Hendryk Broder's Abenteuer am Bahnhof Zoo / Berlin (Allgemeines Forum)

Nachtzugfan, Friedberg (Hessen), Samstag, 12.10.2013, 20:36 (vor 4557 Tagen) @ Frank-RE

Es folgt ein Kommentar zum Text von Herrn Broder; sein Text in der Online-Ausgabe ist kursiv abgedruckt:

"Jedenfalls stand ich kurz vor 13 Uhr vor dem Erste-Klasse-Schalter, die grüne Bahncard 50 in der Hand. [...] Hinter dem Schalter saß eine Mitarbeiterin der DB, die irgendetwas machte, das keinen Aufschub duldete. [...]"

??? Es gibt natürlich Abrechnungs- etc. Arbeit, die zum Job der Mitarbeiterin gehört. Und während der Arbeitszeit zu erledigen ist. Also z.B. am Schalter.

"Entschuldigen Sie bitte", sagte ich mit ausgesuchter Höflichkeit, "ist der Schalter geschlossen?" – Ohne aufzublicken, sagte die DB-Mitarbeiterin: "Ja." – "Aber Sie sind doch hier", sagte ich. "Nein, ich bin nicht da", sagte sie. "Ich sehe Sie aber", sagte ich. "Ich bin nicht da", wiederholte sie.

Was Herr Broder mit diesem Frage-Antwort-Spiel erreichen will, außer Krawall, ist nicht ersichtlich.

Ich zog eine Nummer, stellte mich in die Warteschlange und schaute der DB-Mitarbeiterin hinter dem "Geschlossen"-Schild bei ihrer aufreibenden Un-Tätigkeit zu. Eine Kollegin kam vorbei, und während die beiden miteinander plauderten, zählte ich die Schalter in der Halle. