Wieder eine Slowakei-Tour, Teil 1 (Reiseberichte)

Krümelmonster @, München, Donnerstag, 07. November 2019, 20:13 (vor 11 Tagen)

Hallo liebes Forum,

letztes Jahr ging es Ende April zum Sprachkenntnisse Anwenden wieder in den Osten. :-)

Bereits kurz vor 6 war ich am Münchner Hbf. Ich wollte über Mühldorf nach Salzburg fahren, weil mir die Strecke Mühldorf – Freilassing noch fehlte. Aber beim Zug nach Mühldorf standen München-Hbf. und -Ost als Ausfall drin, er sollte erst in Markt Schwaben beginnen. Lustigerweise fiel die S-Bahn ebenfalls bis Markt Schwaben aus. Also ging ich zur DB Info. Vor mir stand eine ältere Frau mit demselben Problem, sie wurde zur S-Bahn geschickt. Ich wurde brüsk gefragt, warum ich denn über Mühldorf nach Salzburg fahren wollte. Seit wann muss man sich als Fahrgast dafür rechtfertigen? Ich war – auch ob des Tons – so verdattert, dass ich gar keine Antwort wusste und erst nach ein paar Sekunden sagen konnte: „Ich bin da halt noch nie langgefahren“. Daraufhin schaute die Info-Frau nicht weniger skeptisch. Nach einiger Diskussion hatte ich dann den Zugbindung-Aufgehoben-Stempel und die gnädige Erlaubnis, mit dem RJ zu fahren. Als ich ging, kam die ältere Dame wieder, die zuvor zur S-Bahn geschickt worden war, und vermeldete, dass diese auch ausfällt. Einen SEV gab es natürlich nicht. Ich hatte nicht die Muße, mir die Sache zu Ende anzuhören… Erst mittags erfuhr ich, dass ein Riem ein Güterzug entgleist war und die Strecke über 100 m Länge komplett zerstört hatte. Das ganze als „technische Störung an der Strecke“ zu umschreiben, naja…
Durch die Fahrt mit dem direkten RJ hätte ich über 3,5 h Puffer mit Gepäck am wenig zentralen Wiener Hbf gehabt. Nachdem ich die Strecke Mühldorf – Freilassing schon nicht mitnehmen konnte, beschloss ich, ab St. Pölten auf der alten Westbahn nach Wien zu fahren, die kannte ich auch noch nicht. Der RJ war bis Salzburg pünktlich, dann immer einige min nach Plan. In St. Pölten hatte er schließlich + 4 (für meine Statistik gerade noch pünktlich), ich stresste mich ziemlich, um den 5-min-Anschluss zu bekommen, um dann festzustellen, dass dieser 4 min wartete.^^ Nun sah ich, dass ich, statt in Hütteldorf auf die direkte S-Bahn zum Hbf zu warten, auch über die Vorortelinie via Heiligenstadt und Handelskai zum Hbf fahren konnte. Ich fragte den KiN (oder wie auch immer der in AT heißt), ob ich so fahren dürfe, er bestätigte mir, dass es erlaubt ist – super, noch mehr neue Strecke.^^ Er hatte einen äußerst entspannten Job, anfangs war ich der einzige Gast in meinem Dosto, am Ende war die Auslastung ca. 20 %. Als Gegensatz zur schnellen Tunnelkette führte die Fahrt gemütlich auf kurviger Strecke durch den hügeligen Wienerwald. Einer der interessanteren Ortsnamen an der Strecke war zweifelsohne Pressbaum – was wollte der Gründer des Ortes damit sagen?^^ Nicht weit entfernt trägt ein Wiener Bezirk den aufschlussreichen Namen Wolf in der Au. :D Nach Ankunft in Hütteldorf fuhr ich also zum Handelskai, wo ich 11:40 Uhr ankam (der direkte RJ war 10:30 in Wien-Hbf). Nach einer kurzen Pause ging es weiter zum Hbf, bis 14:10 Uhr hatte ich immer noch massig Zeit. Ich stellte fest, dass es gut war, dass ich den Puffer nicht ausgereizt hatte und nicht 2 h später gefahren war (wären dann immer noch 40 min Puffer gewesen), denn inzwischen gab es einen Rettungseinsatz (PU) auf der Westbahn, der RJ, den ich genommen hätte, war „vsl. über 150 min verspätet“ angesagt…
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1 Dann halt so… -.-
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2 Salzburg
