Schlafwagenzüge für 250 km/h? (Allgemeines Forum)

ThomasK, Freitag, 02.08.2019, 23:08 (vor 2438 Tagen) @ Oscar (NL)

Hallo ThomasK,

Denkbar ist allerdings, dass die schwedische Regierung die Schlafwagenzüge für Vmax = 250 km/h ausschreibt. Ich tippe mal eher, dass die Ausschreibung für 200 km/h erfolgen wird.


Mir sind keine 250 km/h Schlafwagenzüge in Europa bekannt. Nur solche in China.
Das sind aber verteilt angetriebene Triebwagen.

Heisst also:

a. man müsste einen solchen Zug bei Bombardier oder CRRC bestellen;
b. man müsste einen solchen Zug neu entwickeln;
c. man müsste vorhandene 230-250 km/h Zugverbände für Schlafwagenbetrieb umbauen.

Dann scheint es mir sinnvoller, die Schienenraserei den Tageszügen zu überlassen und es nachts einfach bei 200 km/h zu belassen.
Dann kann man nach wie vor einzelne Wagen dazustellen und einen solchen Zug auch als frühmorgentlicher oder spätabendlicher IC betreiben. Auf NL projektiert: so kommt man spätabends noch von Amsterdam nach Köln und frühmorgens von Köln nach Amsterdam. Scheint mir wichtiger als die Möglichkeit nachts etwas schneller fahren zu können.


gruß,

Oscar (NL).


Es kommt selbstverständlich entscheidend darauf an, welche Verbindung der Nachtzug sicherstellt. Für Stockholm - Hamburg reicht 200 km/h.

Wichtig ist zunächst einmal, dass Vmax = 200 km/h als Qualitätsstandard für Schlafwagenzüge gesetzt sind.

Wenn man aber langfristig ein europäisches Nachtzugnetz aufbaut, dann muss man sich die einzelnen Verbindungen näher angucken.

Bei einem Nachtzug London - Rom, der durch den neuen Mont-Cenis-Basistunnel fahren wird und fast ausschließlich auf Neubaustrecken unterwegs ist, ist aber sehr wohl Vmax = 250 km/h, vielleicht auch Vmax = 300 km/h angesagt.

Auch ein Nachtzug von Madrid nach Frankfurt (Main) wäre ein Kandidat für Vmax = 300 km/h.

Lang, lang, ist´s her, aber früher fuhr man mit dem Nachtzug von Dortmund nach Athen. Im Kursbuch stand dann München Hbf - Athen 2286 km. Genau weiß ich es nicht mehr, aber ich glaube, es war die Tabelle D3 und D4. Abfahrt war in München Hbf um 21.38 Uhr.

Im Flugzeugbau ist es selbstverständlich, dass der Hersteller die gesamte Flugzeugtechnik völlig unabhängig von der späteren Inneneinrichtung entwickelt. Entwickelt man nun neue Züge, dann sollten die Bahnhersteller die Züge so entwickeln, dass das Eisenbahnverkehrsunternehmen grundsätzlich auch die Möglichkeit hat, aufbauend auf der Technik auch Schlafwageneinrichtungen einbauen zu lassen.

Zusätzliche Anschlüsse und Leitungen, die im ICE nicht notwendig sind, wie z.B. Wasserleitungen für die Dusche im Schlafwagenabteil können in Modulweise vorbereitet sein.

Aber wie gesagt: Ob man die Schlafwagenzüge für 200 km/h, 250 km/h oder 300 km/h baut, ist abhängig von der Verbindung, auf der sie eingesetzt werden sollen.

Zwischen NL und CH, bzw. NL und A reichen aber 200 km/h. Zwischen NL und ES jedoch würde ich eher zu 250 km/h oder 300 km/h tendieren. Wenn die Niederländer an der Costa Brava Urlaub machen wollen und man die Urlauber vom Flugzeug auf die Bahn bringen will, dann sollte eben die Zugfahrt Amsterdam - Barcelona eben im Nachtsprung zu schaffen sein. Sonst wird das nichts mit den Klimaschutzzielen.

Viele Urlauber möchten stressfrei in den Urlaub und, um die Urlaubszeit bestmöglich auszunutzen, starten viele bereits an ihrem letzten Arbeitstag in den Urlaub.

Rechnen wir mal ein fiktives Beispiel nach.

Eine niederländische Familie aus Amsterdam macht Urlaub in Ischia. Freitag ist der letzte Arbeitstag. Kann die Familie überzeugt werden, statt mit dem Flugzeug mit dem Zug von Amsterdam CS nach Napoli C zu fahren?

Nehmen wir an, der Schlafwagenzug startet um 19.00 Uhr in Amsterdam CS und hätte die Möglichkeit, mit 1500 V DC, 3000 V DC, 15000 V AC, 16,7 Hz zu fahren und könnte Vmax = 250 km/h fahren.

Gegen 1 Uhr wäre der Zug in Basel, gegen 5 Uhr in Milano C, gegen 8.30 Uhr in Roma T und gegen 10.00 Uhr in Napoli C. Nach der Schifffahrt und dem Transfer wäre die niederländische Familie dann am Samstag, wenn üblicherweise Bettenwechsel ist, gegen 14 Uhr im Hotel auf Ischia.

Drei Wochen später, wenn der Urlaub wieder an einem Samstag zu Ende ist, würde die niederländische Familie nach dem Mittagessen im Hotel die Heimreise gegen 13.00 Uhr beginnen. Abfahrt mit dem Schlafwagenzug in Napoli C wäre z.B. gegen 18.00 Uhr und Ankunft in Amsterdam CS am Sonntag gegen 9 Uhr. Dann versandelt die Familie noch den Sonntag und am Montag geht die Arbeit wieder los.

Warum nicht?

Ich sage nicht, dass der Umstieg vom Flugzeug auf die Bahn immer reibungslos klappt, aber wenn die politischen Rahmenbedingungen sich gründlich ändern, die Regierungen mit klar definierten Standards für ein europäisches Nachtzugnetz klare Rahmenbedingungen schaffen, dann könnte sehr wohl ein erheblicher Teil des Flugverkehrs auf die Bahn verlagert werden.

Von München aus (Drehkreuz) fliegen 2/3 aller Flugzeuge zu Zielen im erweiterten Mitteleuropa. Nur ein Bruchteil aller Flüge sind Interkontinentalflüge, die sich nicht auf die Bahn verlagern lassen.

Notwendig ist also ein Klimaschutzprogramm auf EU-Ebene und eine Maßnahme in diesem Klimaschutzprogramm ist die Ausschreibung eines europäischen Nachtzugnetzes. Man einigt sich auf ein Kontingent von z.B. 100 Nachtzugpaaren und Rahmenbedingungen, die die Eisenbahn gegenüber dem Flugzeug attraktiver machen.

Und dann schreibt man das Nachtzugnetz aus.

Voraussetzung sind allerdings handelnde Akteure und kein Politiker Bla-Bla.


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