Teil 3 oder: Wie viel kann an einem Tag schief gehen? [16 B] (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Montag, 14.11.2016, 20:23 (vor 3422 Tagen) @ Krümelmonster

Weiter ging's mit ICE 17 von Brüssel Richtung Ffm. Die Standardansagen im Zug waren 4-sprachig (FR, DE, EN, NL) – ziemlich nervig, wenn man alle versteht.^^ Zuerst fuhr der ICE durch Brüssels Katakomben, den Tunnel zw. Süd- und Nordbhf. Weiter ging's über die ABS nach Leuven, allerdings mit spürbar weniger als 200 km/h – schon merkwürdig. Leuven wurde durchquert, dann fuhr der Zug weiter auf die SFS. Hier soll der ICE 250 km/h fahren, doch er konnte geradeso mit den Autos auf der parallelen Autobahn mithalten. Und auch das nicht lange, bald wurde er immer langsamer, fuhr aber noch weiter, und nach einer Weile blieb er stehen…
Der Zugchef sagte durch, der Zug sei wegen einer technischen Störung am Zug zum Stehen gekommen. Offenkundig lag es am Zug, dann bald schoss ein Belgier mit großem Karracho in Gegenrichtung vorbei. Während der Tf versuchte, die Gurke wieder zum Laufen zu bringen, fielen nach und nach die einzelnen Teile der Bordelektronik aus. Manches funktionierte später wieder, die Klimaanlage aber nicht. Zur Definition von Ironie s. meine Signatur. :D
Der Tf ging zum hinteren Führerstand (war eine Einfachtraktion), um dort sein Glück zu versuchen, doch der Zug blieb tot. Nachdem wir schon fast 1 h standen, informierte der Zugchef, eine Schlepplok sei unterwegs, wir würden nach Leuven zurückgebracht. Großes Lob an den Zugchef: Seine Ansagen waren angemessen oft und alle 3-sprachig (FR, DE, EN, zwar mit Akzent, aber verständlich). Alle Reisenden blieben informiert. Die Stimmung blieb ruhig, obwohl oder weil viele Familien mit Kindern unterwegs waren.
Irgendwann dockte mit spürbarem Krawums die Schlepplok an, die Bordelektronik wurde heruntergefahren (war ja eh nicht mehr viel übrig^^) und die Tuckerfahrt nach Leuven begann, bis ca. 17:15 (da sollte der Zug schon fast in Ffm sein). Warum ausgerechnet Leuven und nicht das viel nähere und in Reiserichtung liegende Liège mit internationalem Verkehr, darüber haben wir ja schon diskutiert. Ich bleibe dabei: Vielleicht sollte die flämische Lok halt keinen Zug nach Wallonien schleppen. :D
In Leuven wanderte der Tross von ein paar hundert Reisenden zum angesagten Gleis und wurde ein paar min später vom durchrasenden Thalys nach Köln verhöhnt. Kurz vor sechs fuhr der IC gen Eupen ein. Das war (nach dem Thalys) der erste Zug, der nach Aufhebung der Sperrung über die SFS fuhr, und so war er schon gut voll. Doch der 10-Wagen-Zug konnte auch noch ein paar hundert Reisende aufnehmen. Nun ging die Fahrt los über die SFS, die Eurosprinter-Lok schafft Tempo 200. Anfangs besiegten wir die Autos mühelos, doch irgendwann verließen sie ihn, und kurz darauf blieben wir stehen (da war sogar der ICE weiter gekommen :D). Kurz darauf die Ansage, der Zug sei wegen einer technischen Störung am Zug zum Stehen gekommen. Man nennt das auch: Fluch! :D Nach ca. 5 min ging es schon wieder weiter. Wir passierten die Stelle, wo der ICE verendet war, 5 – 10 km weiter mündete die SFS bei Ans in die Bestandsstrecke, ca. 6 km weiter lag der Bahnhof Liège-Guillemins.
Sinnvoll wäre gewesen, wenn wir in Liège in den ICE 19 gestiegen wären. Doch der belgische Zub informierte und der ICE-Zugchef übersetzte, ICE 19 sei überlastet, stattdessen sollten wir bis Verviers im IC bleiben, dort ständen Busse „nach Deutschland“ bereit. Ein Mitreisender meinte beruhigend zu mir: „Alles halb so wild. Jetzt essen Sie erstmal nen Keks!“, und bot mir einen an. Damit war die Welt natürlich wieder in Ordnung (fast). ;) Woher er mich kannte, weiß ich bis heute nicht.
Die Fahrt ging im Abendlicht weiter durch das reizvolle Wesertal. Verviers (sprich: Werr-WJEH) wurde 19 Uhr erreicht. Dort standen, Überraschung, tatsächlich 6 oder 7 gelbe Gelbier-Busse, und die wurden voll. DB Fernverkehr hätte das nie getan – wenn ein Zug überlastet ist, ist das doch kein Argument, es gibt ja irgendeinen anderen!
Von der idyllisch im Tal gelegenen Altstadt führte die Fahrt im Sonnenuntergang durch die schöne Landschaft (entlang der nächsten SFS, grrr), bis wir gegen 19:45 Uhr in der Dunkelheit Aachen-Hbf. erreichten. Dort merkte man, dass der SEV wirklich Sache der Belgier war und nicht von DB Fernverkehr: ICE 19 (Plan-Abf. 19:39, mit + 5 im RIS) wartete nicht auf die SEV-Fahrgäste. Warum auch, fährt doch bestimmt später noch irgendein anderer Zug, grrr… Die 6 oder 7 Busladungen stürmten also den nächsten Dosto-Regio nach Köln. Immerhin wurde der dadurch so verspätet, dass mein Anschlusszug (mit Ank. 2:16 nachts in München) sicher verpasst wurde – sollte mir auch Recht sein.^^ Jetzt musste ich nicht mitten in der Nacht fahren, sondern es bestand Aussicht auf CNL oder Hotel. Platz gab es im Regio nur noch im Einstiegsbereich bei den Türen, was bei 8 Halten kein Spaß war…
Nach so viel Text erstmal wieder einige Bilder:
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58: RIP, ICE :(
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59: Toter ICE, wartender IC und rasender Thalys
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60: Der IC nach Eupen, der obwohl schon gut gefüllt noch erstaunlich viele Leute aufnehmen konnte
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61: Belgische Schleuder von Aachen nach Spa, rechts daneben unser IC, der sich gerade um den Großteil seiner Reisenden erleichterte
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62: Schnelle Traxx – der Regio aus Aachen in Köln