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3 Privatwagen, auch unten war anfangs leer^^
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4 Im Wienerwald
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5 S-Bahn
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6 In Wien
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7 Schloss Belvedere nahe des Hbf.
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8 Tram Wien
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9 Für Freunde vom pfrivaten Fern-Verkehr ;-)
Es ging weiter mit einem polnischen Zug (bis Bohumin mit tschechischer Lok). Mit 120 – 140 km/h führte die Fahrt Richtung Nordosten, Steckdosen & Klima funktionierten unter österreichischem Strom nicht, erst in Tschechien ging es. Die Auslastung war äußerst gering bis Břeclav. Der österreichische Zub konnte Břeclav sogar richtig aussprechen, ich hätte es selbst nicht viel besser hinbekommen.^^ In Břeclav waren planmäßig 7 min Aufenthalt (Ankunft sogar mit – 2), Korrespondenz mit dem Zug Budapest – Prag, Personalwechsel und die Auslastung erhöhte sich schlagartig (war ja auch nicht schwer^^). Pünktlich ging es weiter, nun mit Tempo 160. Im polnischen Zug, der gar keinen Zwischenhalt im deutschsprachigen Raum hat, waren die Reservierungszettel nur auf Deutsch. Und die Tschechen fragten sich, was "S-chverrrbehinderrt" heißen könnte... Mein Ticket hatte ich gesplittet in Staré Město u Uherského Hradiště, was etwas Verwunderung beim Zub auslöste. Man kann bei cd.cz ja nur von/nach Tschechien buchen, und ich wollte von Österreich in die Slowakei – irgendwo musste ich also splitten, und das tunlichst nicht am Umstiegsort. Lt. Reiseverbindung hätte ich in Staré Město u Uherského Hradiště umsteigen sollen, tat das aber erst in Otrokovice.
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10 Tschechenlok mit polnischen Wagen
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11 Überquerung des Flusses, der in Deutschland Weißwurst-Äquator heißt ;-)
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12 Angekommen in Otrokovice
Weiter sollte es mit einem Rychlík eine Station nach Hulín gehen. Doch es stand noch ein verspäteter Regionalzug im Bahnhof, ich fragte den KiN, ob zuerst er oder zuerst der Schnellzug nach Hulín fährt. Der KiN zeigte auf seinen Zug und antwortete wortwörtlich: „Dieser Zug fährt nicht nach Hulín.“. Ich wunderte mich, aber ließ ihn ziehen. Kurz darauf traf der gut besuchte Rychlík ein, nahm ich halt den. Auf seiner 8-minütigen Fahrt nach Hulín machte er aus den + 6 eine + 9. Ich hatte einen 5-min-Anschluss und zumindest auf dieser Streckenführung die letzte Verbindung des Tages. Beim Ausstieg in Hulín sah ich den KiN des Regionalzugs wieder, der 15 min zuvor mir gegenüber noch behauptet hatte, gar nicht hierhin zu fahren – vielleicht sollte ich mal was an meinem Outfit ändern... :-s Und ich bin mir sicher, dass nichts Lost in Translation war, das waren ja alles kurze, eindeutige Sätze... -.- Mein Anschlusshai hatte zum Glück gewartet und setzte sich mit + 7 in Bewegung. Plusterbacke fände ich irgendwie treffender als Hai, aber wahrscheinlich besteht da Verwechslungsgefahr mit dem Talent 2.^^ Der Hai war zu min. 75 % ausgelastet. Er fuhr mit üblicherweise 70 km/h durch kleine Orte und die blühenden Rapsfelder Südmährens Richtung Valašské Meziříčí. Falls jemand das aussprechen kann, Herzlichen Glückwunsch! :D Das ř ist ein gerolltes R und ein J (wie in Journalist), aber beides gleichzeitig. Diesen ominösen Laut gibt’s auch wirklich nur im Tschechischen. Die Aussprache lautet dann also: Walaschßkäh Mesi(¿)ietschie ¯\_(ツ)_/¯.
Bei Ankunft in Valašské Meziříčí waren noch + 6 übrig. Ich hatte nun 1:40 h Zeit und ging eine Runde durch die Stadt. Die ist durchaus hübsch!
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13 Regionalzug
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14 Mein Rychlík
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15 Der RegioShark
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16 Das Zierotinerschloss in Valašské Meziříčí
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17 Der Stadtplatz
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18 Blühende Bäume an der Straße zum Bahnhof
Wieder am Bhf nahm ich den Ex gen Slowakei. Dieser war von Anfang bis Ende pünktlich und überquerte die Grenze sogar 2 min früher als lt. Plan. Auch er war rege besucht, ich bekam nur einen Gangplatz im Abteil. Mit 80 – 90 km/h schlängelte er sich auf kurviger Strecke durch schön bewaldetes Mittelgebirge. Auf einmal sah ich jemanden mit dem Roller durch den Gang fahren. Wie weit er gekommen ist, habe ich nicht gesehen, aber allzu weit kann es ja nicht gewesen sein...
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19 Regionalzug
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20 Güterzug
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21 Ex in Púchov
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22 Anschluss an den Rychlík nach Košice
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23 Der internationale Zug ist erheblich kürzer
An meinem Ausstiegsort Púchov hatte der Zug eine Pause, um vom Schnellzug Bratislava – Košice überholt zu werden, bevor er zur Endstation Žilina weiterfuhr. Ich ging hier erstmal Pizza futtern. Kurz vor 10 stieg ich in den Langschläferschlafwagen Richtung Osten. Wobei, Langschläfer ist relativ, der normale Nachtzug hat ja unmögliche Fahrzeiten, wenn man nicht gerade die ganze Strecke Bratislava – Humenné fährt. Gibt es irgendwo in Europa noch längere Kurswagenübergänge als den in Žilina von 22:34 – 05:00 Uhr? Leider wollte der Provodnik die oberen Betten nicht hochklappen, weil er meinte, da kann ja immer noch jemand kommen. -.- Selbst in Žilina nicht, er sagte, sogar hinter Žilina könnte sich noch jemand schlafen legen wollen (wer soll denn dafür noch den Aufpreis zahlen?). Natürlich kam niemand. Die Betten selbst hochklappen wollte ich auch nicht, da ich einerseits nicht sicher wusste, wie es geht, und andererseits überall geschrieben stand, dass man es nicht darf, und so wie ich die ŽSSK-Leute kennengelernt habe, wäre ich dafür wahrscheinlich ärschlings aus dem Zug geworfen worden.^^ Während der 6,5 h Aufenthalt in Žilina habe ich von großen Rangiermanövern nichts mitkommen, sondern für solch ein kleines Bett erstaunlich gut geschlafen. Der Aufpreis für T3 kostet übrigens schlappe 8 €. :D
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24 Schlafabteil
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25 Schlafabteil am nächsten Morgen
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26 Der Gang
Neue Strecken für mich an diesem Tag waren St. Pölten – Wien-Handelskai sowie Wien-Stadlau – Púchov und Považská Bystrica – Žilina (letzteres ist zwar die slowakische Hauptstrecke, aber da war ich 2015 mit Fahrrad bzw. SEV unterwegs).

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Was ist Ironie?
Stell dir vor, dein Zug bleibt in der Pampa liegen. Die Steckdosen gehen nicht mehr. Dann gibt die Klimaanlage den Geist auf. Usw. Nach einer Weile gibt's Freigetränke für alle. Und 10 min später fallen die WCs aus...
Das ist Ironie!


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