Berlin-Düsseldorf, eine Baustelle von 564 km... Weltrekord? (Reiseberichte)

brun, Montag, 04.03.2019, 16:21 (vor 2636 Tagen) @ Oscar (NL)

Ich lehne mich mal gefährlich weit aus dem Fenster (weil das Thema bei mir auch eine wunde Stelle ist) und behaupte, das Ganze ist kein DB-typisches Problem, sondern die typisch deutsche Rangehensweise bei Baustellen an der Infrastruktur: Es darf ja nicht zu viel kosten.
Ob normale Stadtstraße, Autobahn oder Bahnstrecke, und egal wie wichtig die Verbindung sein mag: Es wird erstmal gesperrt und dann Monate oder sogar Jahre gebaut. Und zwar nicht nachts, nein, ganz normal von 8 bis 17 Uhr an Werktagen. Und auch ja nicht zu schnell, denn dazu braucht es mehr Bauunternehmen, und das kostet extra.
Dauerstau? Egal. Längere Fahrzeiten? Na und.
Zum Beispiel die Autobahnbrücke in der A30 bei Löhne. Die Großbaustelle dort dauert VIER ganze Jahre.
A10, südliche Berliner Ring: Genauso. Drei ganze Jahre für den 8-spurigen Ausbau und den Austausch einer einzigen Eisenbahnbrücke.
Und wo war auch wieder die Oberleitung kaputt auf der SFS Hannover-Berlin? Letztes Jahr, nach dem letzten großen Sturmtief im Frühjahr. Da war die Strecke wortwörtlich monatelang nur eingleisig befahrbar. Ich bin einmal die Woche vorbei, man sah NIE Bautruppen.
Oder die Elsenbrücke in Berlin, die für den Verkehr aus dem und in den Osten unentberlich ist. Ich zitiere Wikipedia:
“Am 20. November 2018 wurde bekannt gegeben, dass bis zum Jahr 2022 eine Behelfsbrücke mit zwei Fahrstreifen gebaut wird und mit deren Fertigstellung mit dem Abriss der Elsenbrücke begonnen wird. Bis zum Jahr 2025 soll zunächst der Überbau Nordwest fertiggestellt sein, die komplette Brücke wahrscheinlich frühestens 2028.”
DREI Jahre für eine Behelfsbrücke, und dann noch SECHS Jahre bevor die Brücke überhaupt wieder steht.
Seit Entdeckung der Risse werden also zehn Jahre gebraucht eh mal eine neue Brücke steht.
Es ist ja nicht so, dass Deutschland es nicht kann. Im Gegenteil. Berlin-Ostkreuz wurde bei laufendem Betrieb in etwa 10 Jahren komplett umgebaut. Einfach weil dort schon oft nachts gearbeitet wurde, und am Wochenende Vollsperrungen erlaubt wurden, damit wichtige Bauabschnitte in zwei Tagen statt in zwei Monaten fertig wurden. Alles insgesamt eine Meisterleistung.
Wieso leistet sich das Land dann trotzdem so viele Billigprojekte?


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum