Zweifelhafte Geschwindigkeiten auf deutschen NBS? (Aktueller Betrieb)

Alibizugpaar, Köln (im Herzen immer noch Göttinger), Sonntag, 01.07.2018, 12:49 (vor 2861 Tagen)

Hurra,

bin gestern mit dem 1736 (BR 411) von Berlin nach Frankfurt gerollert. Die Geschwindigkeitsanzeigen im Zug gaben folgende Geschwindigkeiten an, wenn sie denn mal angezeigt wurden. Sie kamen selten, um so öfter sollte man WiFionICE lesen. Aber das Tempo änderte sich selten deutlich.

Berlin - Bitterfeld 180 - 190 km/h
Bitterfeld - Halle 150
Halle - Erfurt 150 - 170 (NBS!)
Erfurt - Frankfurt 160

Ich glaube wir waren meist +/- pünktlich. Nur bei Hanau stockte es (dort mussten wir im Vorfeld um den TEE Rheingold mit der 103 113 herum fahren) und ob die nordmainische Führung normal ist weiß ich auch nicht.

Jedenfalls habe ich mich beim schläfrigen Ritt über die NBS gefragt, was an dieser Fahrt eigentlich sprinterig und Hochgeschwindigkeitsverkehr sein soll? Gab es nicht diese Tage eine deutliche Kritik aus EU-Brüssel um den nicht in die Puschen kommenden Schienen-HGV in Europa? Die genannten Werte schafft jeder moderne VW Golf und daß wir in Fulda durchgefahren sind, das kann nicht der einzige Reißer sein, denn die ICE Hamburg - Frankfurt fahren auch ohne Halt durch Fulda und das sind keine Sprinter.

Wie oft und gern wirbt die DB für ein Tempo 300-Erlebnis im ICE. Aber die gestrigen Fahrzeiten könnten auch für einen alten InterRegio stehen. Der 411 ist noch nicht einmal in Sichtweite zu seinen möglichen 230 gekommen, hat sozusagen 60 km/h 'verfallen' lassen.

Und ganz nebenbei

- ist der 843 (BR 402) auf der Hinfahrt wenige Tage zuvor zwischen Wolfsburg und Berlin nie über die Marke 199 hinaus gekommen
- konnte der 690 am 16.06. auf Berlin - Hamburg (BR 401) nur 160 fahren = 1 Stunde Verspätung
- hat der 511 (Köln - München, BR 403) am 28.06. den leicht verspäteten 23 (Dortmund - Wien) nicht(!) abgewartet, obwohl sich beide Züge auf der dem Hbf zugewandten Seite der Hohenzollernbrücke begegneten. Auf der anschließenden Fahrt nach Süden war der 511 weitestgehend nur mit 260 statt 300 km/h unterwegs.
- wurde der 523 am 09.06.zwischen Würzburg und Nürnberg von zwei Cargos stark ausgebremst (dann Überholungen), musste hinter einer RB 2x still stehen und trotzdem kam er pünktlich in Nürnberg an

Wozu diese häufigen Schleichereien? Warum werden Umsteiger knapp stehen gelassen, wenn in den Zügen und Strecken mehr drin steckt und mehr möglich sein sollte? Ganz nebenbei frage ich mich natürlich auch, wie ein ICE früh morgens vor 6 Uhr überhaupt schon wieder verspätet sein kann. Ich erlebe nicht selten verspätete Bereitstellungen.

Herrscht auf Erfurt - Nürnberg auch so eine Tempo-Gemütlichkeit? Bin dort noch nie gefahren. Habe aber das Gefühl, daß bei der Bahn fast überall der Wurm drin steckt. Dabei erwähne ich noch nicht einmal meine geplante Fahrt nach Puttgarden am 26.06., die ich wegen Zugausfall und Bus-SEV ab Lübeck spontan abbrechen/umplanen durfte - auch nicht zum ersten Mal. Nach Auskunft des Zub auf dem RE dann nach Kiel war der Ausfall wegen Tf-Personalmangel. Nanu, dabei ist DB Regio nahezu konkurrenzlos und fast exklusiv in S-H unterwegs.

Was sind das für kräftige Fahrzeitzuschläge im Fernverkehr? Wird der HGV deutlich ausgebremst, weil die Taktknoten dies so verlangen? Ich hoffe nicht. Dann können noch viele hundert Milliarden verbetoniert werden und die Schiene wird doch nie eine ernst zu nehmende Konkurrenz zu Auto und Flugzeug.

--
Gruß, Olaf

"Die Reise gleicht einem Spiel; es ist immer Gewinn und Verlust dabei und meist von der unerwarteten Seite."

Goethe an Schiller 1797


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