BWLer.. (Aktueller Betrieb)

JeDi, überall und nirgendwo, Dienstag, 21.04.2015, 10:49 (vor 4005 Tagen) @ TEF4

Selbstverständlich sind BWLer auch nur Menschen und die meisten werden ihre Arbeit gern und nach bestem Wissen und Gewissen erledigen. Was man aber auch nicht vergessen darf: sie sind Angestellte eines Unternehmens und diesem gegenüber verpflichtet - wenn es sich also nicht um ein gemeinnütziges handelt, ist in der aktuell "real existierenden" Gesellschaftsform die Gewinnmaximierung das Ziel eines solchen. Und um dieses Ziel zu erreichen, müssen immer wieder Einsparungen vorgenommen werden. Sicherlich gibt es sinnvolle Optimierungsmöglichkeiten in Produktionsprozessen, Logistikketten oder durch Anwendung von Neuerungen jedweder Art - nur ist so etwas nicht unendlich ausdehnbar und schon gar nicht immer in kürzester Zeit zu erreichen. Also wird allzuoft an sozialen Standards gespart oder es werden Wartungs- und Ausstauschzyklen bis zur Schmerzgrenze ausgereizt. Die Folgen sind hinlänglich bekannt, nur ändern tut sich in den seltensten Fällen etwas.
Fassen wir zusammen: BWLer sind nicht Schuld an den Fehlern des Systems, aber sind Teil und (böses Wort) Handlanger des Systems und demzufolge sicher nicht die Berufsgruppe, die höchstes Ansehen genießt. Ähnlich dürfte es Investmentbankern und Hedgefondmanagern ergehen ;-)

Das greift mir (als Betriebswirt) aber deutlich zu kurz. Wie heißt es so schön - "Es gibt solche und solche - und es gibt noch ganz andere und das sind die schlimmsten". Das große Problem ist: Natürlich kann ich Sozialstandards drücken, Wartungszyklen ausreizen, und so weiter. Das ist in der Theorie alles ganz toll: Es spart Geld. Ein schlechter Betriebswirt hört hier auf, zu denken - und macht das einfach.

Die ganze Sache geht aber noch viel weiter: Wenn ich meine Sozialstandards senke, sinkt (in der Regel - gibt natürlich Ausnahmen), verursacht mir das Folgekosten. Demotivation, niedrigere Produktivität, höhere Fluktuation, und so weiter. Davon ist aber nicht alles in Geld ausdrückbar - wie soll ich in Geld ausdrücken, dass meine Mitarbeiter motiviert sind? Dafür fehlt einigen (und die schlimmsten ruinieren ja immer den Ruf) der Blick. Ein guter [Betriebswirt/Buchhalter/Controller/...] versucht aber, auch derartige Punkte zu würdigen.

Das selbe bei Wartungszyklen. Dass mir dann die Produktion für 2 Stunden stillsteht, wenn was kaputt ist, kann ich noch in Geld ausdrücken. Dann kann ich 100 Autos weniger bauen, das kostet mich x Euro. Aber: Vielleicht arbeitet die Maschine ja auch schlechter, meine Fertigungsqualität sinkt. Würdigung?

Genau so kann man sich noch viele, viele Punkte ausdenken. Dinge, die in der Theorie schön funktionieren (aber in der Praxis nicht ganz so trivial sind) werden - koste es was es wolle - auswendig gelernt und angewendet - insbesondere von einer gewissen Fraktion, die mit ihrer Auswendiglernerei natürlich auch noch Toppnoten bekommt ;).

Gute (!) Betriebswirte sind dagegen quasi Essentiell dafür, dass ein Unternehmen funktioniert. Dazu gehört auch hier der Blick über den Tellerrand, weg von den Zahlen.

Gruß,
JeDi

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Weg mit dem 4744!


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