Um die Sache ein bisschen zusammenzufassen... (Allgemeines Forum)

Colaholiker, Frankfurt / Hildesheim, Mittwoch, 06.08.2014, 17:30 (vor 4474 Tagen) @ Eingleisigkeit

also ich verstehe besser, worauf du hinauswillst: Du behauptest, es ist egal, ob man etwas gegen Rechts oder Links unternimmt - Vertreter extremer Meinungen gibt es immer und mancherorts verstärkt, das ist der Lauf der Dinge.

Genau. Und je mehr man sich gegen die eine Seite auflehnt, desto mehr rutscht man zur anderen Seite hin. Seit es Meinungen gibt, gibt es voneinander abweichende Meinungen, und das eben im breiten Spektrum. Per Verbot läßt sich eine Meinung sowieso nicht effektiv unterdrücken.

Meine Meinung ist, dass man durch direkte, gemeinschaftliche und entschiedene Reaktionen durchaus ein Zeichen setzen kann, dass man mit diesem Gedankengut nicht einverstanden ist. Und dass das auf lange Sicht eine Verbreitung oder Verharmlosung unterbindet. In diesem Punkt kommen wir wohl nicht zusammen.

Da haben wir unterschiedliche Meinungen, aber das dürfen wir ja auch.


Ein paar deiner Antworten auf meinen Text kann ich aber nicht nachvollziehen:

Ha, witzig. Das sagt die AfD seit ihrer Gründung auch immer. Und formaljuristisch ist das sicher auch richtig. Trotzdem glaube ich, dass es durchaus Parteien gibt, die es mit ihren Forderungen darauf anlegen, auch solche Wähler zu erreichen. Ich kenne dazu aber keine Zahlen. Also legen wir die Spekulationen gern beiseite. Die NPD ist eine erlaubte Partei, also darf sie auch 5,6 % der Stimmen haben. Schade, aber wahr.

Entschuldige bitte, jede Partei hat eine oder mehrere bestimmte Zielgruppen, auf die sie sich fixiert. Nur so funktioniert das System überhaupt. Und so empfand ich die Klientelpolitik einer FDP, als sie noch zur Regierung gehört hat, viel gefährlicher. Mehr Geld für die Reichen, weniger für den Rest. Und das als Regierungspartei natürlich alles auf legalem Wege durchgesetzt. Also nicht zu vergleichen mit einer Partei vom äußeren Rand des politischen Spektrums, die eine (wenn auch nicht kleine) Minderheit hat, deren Sympathisanten (nicht zwangsläufig gleichzusetzen mit Mitglieder!) allerdings "draußen" illegal handeln.

Ja, das ist sicherlich so. Aber nur weil Linksextreme "auch böse" sind, kann ich doch wegen eines Hitler-Klingeltons die Polizei rufen, oder nicht? Das war doch die Ausgangsfrage.

Kann man. Muß man aber nicht. Ich sehe sowas immer als Frage der Verhältnismäßigkeit. Wenn die braune Brut draußen aufmarschiert, den für sie passenden Gruß zeigt und passende Parolen brüllt, ist die Anzeige sicher der richtige Weg. Hier geht es aber um jemanden, der diesen Klingelton toll fand (was ihn charakterlich nicht unbedingt hervorhebt ;-) )und eben nicht dran gedacht hat oder es ihn nicht gekümmert hat, daß eine kleine, sehr begrenzte Öffentlichkeit (mehr als eine Handvoll Leute werden das nicht gewesen sein, wenn man es realistisch betrachtet, es sei denn, er hatte die Megafon-App drauf...) das vielleicht niht gut findet. (Was nicht unbedingt für seine Intelligenz spricht.) Ich gestehe jedem zu, damit nicht einverstanden zu sein. De Jure ist es auch eine Straftat. Aber wer wurde dadurch wirklich geschädigt? Bei Aufmärschen kann man mit der öffentlichen Sicherheit und Ordnung argumentieren. Bei einer einzelnen Person mit einer Handvoll unfreiwilligen Zuhörern zieht das aber nicht.

Für mich hat diese "aber es ist verboten"-Mentalität was von den Blockwarten, die jeden angezeigt haben, der "feindliches Radio" gehört hat. Beide in ihrer Situation vollkommen im Recht, ohne Frage. Aber in meinen Augen unverhältnismäßig.

Weiß nicht, worauf du hinauswillst. Du schreibst viel und sprichst in Rätseln. Wenn es ein Argument werden soll, musst du konkreter werden.

Gut. Hier sind die Übergriffe durch Personen mit Migrationshintergrund der häufigere Fall. Bitte jetzt nicht falsch lesen: Nicht die Mehrzahl der Personen mit Migrationshintergrund begeht Übergriffe, aber die Mehrzahl der Übergriffe wird von Personen, die zu dieser Gruppe gehören, begangen. Macht die Situation aber weder hier noch da besser.

Und über Nazi-Parolen bei Fußballspielen brauchen wir ja wohl seit dem "Gaucho-Tanz" der Nationalmannschaft nicht mehr reden.

Warum müssen wir dann darüber nicht reden? Auch hier verstehe ich das Argument nicht.

Weil das Diffamieren anderer Nationen offensichtlich kein Problem eines "braunen Pöbels" ist, sondern sogar dort vorkommt. Der Grat zwischen Patriotismus und Nationalismus ist recht schmal.

Klar, Abstand halten macht die Welt sicherlich heiler. Aber dann muss man sich doch nicht beschweren, dass andere etwas gegen die eigentlich unheile Welt unternehmen wollen und sei es nur, die Polizei zu rufen.