20:46, zur Abfahrt des letzten ICE gen Süden, erreichten wir Köln-Hbf. Ich stellte mich bei der DB-Info an und wurde begrüßt: „Guten Abend, kommen Sie auch aus Brüssel?“ :D Da ich am nächsten Tag arbeiten musste, weigerte ich mich, im grell beleuchteten Nacht-IC mit Haltansagen alle 5 min und der Angst vor Taschendieben nach München zu fahren, ich wollte ein Bett im Liegewagen des CNL (Abf. 23:28) oder ein Hotelzimmer. Das verstand man, konnte aber nicht helfen. Da der CNL schon losgefahren sei, könne man keine Reservierung mehr vornehmen. Ich solle nachher „mal mit dem CNL-Schaffner verhandeln“. :D Informationen zu Unregelmäßigkeiten oder Verspätung des CNL gab es keine.
Ich bahnte mir den Weg zwischen den Bettlern hindurch zurück zum Bahnsteig. Auf meiner Fahrkarte stand eine NV-Fahrt vom Hbf. nach Deutz (ich wollte die SFS schon richtig erleben und deshalb mit ICE 725 nach München fahren, der fährt von Deutz nonstop nach Ffm-Flugh., ICE 17 hätte da 3 x halten sollen). Das Stück über den Rhein fuhr ich jetzt, um von Deutz zurückzulaufen. Der eigentliche Grund dieser Fahrt war eher, dass ich ein (kostenloses) WC brauchte.^^ Wenn man Köln so von weitem sieht und nur die Silhouette anschaut, ist die Stadt eigentlich gar nicht hässlich. Man sollte halt nicht den Fehler machen, da auszusteigen. :D
Leider war ich viel zu früh wieder am Hbf, der CNL war noch nicht einmal auf der Anzeigetafel. Ich suchte vergeblich einen Sitzplatz, bis ich mich irgendwann entnervt auf die Treppe zu einem Gleis setzte. „Ey!“, tönte es, ich ignorierte es. „Ey, nisch uffe Treppe sitzen!“. Ich dachte, es sei ein Bettler, und tat nichts. „Ey, nisch uffe Treppe! Is VERBOTEN!!!“. Ich blickte auf: zwei grimmige Schränke von DB Sicherheit knackten mit den Fingern: „EY!!!!!“. Nicht minder grimmig verkrümelte ich mich…
Gegen 23 Uhr stellte ich mich (sitzen durfte man ja nicht) in die Haupthalle und warf spaßenshalber einen Blick auf die Anzeige der nächsten Züge. Es folgte der absolute Tiefpunkt der gesamten Tour: der CNL war „ca. 120 min später“ angezeigt. Der Mensch an der Info meinte, das sei wegen eines PU in Amsterdam. Ich hatte doch vorhin mit seinem Kollegen gesprochen und gefragt, ob ich den Zug nehmen könne. Anstatt mir zum „Verhandeln“ zu raten, hätte er doch ins RIS schauen und mir sagen können, dass Warten zwecklos sei! Jetzt hatte ich völlig umsonst über 2 h zwischen den Bettlern herumgelungert…
Den Hotelgutschein gab's problemlos, nur den hätte ich schon 2 h eher haben können! Aber nein, wär ja zu einfach…
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63: Bahnhofsgebäude in Köln-Messe/Deutz
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64: Das Panorama von Köln ist schön. Der Rest nicht…
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65: Geisterzug
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66: ICE T aus dem Rheintal gen Dortmund
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67: Schiff auf dem Rhein
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68: Schrecklich hässliches Gebäude & Dom

