Kurztrip nach London, Teil 2: Von Affen und vom Kanal [26 B] (Reiseberichte)
Der „Busbhf.“ (eher ein freies Stück Straßenrand) in Düsseldorf ist nicht weit vom Hbf. Der weiße IC-Bus war schon von weitem zu sehen. Hinter mir nahmen sozial benachteiligte Jugendliche Platz, die so richtig raushängen ließen, dass sie vom Affen abstammen. Es begann: „Ey Mann, die sind so dumm! De WLAN funktioniert nisch!!!“ – „Ey Mann, hast du groß und klein rischtisch und so!?“ – „Ey Mann, ja Mann, isch hab alles groß!“ – „Ey Mann, du Kevin, du sollst nisch alles großschreibm!!!“. In dem Stil ging das ungefähr die ganze Nacht. Meine Hoffnung auf einen freien Platz erfüllte sich nicht: Eine Frau kam, zeigte auf meine besockten Füße und forderte: „This is my seat!“ Kein Good Evening, kein Excuse Me, kein Please, kein Thank You! Die Gutste war aber nicht einmal Deutsche, sondern Niederländerin – so viel zum Thema, Deutsche seien unhöflich!
Bis Einhoven betrug die Auslastung oben 80 %. Dort stieg kurz nach elf die Hälfte der Leute aus, auch die Generalin neben mir, sodass nun jeder eine 2er-Reihe für sich hatte. Der Bus fuhr über Roermond nach Eindhoven (gibt’s in NL entfernungsabhängige Autobahnmaut für Busse, oder warum der Umweg?^^), ab Eindhoven ging’s über die Autobahn weiter. Als ich gerade dabei war einzuschlafen, gab es einen lauten Wums und der Zustand des Fahrbahnbelages änderte sich zum Bemitleidenswerten. Ich machte die Augen auf und sah ein Schild: Welkom in België! Der Zustand der Straße wurde nicht besser, zum allem Überfluss gab auch das WLAN seinen Geist auf. Irgendwann schlief ich aus Erschöpfung doch ein, und gefühlt wenige Momente später erreichte der Bus 00:20 Uhr Antwerpen, wo kaum Fahrgastwechsel stattfand. In beiden Städten war der Halt direkt am Bhf.
Es ging weiter über die Autobahn, wo auch nachts um eins noch reges Treiben herrschte. Kurz hinter Gent schlief ich wieder ein.
Gefühlt wenige Momente später wachte ich wieder auf. Der Bus befand sich auf einem Hafengelände, sagten die frz. Ausschilderungen – ich rätselte. Dann sah ich das Schild: Port de Calais. Dazu passte aber nicht, dass es erst kurz vor drei war. Wenige Minuten später blieb der Bus stehen. Der Busfahrer meldete sich mit den Worten „Ladies and Gentlemen, sorry to wake you up.“, und bat, für die Grenzkontrolle den Bus zu verlassen. Und es passierte: nichts. Rein gar nichts. Alle schliefen weiter! :D Der Busfahrer meldete sich nochmal deutlich lauter und sagte, wir müssten nun leider den Bus verlassen. Nun regten sich die Leute.^^ Die Grenzkontrolle war völlig entspannt, die Briten wollten nur den Ausweis sehen und nicht einmal wissen, warum wir auf ihre Insel wollten (nachts um drei wären die meisten Fahrgäste wohl eh nicht so auskunftsfreudig^^). Dann ging es im Bus weiter zum Fähranleger, wo schon min. fünf andere Busse warteten, es kamen noch mehr. Der Busfahrer sagte, Abfahrt sei erst in über einer Stunde, wir müssten warten. Kurz vor vier fuhren wir auf die Fähre und mussten den Bus verlassen, genau wie die Füllungen der fast zehn weiteren Busse auch. Es herrschte fast Hochbetrieb: v. a. Fernbusse, u. a. aus Barcelona und Polen, aber auch ein Jahrgang einer deutschen Schule (die müssen min. zwei Busse gehabt haben).
Die Überfahrt mitten in der Vollmondnacht hatte etwas ganz Besonderes an sich. In Calais war es unfassbar kalt und ich war froh über alle Schichten Kleidung, die ich sonst im Rucksack herumschleppte. Ich verbrachte fast die ganze Fahrt auf dem Außendeck achtern. Die berühmten weißen Klippen waren nur kurz vor Ankunft zu sehen. Nach 1,5-stündiger Überfahrt (minus 1 h Zeitverschiebung) wurde Dover gegen 5 Uhr erreicht, es ging im Bus über die Autobahn weiter. Endlich konnte ich mal etwas durchschlafen. Insgesamt habe ich während der Busfahrt ca. 3 h geschlafen, wenn’s hoch kommt…
Ich wachte auf, während sich der Bus gerade durch die Straßen von London quälte. Selbst Sonntagfrüh um halb sieben gab es hier dichten Verkehr. Regelrecht Stau gab es vor dem Busbhf, wo nur wenige Bussteige zum Aussteigen zur Verfügung standen für die vielen Nachtbusse vom Kontinent und aus Schottland/Nordengland. 7:10 Uhr erreichten wir London, ca. 15 min vor Plan.
IC Bus nachts könnte höchstens dann vielleicht erträglich sein, wenn man die Garantie auf einen freien Nebenplatz hat und keine schreienden Halbaffen hinter sich. Aber auch dann gibt es noch genug andere Übel wie die belgische Buckelpiste namens Autobahn…
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32: Calais kurz nach vier nachts
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33: Hier herrscht rund um die Uhr Betrieb!
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34: 4 Uhr 35. Wir legen ab.
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35: Hafen von Calais
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36: Immer noch Calais
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37: Ist das Kunst oder kann das weg?
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38: Irgendwie unheimlich. Rechts glitzert Dover.
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39: Die berühmten Weißen Klippen
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40: Geschafft! Ich auch…
Anschließend streifte ich gut zwei Stunden durch die prächtige inselaffige Hauptstadt. Die Entfernung vom Busbhf zum Bhf betrug ca. 6 km, sodass ich keine U-Bahn-Fahrkarte kaufte, sondern zu Fuß ging mit Abstechern zu ein paar Sehenswürdigkeiten. Ich war vor sieben und acht Jahren mehrmals in London, deshalb war mir die Stadt schon grob bekannt und ich hatte nicht das Gefühl, etwas zu „verpassen“.
Nach zwei Bahnbildern jetzt ein bisschen Touri-Kram, aber das gehört ja auch dazu:
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41: Victoria Station in der Nähe vom Busbhf
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42: Lustige Züge ebendort
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43: Buckingham Palace
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44: Die Horseguards bei schönem englischem Sommerwetter (12 ° und Regen, allerdings mehr als Niesel)
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45: Touri-Klassiker
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46: Das wahrscheinlich größte Auge der Welt
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47: Chinatown
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48: Schicke britische Architektur
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49: Piccadilly Circus. Normalerweise ist hier mehr los, aber nicht Sonntagfrüh kurz vor neun…
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50: Schöne alte Wohnhäuser
Meine geplante Rückfahrt sah so aus:
11:04 – 14:05 EST London St Pancras Intl – Bruxelles-Midi
14:25 – 16:14 ICE Bruxelles-Midi – Köln-Hbf.
16:24 – 16:25 RB Köln-Hbf. – Köln-Messe/Deutz
16:44 – 21:05 ICE Köln-Messe/Deutz – München-Hbf.
Gegen halb zehn erreichte ich den Bahnhof St Pancras, hatte also noch etwas Zeit.
Der Check-In beim Eurostar besteht aus einer Sicherheitskontrolle wie am Flughafen, dafür wird aus gutem Grund angegeben, dass man spätestens 30 min vorher da sein muss. Nach der Sicherheitskontrolle nimmt man im Wartebereich Platz, und ca. 15 min vor Abfahrt wird das Gleis bekannt gegeben, dann setzt sich ein riesiger Tross Menschen in Bewegung. Denn die Eurostar-Züge sind nicht nur verdammt lang (mit 400 m so lang wie eine DT 403), sondern auch wirklich verdammt eng bestuhlt (Ryanair lässt grüßen). Es gab bisher noch keinen Zug, wo ich mich wirklich über den Komfort beklagt habe (selbst Talent 2 oder RJ finde ich erträglich), aber der Eurostar ist wirklich grausig. Sind die Briten alle kleiner, oder woran liegt das? Ich habe es in normaler Sitzposition nicht geschafft, meine Knie zusammenzubekommen…
Als ich buchte, konnte ich leider nur noch einen Gangplatz bekommen. Der Fensterplatz neben mir gehörte einer dicken deutschen Frau. Auf meine Frage, ob wir tauschen könnten, antwortete sie nur mit „Pffff“. Ich fand einen anderen Fensterplatz, da musste ich wenigstens nicht neben der bösen dicken Frau sitzen, sondern neben einem schmalen Mädchen Anfang 20. Ein Großteil der Leute im Waggon redete Deutsch. Von London bis Folkestone sind es ca. 32 min, die Fahrt durch den Eurotunnel dauert 19 – 20 min, weitere 34 min später war Lille-Europe erreicht. Interessant fand ich, dass man bis kurz vor das Tunnelende sehr guten britischen Handy-Empfang hat.^^ Die Zugbegleiterin sprach völlig akzentfrei Englisch, Französisch und Niederländisch (und zwar normales Niederländisch, nicht dieses rätselhafte Brabants^^). Interessant war die Reihenfolge der Sprachen: Während der Zug durch Großbritannien fuhr erst EN, dann FR, dann NL. Während der Fahrt durch Frankreich und Wallonien erst FR, dann EN, dann NL. Und zwischen Hal und Brüssel, also in Flandern, erst NL, dann EN, und zuletzt FR. Einziger Zwischenhalt war Lille-Europe (auf Niederländisch: aanstande stop: Rijssel, statioon Lille-Europa). Die Fahrt mit dem Eurostar dauerte insg. 2 h (+ 1 h Zeitverschiebung).
Als ich in Brüssel endlich wieder meine Beine ausstrecken durfte, eilte ich erstmal zum Keksladen und kaufte Macarons :) (definitiv die geilsten Kekse auf diesem Planeten!).
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51: St Pancras in seiner ganzen Pracht
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52: St Pancras von der Seite
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53: Direkt neben der St Pancras Station steht King’s Cross Station
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54: Mächtiges Gediesel in der Bahnhofshalle von King’s Crosss. Gleis 9¾ habe ich leider nicht gefunden…
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55: Eine Sardinenbüchse soll später nach Paris fahren (meine Sardinenbüchse steht in schlechtem Licht hinter der Kamera)
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56: Dartford Crossing, der verkehrsreichste Flussübergang im UK, überquert die Themse
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57: Angekommen in Brüssel. Freiheit für die Beine!
Ja, und dann nahm das Unheil im ICE 17 seinen Lauf… 17 gilt in Italien als Unglückszahl (genau wie bei uns die 13). Viele italienische Gebäude haben keine 17. Etage, bei Alitalia (und sogar bei LH!) gibt’s keine Reihe 17. Aber bei der DB einen ICE 17.
Es geht gleich weiter.
