Dazu kommt die fast Heiligsprechung von "schlank" (Allgemeines Forum)

GUM, Donnerstag, 27.10.2016, 10:59 (vor 3442 Tagen) @ Quasar
bearbeitet von GUM, Donnerstag, 27.10.2016, 11:00

Hallo

der Spiegel befasst sich in einem ausführlichen Artikel mit dem auch die EVU betreffenden Personalmangel.

Schlank und agil gegen die Konkurrenz

Quintessenz:

"Doch sie vergessen zu planen, welche speziellen Qualifikationen ihre dafür nötigen Mitarbeiter brauchen. Meist planen Firmen holzschnittartig lediglich die Gesamtzahl an nötigem Personal. Engpässe in kritischen Positionen werden so übersehen."

Danke für den Link, Quasar!

Der geht schon ein bisschen in die Richtung, was ich bei "Erste Klasse plus" oder einem Premium-Railjet oder IC aus Panoramawagen schon angesprochen habe:

In viel zu vielen Branchen fand schon fast eine Heiligsprechung von "schlank", "effizient" und Selbstbedienung statt. Klar ist, dass direkt nach der Umstellung (also im Jahr "0") die Personalkosten und auch der Materialeinsatz bei jeder Leistungsverbilligung enorm sinken.

Schon in den Jahren 1 bis 3 merken die Kunden allerdings, dass weniger geboten wird. Die Preisbereitschaft sinkt also mit einer gewissen Verzögerung. Den Ersparnissen bis zum Teitpunkt t(Kunde durchblickt die Strategie) steht also eine Abwärtsbewegung der Umsätze (und letztendlich) des Gewinnpotenzials gegenüber.

Für die Bahn bedeutet dies: Redesign und 6 Sitze mehr pro Apmmz sowie gewichtsreduzierte Sitze bedeuten sofort niedrigere Stückkosten. Allerdings merken die Kunden irgendwann auch ein reduziertes Serviceniveau. Vielleicht mit einem Zub weniger pro Lang-IC der Rheinschiene.

Die Kunden wählen dann andere Verkehrsmittel wie das Auto oder gehen eine Reiseklase niedriger. Ein Effekt, der insbesondere bei der Triebwagenumstellung auf 2+2 in der 1. Klasse einiger Regionalzüge zu beobachten war.

Im Endeffekt gibt es irgendeine Abwärtsspirale aus Preisbereitschaft, Kostendruck etc..

Noch schlimmer ist es bei einigen regionalen Ablegern der roten Bank:

Preisaushang einer süddeutschen roten Bank
Quelle: Preisaushang der Landkreissparkasse der bayerischen Landeshauptstadt

Dort wird meiner Erfahrung und subjektiven Wahrnehmung nach keinerlei Aktienberatung mehr angeboten, um sich den gesamten Informationstransport von Research zum Point of Sales sparen zu können. Der Bankmitarbeiter empfiehlt meistens nur noch Fonds und sagt er dürfe gar keine Einzelwertberatung mehr machen. Dennoch wird die Mindesttransaktionsgebühr von 25 Euro (bzw. einem Prozent) genommen ohne die frühere Leistung zu erbringen.

Das merken die Kunden auch irgendwann und wandern ab.

Damit der Bahn (oder der Lufthansa wie im verlinkten Beispiel) das nicht passiert muss der Fokus auf Qualität gelegt werden. Eine Full-Service-Airline mit vier Klassen und einem guten Servicekonzept ist auch wesentlich anziehender für Berufseinsteiger als die roboterhaften Billigairline-Konzepte. Bei der in der kuren "Umdrehzeit" vielleicht auch noch Einnahmen gezählt werden und abgerechnet werden müssen.

Den Link kann man also durchaus zum Nachdenken nehmen. Nicht nur was die Berechnung der gesamten notwendigen Personenstunden angeht, sondern auch den Leistungsumfang insgesamt.

Die Heiligsprechung von schlank sollte also beendet werden, um das neue goldene Zeitalter der Bahn einleiten zu können.

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