(ZM:) Interview mit ÖBB-FV-Chef bzgl Nachtzug (Allgemeines Forum)

Blaschke, Donnerstag, 01.08.2019, 21:07 (vor 2446 Tagen)

Hallihallo allerseits.

In der neuen Ausgabe "derFahrgast" ist ein Interview mit Kurt Bauer, Leiter FV ÖBB-Personenverkehr AG enthalten.

Zunächst betont er die strategische Idee, in Mitteleuropa DER Nachtzuganbieter zu werden. Die Marke NIGHTJET habe man erfolgreich installiert.

Für neue Gedanken verweist er öfters auf das Jahr 2022. Die SBB würden wieder über den Nachtzug nachdenken, Benelux auch. In beiden Fälle führe man konkrete Gespräche - mit der DB nicht, wie er ausdrücklich betont. Interessant: er spricht davon, dass Schwedens Ministerium einen Nachtzug Stockholm Hamburg ausschreibt, wo die ÖBB gerne dabei wären.

Einem Restaurantwagen erteilt er eine deutliche Absage! Zu teuer. Schlaf- und Sitzwagen seien gut zu vermarkten, problematisch sei der Liegewagen, vor allem wegen des Aspektes Privatsphäre.

Bemerkenswert zum Schluß: er fordert, dass sich der regulatorische Rahmen ändern muss zugunsten der Eisenbahn, um erfolgreich zu sein; Stichworte Kerosinbesteuerung, MwSt auf Flug- und Bahntickets. Rein betriebswirtschaftlich sei das schwierig im Moment.

Die Schlußfrage ist, ob mit dem Nachtzug Geld verdient wird. Zitat:

Es geht sich schon schön auf eine schwarze Null aus. Sind wir reinvestfähig? Eigentlich nicht. (...) Und man muss natürlich auch einplanen, das der innerösterreichische Nachtzugverkehr vom Bundesministerium für Verkehr bestellt ist. (...) Sinnvoller wäre es jedoch, den Kontext zu ändern, so dass ein Nachtzug sich eigenwirtschaftlich ausgeht, (...)


Soweit die Berichterstattung.

Kommentar: ich fühle mich in meiner bisherigen Meinung durchaus bestätigt. Wenn ich behaupte, dass sich die Zahlen von DB und ÖBB beim Nachtzug nicht grundlegend unterscheiden. Unterschied nur: die DB hat ihn etwas mieser gerechnet, weil er weg sollte; die ÖBB rechnen etwas positiver, weil sie das als langfristiges Alleinstellungsmerkmal betrachten. Eine Strategie, die durchaus sinnvoll ist. Nur heißt es eben auch klar, dass Gewinn für Investitionen keiner übrig bleibt. Was natürlich mittelfristig geändert werden muss. Die ÖBB hoffen da auf die Politik. Jedenfalls denke ich, wird klar, dass man der DB nicht unbedingt vorwerfen kann, dass sie nicht mehr investieren wollte. Das können die ÖBB unter rein wirtschaftlichen Aspekten nämlich derzeit auch nicht.

Ich denke, es ist gut, dass sich mit den ÖBB wer gefunden hat, der den Nachtzug erstmal am Leben hält. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind aber nicht sonderlich anders als bei der DB. So dass mittelfristig sehr genau zu überlegen ist, ob und wenn ja, wie eine Bahn mit dem Nachtzug Geld verdienen kann - und zwar soviel, dass es auch für regelmäßige Investitionen reicht.


Schöne Grüße von jörg


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