--
Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Oder in der Kekspackung. :)
Meine alten Reiseberichte (inkl. Bildern) verschicke ich gern per Email - bitte per Direktnachricht melden!
gesamter Thread:
- Kurztrip nach London, Teil 1: Auf Richtung Nordwesten [31 B] -
Krümelmonster,
14.11.2016, 20:08
- Kurztrip nach London, Teil 2: Von Affen und vom Kanal [26 B] -
Krümelmonster,
14.11.2016, 20:16
- Teil 3 oder: Wie viel kann an einem Tag schief gehen? [16 B] -
Krümelmonster,
14.11.2016, 20:23
- Schöner Bericht, vielen Dank! -
musicus,
14.11.2016, 20:40
- Nachtfahrten -
Krümelmonster,
15.11.2016, 19:58
- Nachtfahrten - gnampf, 16.11.2016, 08:23
- Nachtfahrten -
Krümelmonster,
15.11.2016, 19:58
- Teil 3 oder: Wie viel kann an einem Tag schief gehen? [16 B] -
ICE11,
14.11.2016, 23:10
- Teil 3 oder: Wie viel kann an einem Tag schief gehen? [16 B] -
ffz,
15.11.2016, 13:33
- Teil 3 oder: Wie viel kann an einem Tag schief gehen? [16 B] -
Krümelmonster,
15.11.2016, 20:01
- Teil 3 oder: Wie viel kann an einem Tag schief gehen? [16 B] -
ffz,
15.11.2016, 22:16
- OT: Niederländisch keine Sprache? -
JanZ,
15.11.2016, 22:39
- OT: Niederländisch ist eine Sprache -
ALR997,
16.11.2016, 08:38
- OT: Niederländisch ist eine Sprache - JanZ, 16.11.2016, 09:17
- OT: Niederländisch ist eine Sprache -
ALR997,
16.11.2016, 08:38
- OT: Niederländisch - Krümelmonster, 16.11.2016, 08:28
- OT: Niederländisch keine Sprache? -
JanZ,
15.11.2016, 22:39
- Teil 3 oder: Wie viel kann an einem Tag schief gehen? [16 B] - ICE11, 16.11.2016, 01:06
- Teil 3 oder: Wie viel kann an einem Tag schief gehen? [16 B] -
ffz,
15.11.2016, 22:16
- Teil 3 oder: Wie viel kann an einem Tag schief gehen? [16 B] -
Krümelmonster,
15.11.2016, 20:01
- Teil 3 oder: Wie viel kann an einem Tag schief gehen? [16 B] -
ffz,
15.11.2016, 13:33
- Herzlichen Dank! -
Colaholiker,
15.11.2016, 10:11
- Herzlichen Dank! -
Krümelmonster,
15.11.2016, 20:06
- Herzlichen Dank! - Colaholiker, 16.11.2016, 08:05
- Herzlichen Dank! -
Krümelmonster,
15.11.2016, 20:06
- Leuven - thelasse, 19.11.2016, 14:55
- Schöner Bericht, vielen Dank! -
musicus,
14.11.2016, 20:40
- Teil 3 oder: Wie viel kann an einem Tag schief gehen? [16 B] -
Krümelmonster,
14.11.2016, 20:23
- altertümliches Gefährt = LHB VT 2E - ES89, 14.11.2016, 20:39
- Kurztrip nach London - unterstes Niveau -
RhBDirk,
14.11.2016, 20:48
- Stellungnahme dazu -
Krümelmonster,
14.11.2016, 21:44
- Stellungnahme dazu -
RhBDirk,
14.11.2016, 22:09
- Stellungnahme dazu - JanZ, 15.11.2016, 20:04
- Stellungnahme dazu -
RhBDirk,
14.11.2016, 22:09
- hä ? warum ?
-
atzkowski,
14.11.2016, 22:06
- Stellungnahme dazu -
Krümelmonster,
14.11.2016, 21:44
- Kurztrip nach London -
462 001,
14.11.2016, 21:22
- Kurztrip nach London - Krümelmonster, 15.11.2016, 20:07
- Danke! Da haste ja ne ganze Menge erlebt! :-)
-
sflori,
15.11.2016, 09:47
- Kurztrip nach London, Teil 2: Von Affen und vom Kanal [26 B] -
Krümelmonster,
14.11.2016, 20:16