der Ort liegt weiter östlich als der Grenzbahnhof Čierna nad Tisou weiter im Süden und ist damit der östlichste Bahnhof der Slowakei.
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42 Angekommen in Humenné
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43 Der östlichste Bahnhof der Slowakei
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44 Die Hauptstraße wirkt deutlich weniger traurig als in vielen anderen ostslowakischen Dörfern
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45 Denkfall für die Gefallenen…
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46 Orthodoxe Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit
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47 Katholische Kirche
Nach 70 min fuhr ich zurück nach Humenné, wobei sich der Zug in Snina beträchtlich füllte. In Humenné hatte ich 2:20 h Aufenthalt. Ich stieg bereits am Stadtbahnhof aus und ging zunächst durch die moderne, langweilige Innenstadt. Das einzig interessante Gebäude, das Schloss, beherbergt ein Kunstmuseum, das finde ich nicht so interessant. Da am Abend schon wieder eine Fahrt im Nachtzug anstand und es gut heiß war, ging ich anschließend noch ins Schwimmbad. Die Halle mit dem Becken war halbwegs modern, aber gerade im Bereich der Umkleiden konnte man noch den Charme der sozialistischen Zeit hautnah spüren.^^
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48 Zurück in Humenné
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49 Slowakenzugparade in Humenné mesto
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50 Das Schloss ist das einzig Sehenswerte in Humenné
Am Bahnhof Humenné (für Slowakisch-Kenner: das n ist übrigens hart) hat man schlanken Anschluss aus Richtung Stakčín & Medzilaborce in Richtung Košice & Prešov. Das Gute an der slowakischen Bahn: Anschlüsse werden eigentlich immer erreicht, solange die Verspätung nicht extrem ist. Das Schlechte an der slowakischen Bahn: Es sind echt viele Züge verspätet (zwischen 5 und 30 min). Als ich weiterfahren wollte, kam der Zug aus Stakčín pünktlich, aber der aus Medzilaborce hatte aus irgendwelchen Gründen + 15. So wartete der Zug nach Košice auf den aus Medzilaborce, und erst 10 min nachdem er raus war, konnten wir mit + 10 losfahren. Kommuniziert wurde das ganze überhaupt nicht, die elektrische Anzeige behauptete bis 17:50 Uhr, dass wir 17:40 losfahren würden. Zunächst befuhr mein Zug dieselbe Strecke wie auf der Hinfahrt am Mittag, nach 10 min bog er in Strážske rechts ab Richtung Prešov – für mich unbekannt bis Kapušany pri Prešove, gut 10 min vor dem Fahrtziel, dort zweigt nämlich die Strecke nach Bardejov Richtung Norden ab. Obwohl ein Brückentag war, war die Auslastung am Sonntag Abend nicht schlecht. Oft hielt der Zug scheinbar mitten auf dem Feld an einem kleinen Häuschen. Auf einem dieser „Bahnsteige“ war ein junges Pärchen am Turteln. Der Zug fuhr ein. Sie guckte theatralisch, hielt ihn fest, sagte offenbar: "Nein, geh nicht!". Er guckte traurig, wollte in den Zug, aber sie ließ ihn nicht los. Jo, und dann fuhr der Zug weiter.^^ Now has he the salad.^^ So konnten sie wenigstens noch 2 h weiterturteln.^^
Im Laufe der anderthalbstündigen Fahrt nach Prešov wurden die + 10 Abfahrtsverspätung komplett aufgeholt. Auch in Prešov hatte ich 2:20 h Aufenthalt. Ich fuhr zunächst mit dem Obus und stellte erschrocken fest, dass ja gar nicht alle Linien vom Bahnhof in die Innenstadt fahren.^^ Also lief ich von irgendwo in die Innenstadt und futterte dort noch etwas (diesmal keine Pizza, denn die Slowaken essen gern Pizza, aber nicht gut^^).
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51 Der Zug aus Stakčín ist zwar schon eingetroffen, doch die Züge nach Prešov (rechts angeschnitten) und Košice (dahinter, nicht sichtbar) warten noch auf den Zug aus Medzilaborce
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52 Blick auf das Dorf Podlipníky kurz hinter der Station Pavlovce
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53 Ostslowakische Landschaft
Dann bestieg ich den Nachtzug über die Südslowakei mit seinem exotischen Kurswagen bis nach Prag. International kostete dieser 12 € Zuschlag. Es war ein älterer Wagen, doch unter der Ablage versteckten sich Steckdosen. Nach einer halben Stunde war wieder Košice erreicht, wo ein Lokwechsel stattfand, weitere Wägelchen hinten dran gehangen wurden und ich Gesellschaft im Abteil bekam. Der dritte im Bunde sollte nachts um halb vier zu uns stoßen, wusste der Provodnik… Ich hoffte, dass er keine Kochtöpfe dabei haben würde… Wir verließen Košice relativ pünktlich, doch dann begannen irgendwelche Probleme und wir verbrachten viel Zeit mit Stehen. Als wir noch deutlich vor Rožňava bei fast + 30 waren, schlief ich ein. Als ich irgendwann nachts mal schaute, waren wir bei + 40. Vielleicht hatte es auch damit zu tun, auf jeden Fall waren wir auch morgens nur zu zweit im Abteil.^^
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54 Schon wieder ein Nachtzug
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55 Alter Schlafwagen
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56 Korridor im älteren Schlafwagen
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57 Warum zum Geier steht das auf Schwedisch dort? :-s
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58 In Košice verkrümelt sich die E-Lok auch schon wieder
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59 Links der EN mit Autotransportwagen auf direktem Wege nach Prag. Ich drehe erst noch eine Runde durch die Südslowakei.^^
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60 Da haben wir wieder ein Dieselmonster

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Was ist Ironie?
Stell dir vor, dein Zug bleibt in der Pampa liegen. Die Steckdosen gehen nicht mehr. Dann gibt die Klimaanlage den Geist auf. Usw. Nach einer Weile gibt's Freigetränke für alle. Und 10 min später fallen die WCs aus...
Das ist Ironie!


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