Also zumindest hier sind die bei Fußballspielen ohnehin sehr zahlreich vertreten. Schließlich ist im Umfeld dieser Spiele auch ohne jegliche politische Motivation eine recht hohe Gewaltbereitschaft bei bestimmten "Fangruppierungen" bekannt. (Und auch hier wieder: Nicht jeder Fußballfan ist gewaltbereit!)

Aber jetzt gehst du ja wieder auf die Parteien-Schiene. Ein zulässiger Vergleich wäre gewesen, ob es in Frankfurt vielleicht überproportional viele Kapitalisten oder Chauvinisten gibt, gegen die man vorgehen sollte, sobald sie zu aufmüpfig werden. Und da wäre meine Meinung genauso: Ja, wenn es gefährlich wird. Ich finde, Hitler-Klingeltöne eben schon gefährlich, du noch nicht. Ich glaube überdies auch nicht, dass politische Strömungen Gott gegeben sind (in Sachsen gibt es halt seit jeher viele Rechte. Ist eben so). Kann ich aber nicht belegen.

Belegen kann das keiner. Aber ich habe mich wohl auch etwas undeutlich ausgedrückt. Ich meinte damit auch nicht, daß besonders viele Mitglieder der jeweiligen Parteien dort wohnen, sondern Wähler, oder meinetwegen auch Sympathisanten. Nur fallen diese Personen eben schon äußerlich am äußeren Ende des Spektrums eher auf als bei den "großen Parteien".

1850 wäre das vielleicht auch so gewesen. Heute ist "Arschloch" ein Schimpfwort, aber eben kein Weltuntergang mehr. Hitler-Reden sind es eben noch nicht (jedenfalls nicht unkommentiert in der Öffentlichkeit, als Geschichtszeugnis natürlich was anderes). 2100 nennt man seine Kinder vielleicht auch wieder Adolf. Wie gesagt, die Polizei darf gern entscheiden, ob Hitler-Reden als Klingelton okay sind, oder (noch) nicht.

Ich kenne eine Familie, wo sogar der im späten 20. Jahrhundert geborene erste Sohn Adolf heißt. Aber das ist in dieser Familie Tradition seit achtzehnhundertsonstwas. Genau weiß ich das Jahr nicht, aber deutlich im 19. Jahrhundert. Ansonsten verweise ich auf das, was ich zur Verhältnismäßigkeit oben schrieb. Wir reden von einem Ton, den jemand auf seinem Handy eingestellt hat, der eben erklungen ist, weil das Handy Nachrichten empfangen hat. Nicht davon, daß diese Person sich mitten in den Zug gestellt hat, und diese Worte gebrüllt hat.

Dem stimme ich auch nicht zu, aber das hängt sicher auch vom eigenen Körperbau ab. Ich finde jede Person, die abgebrüht genug ist, Hitler-Grüße als Klingelton einzustellen und so laut abzuspielen, dass es Mitreisende verstehen, einschüchternd.

Manche simpel gestrickte Charaktere finden das auch nur gnadenlos witzig. Nicht umsonst gibt es auch Leute, die sich auf ihrem Navi das Sprachpaket installieren, das so klingt, als hätte Adolf Hitler es eingesprochen. *gelangweilt guck*
Wie einschüchternd jemand ist, hängt natürlich auch vom eigenen Körperbau ab. Ist sozusagen alles relativ. ;)

Aber zum Abschluss noch einmal die Ausgangsfrage: Wenn du so viele Meinungen akzeptierst, warum hast du ein Problem damit, dass jemand Hitler-Klingeltöne als unzulässig und belästigend empfindet (und darin letztlich vom Staatsorgan bestätigt wird)? Du hast diese Person ja als "Denunziant" bezeichnet, was sich für mich danach anhört, dass du das Verhalten missbilligst, aber einsiehst, dass es nicht verboten ist. Dann eben die soziale Bestrafung als "Denunziant". Es kann dir doch völlig egal sein, ob jemand anderes wegen einem Hitler-Klingelton die Polizei ruft oder nicht. Welche Gefahr siehst du für die Gesellschaft in einem solchen Verhalten, dass du dich hier aufregst?

Siehe oben, Blockwartmentalität. Aber wieviele von denen, die da empört die Polizei gerufen haben, würden einschreiten (und wenn auch nur durch Rufen der Polizei), wenn wirklich Personen tätlich angegriffen werden? Ich behaupte mal, die wenigsten, wenn überhaupt. Es gibt genug Beispiele, die zeigen, daß Zivilcourage nicht gilt, wenn es hart auf hart kommt. Ich gestehe jedem zu, so einen Klingelton nicht gutzuheißen. Die Frage ist eben, wie man damit umgeht.

Um jetzt auch mal zusammenzufassen - ich denke, wir beginnen, uns an dieser Stelle im Kreis zu drehen. Wir haben unterschiedliche Meinungen zu dem Thema, was ich absolut respektiere - und hoffe, Du respektierst das genauso. Objektiv kann ohnehin keiner von uns beiden sagen, was "richtiger" oder "falscher" ist. Subjektiv natürlich die eigene Meinung, sonst hätte man sie ja nicht. ;-) Vom Thema Bahn sind wir mittlerweile meilenweit entfernt. Ich denke, bevor hier andere User mit weniger Diskussionskultur sich einmischen und der Thread entgleist wie der EC in Mannheim, sollten wir es dabei einfach beruhen lassen.

Dir ein Getränk nach Wahl anbietende Grüße
der Colaholiker


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