Nach einer viel zu kurzen Nacht und einem super Frühstücks-Buffet (nur Kekse gab’s keine:( ) lief ich die drei Meter vom Hotel Kommerz zum Hbf und fuhr mit der S-Bahn nochmal nach Deutz. Ostwärts klappten beide Fahrten ohne Pause auf der Brücke.^^
7:44 kam ICE 527. Von der Fahrt über die KRM hätte ich mir mehr erhofft. Die 300 km/h wurden wenn dann nur kurz erreicht, auf dem Display standen meist Werte um 270. Bloß der Nebel, der gegen Ende der Fahrt aufkam, hatte ein bisschen was. Bis Frankfurt war es ziemlich voll, viele Schwarze Mambas, die alle in Krankfurt (Flugh. oder Moloch) ausstiegen, zwischen Ffm und Würzburg ca. 30 % Auslastung, am Ende wieder ein bisschen mehr. Über die NIM ging's nur mit max. 260 Sachen…
München wurde „pünktlich“ um 12:04 erreicht, für mich mit 899 min Verspätung. Ich sah noch den CNL aus Köln, der mit ca. + 280 bloß ca. 15 min eher da war als ich.^^ Lt. Zugfinder war er mit + 210 in Köln abgefahren. Die Verbindung mit Ank. 2:16 hatte ca. 30 min Verspätung gehabt (süß!), mit dem Nachtbus wäre ich dann morgens kurz nach halb fünf zu Hause gewesen. So gesehen hab ich ja alles richtig gemacht.^^
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69: Schickes Hotel. V. a.: „Sie müssen nichts zahlen. Die Rechnung geht an DB.“
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71: Ich wollte keinen meiner genutzten Züge unfotografiert lassen. Dann kommt eben sowas bei raus…^^ Rätsel: Welche BR ist das? :D
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72: Ein ICE 3 gen Süden kommt angerollt
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73: Zwischen Main und Oberleitung die Würzburger Residenz

Der „Ausflug“ war zwar echt anstrengend, aber eben auch echt erlebnisreich. Besser als Kekse Essen!
Auch wenn mein Gleitzeitkonto danach erstmal ziemlich negativ drauf war – ich hatte den Spaß meines Lebens!

In diesem Sinne wünsche ich euch „interessante“ Zugfahrten (was das bedeutet, muss jeder selbst entscheiden :D) und leckere Kekse!

Es grüßt
das Krümelmonster

--
Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Oder in der Kekspackung. :)

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