Um die Sache ein bisschen zusammenzufassen... (Allgemeines Forum)

Eingleisigkeit, Mittwoch, 06.08.2014, 15:27 (vor 4475 Tagen) @ Colaholiker
bearbeitet von Eingleisigkeit, Mittwoch, 06.08.2014, 15:30

Hallo,

also ich verstehe besser, worauf du hinauswillst: Du behauptest, es ist egal, ob man etwas gegen Rechts oder Links unternimmt - Vertreter extremer Meinungen gibt es immer und mancherorts verstärkt, das ist der Lauf der Dinge.
Meine Meinung ist, dass man durch direkte, gemeinschaftliche und entschiedene Reaktionen durchaus ein Zeichen setzen kann, dass man mit diesem Gedankengut nicht einverstanden ist. Und dass das auf lange Sicht eine Verbreitung oder Verharmlosung unterbindet. In diesem Punkt kommen wir wohl nicht zusammen.

Ein paar deiner Antworten auf meinen Text kann ich aber nicht nachvollziehen:

dem stimme ich überhaupt nicht zu. Du darfst gerne mal 1 Woche in säschsischen Dörfern und der Landeshauptstadt verbringen, um zu verstehen, was Ignorieren für eine Wirkung entfaltet: 5,6 Prozent bei den Wahlen 2009, mal sehen wie viele am 31.08.14., Nazi-Parolen während und im Umfeld von Fußballspielen, Übergriffe in Regionalzügen und Straßenbahnen (ohne Quellen-Link, weil nicht dokumentiert, sondern selbst miterlebt), etc.


Wie ich schon schrieb. Gewalt ist in keiner Form zu tolerieren. Egal von welcher Seite. Was Wahlergebnisse angeht, bitte ich zu bedenken, daß es sich dabei um Partien handelt, die ihrerseits anscheinend verfassungsmäßig genug sind, um als solche zugelassen zu sein. Wenn natürlich prügelnder Pöbel mit dieser Partei sympathisiert, ist der Pöbel das Problem, nicht die Partei.

Ha, witzig. Das sagt die AfD seit ihrer Gründung auch immer. Und formaljuristisch ist das sicher auch richtig. Trotzdem glaube ich, dass es durchaus Parteien gibt, die es mit ihren Forderungen darauf anlegen, auch solche Wähler zu erreichen. Ich kenne dazu aber keine Zahlen. Also legen wir die Spekulationen gern beiseite. Die NPD ist eine erlaubte Partei, also darf sie auch 5,6 % der Stimmen haben. Schade, aber wahr.

Prügelnde Neonazi-Horden sind genausowenig "die NPD" wie der Schwarze Block die Partei "Die Linke" ist. Komischerweise wird diese Gleichsetzung auf der einen Seite gemacht, auf der anderen nicht.

Ja, das ist sicherlich so. Aber nur weil Linksextreme "auch böse" sind, kann ich doch wegen eines Hitler-Klingeltons die Polizei rufen, oder nicht? Das war doch die Ausgangsfrage.

Übergriffe gibt es hier übrigens auch, allerdings sind die anderer Natur. Macht es aber auch nicht besser.

Weiß nicht, worauf du hinauswillst. Du schreibst viel und sprichst in Rätseln. Wenn es ein Argument werden soll, musst du konkreter werden.

Und über Nazi-Parolen bei Fußballspielen brauchen wir ja wohl seit dem "Gaucho-Tanz" der Nationalmannschaft nicht mehr reden.

Warum müssen wir dann darüber nicht reden? Auch hier verstehe ich das Argument nicht.

Ich weiß schon, wieso ich von solchen Veranstaltungen nur eins - Abstand - halte.

Klar, Abstand halten macht die Welt sicherlich heiler. Aber dann muss man sich doch nicht beschweren, dass andere etwas gegen die eigentlich unheile Welt unternehmen wollen und sei es nur, die Polizei zu rufen.

Ich bin noch nie so vielen Rechten begegnet wie in Dresden und Umgebung. Sicherlich gibt es auch darunter solche und solche, aber auffallend ist doch das Gefühl der Selbstverständlichkeit in dieser Region. 44er-Tattoos, die aussehen wie ein SS-Zeichen, 88er-Kfz-Kennzeichen und zweifelhafte Handymusik sieht und hört man hier allerorts, wenn man mal darauf achtet. Trotzdem werden die Nazis mehr oder weniger ignoriert (von Großeinsätzen wie zum 13.02. mal abgesehen). Hat es was gebracht? Aus meiner Sicht nicht in den letzten vier Jahren, die ich hier verbracht habe.


Dafür begegnest du hier im Taunus besonders viel CDU-Klientel, während manche Stadtteile von Frankfurt (ja, am Main) tiefrot sind. Was genau möchtest Du mir jetzt damit sagen? Daß gewisse politische Strömungen in gewissen Gebiten, abhängig von der Bevölkerungsstruktur, gehäuft auftreten? Das ist nichts neues und nichts dresdenspezifisches.

Aber jetzt gehst du ja wieder auf die Parteien-Schiene. Ein zulässiger Vergleich wäre gewesen, ob es in Frankfurt vielleicht überproportional viele Kapitalisten oder Chauvinisten gibt, gegen die man vorgehen sollte, sobald sie zu aufmüpfig werden. Und da wäre meine Meinung genauso: Ja, wenn es gefährlich wird. Ich finde, Hitler-Klingeltöne eben schon gefährlich, du noch nicht. Ich glaube überdies auch nicht, dass politische Strömungen Gott gegeben sind (in Sachsen gibt es halt seit jeher viele Rechte. Ist eben so). Kann ich aber nicht belegen.

Also: Ich bin entschieden dafür, in einem solchen Fall die Polizei zu holen. Mglw. würde ich es selbst nicht tun, aber ich würde niemanden dafür zur Rede stellen oder ihn gar als "Denunziant" bezeichnen. Ich glaube, wir haben hier unterschiedliche Auffassungen zur Brisanz des Ereignisses,

(...)
Das kommt mir so vor, als wenn irgendwo in meiner Hörweite jemand, mit dem ich gar nichts zu tun habe, "Arschloch" sagt, und ich ihn deshalb wegen Beleidigung anzeigen wollte.

1850 wäre das vielleicht auch so gewesen. Heute ist "Arschloch" ein Schimpfwort, aber eben kein Weltuntergang mehr. Hitler-Reden sind es eben noch nicht (jedenfalls nicht unkommentiert in der Öffentlichkeit, als Geschichtszeugnis natürlich was anderes). 2100 nennt man seine Kinder vielleicht auch wieder Adolf. Wie gesagt, die Polizei darf gern entscheiden, ob Hitler-Reden als Klingelton okay sind, oder (noch) nicht.

Mal ganz abgesehen davon, dass ich einen "Heil Hitler"-Klingelton nicht während meiner Fahrt hören möchte und Personen, die einen solchen ständig abspielen einschüchternd finde und sicher nicht persönlich zur Rede stellen werde.

(...)
Ob ich eine Person einschüchternd findem hängt von anderen Faktoren als einem Klingelton ab. Wenn da ein Kerl sitzt, hoch wie breit mit Oberarmen dicker als meine Oberschenkel könnte das Handy auch stumm sein, der Kerl wäre dadurch nicht minder einschüchternd. Andersherum bleibt ein halbes Hemd ein halbes Hemd, egal wie martialisch ein paar Gramm Elektronik in seiner Tasche geräuschen.

Dem stimme ich auch nicht zu, aber das hängt sicher auch vom eigenen Körperbau ab. Ich finde jede Person, die abgebrüht genug ist, Hitler-Grüße als Klingelton einzustellen und so laut abzuspielen, dass es Mitreisende verstehen, einschüchternd.

Aber zum Abschluss noch einmal die Ausgangsfrage: Wenn du so viele Meinungen akzeptierst, warum hast du ein Problem damit, dass jemand Hitler-Klingeltöne als unzulässig und belästigend empfindet (und darin letztlich vom Staatsorgan bestätigt wird)? Du hast diese Person ja als "Denunziant" bezeichnet, was sich für mich danach anhört, dass du das Verhalten missbilligst, aber einsiehst, dass es nicht verboten ist. Dann eben die soziale Bestrafung als "Denunziant". Es kann dir doch völlig egal sein, ob jemand anderes wegen einem Hitler-Klingelton die Polizei ruft oder nicht. Welche Gefahr siehst du für die Gesellschaft in einem solchen Verhalten, dass du dich hier aufregst?

Grüße
Eingleisigkeit


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