Brief des DB-Vorstands an die Mitarbeiter (Aktueller Betrieb)

Eingleisigkeit, Montag, 04.05.2015, 09:27 (vor 3991 Tagen) @ ICE 785

Liebe Mitarbeiterinnen und liebe Mitarbeiter,

wir wenden uns heute als Gesamtvorstand des DB-Konzerns an Sie, weil uns die aktuelle Entwicklung in der Tarifauseinandersetzung mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ernste Sorge bereitet. Die GDL hat erneut einen flächendeckenden Arbeitskampf angekündigt. Dieser dann 8. Streik soll laut GDL „richtig lange“ dauern. Die GDL begründet ihre völlig maßlose Streikandrohung mit unserem Angebot vom vergangenen Mittwoch.
Was haben wir angeboten? Wir haben der GDL – ebenso wie der EVG – ein sehr seriöses Angebotspaket vorgelegt. Denn wir wollen diesen Tarifkonflikt endlich befrieden und tragfähige Verhandlungsergebnisse erzielen. Auf dem Tisch liegen insbesondere folgende Angebote:

Daneben haben wir ein Volumen von 0,5 Prozent für zahlreiche weitere Forderungen der GDL reserviert und hierzu ebenfalls konkrete Vorschläge gemacht.
In anderen Unternehmen ist ein solches Angebot nicht nur Verhandlungsbasis, sondern bereits der fertig verhandelte Tarifabschluss.
Darüber hinaus haben wir, anders als die GDL behauptet, auch Maßnahmen zur Belastungsreduktion angeboten, so z.B. die Einstellung von 300 zusätzlichen Lokführern im Jahr 2015 sowie den Ausbau unserer betrieblichen Arbeitszeitprojekte für eine individuellere Schicht- und Einsatzplanung.
Eine Arbeitszeitabsenkung ist aus unserer Sicht dagegen keine Lösung, zumal bei unseren Wettbewerbern – mit der GDL vereinbart – in aller Regel eine 40-Stunden-Woche gilt und damit eine Stunde mehr Arbeit zu leisten ist als im DB-Konzern. Unabhängig davon haben wir Programme zur Reduzierung von Überstunden aufgelegt. Und: Wir haben den Abbau der Mehrarbeit auch in Zielvereinbarungen verankert. Hier sind bereits Erfolge sichtbar, und in allen Geschäftsfeldern wird daran sehr ernsthaft weiter gearbeitet.
Die GDL hat über unser Angebot vom 29. April 2015 mit uns bisher jedoch ebenso wenig verhandelt wie über unser Angebot vom 20. November 2014.
Warum? Weil der aktuelle Tarifkonflikt mit der GDL sich im Kern um andere Themen dreht als um Lohnerhöhungen und Arbeitszeit. Der Knackpunkt der Verhandlungen ist nach wie vor, dass die GDL, vor allem für Lokrangierführer, andere Entgelt- und Zulagenstrukturen und andere Arbeitszeitregelungen will als die bestehenden, mit der EVG vereinbarten. Wir können jedoch nicht einfach ignorieren, dass im DB-Konzern bereits ein Tarifsystem existiert, das Zugbegleiter, Bordgastronomen, Lokrangierführer und alle anderen Arbeitnehmergruppen mit Ausnahme der Lokführer umfasst. Denn bis zum Sommer 2014 gab es klare Tarifzuständigkeiten zwischen den beiden Gewerkschaften. Es geht uns nicht darum, dass alles bleibt, wie es ist. Wir sind offen für eine gemeinsame Weiterentwicklung. Aber als Arbeitgeber dürfen wir nach wie vor nicht zulassen, dass für ein und dieselbe Berufsgruppe in unseren Betrieben je nach Gewerkschaftszugehörigkeit unterschiedliche Regelungen entstehen. Dies würde unsere Belegschaft spalten und unseren Unternehmen nachhaltig schaden.
Wir haben der GDL am 29. April 2015 ein verbessertes Angebot unterbreitet, um den Konflikt zu befrieden, obwohl unsere derzeitige wirtschaftliche Lage eigentlich nicht viel Spielraum lässt. Denn wir müssen für unsere Kunden verlässliche Partner sein, sonst suchen sie sich andere Transportmittel oder -unternehmen. Das erleben wir in diesen Tagen vor allem im Güter- und im Fernverkehr. Im Regionalverkehr verlieren wir Ausschreibungen wie jüngst in Nordrhein-Westfalen, weil wir unsere Systemvorteile nicht mehr nutzen können. In einem Wettbewerb, der allein über Personalkosten geführt wird, können wir nicht bestehen.
Gemeinsam mit den im DB-Konzern vertretenen Gewerkschaften tragen wir als Sozialpartner Verantwortung für die Zukunftsfähigkeit unserer Unternehmen. Nach unserer festen Überzeugung können nur am Verhandlungstisch faire und tragfähige Lösungen gefunden werden, die den Interessen aller Beteiligten gerecht werden. Nach dem bisherigen Verhandlungsverlauf scheint dies jedoch nur mit Unterstützung eines neutralen Dritten möglich. Deshalb haben wir der GDL angeboten, in ein Schlichtungsverfahren zu gehen. Denn ein weiterer Streik bringt uns einer Lösung keinen Schritt näher.

Quelle: DB-Rundschreiben an alle Mitarbeiter


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum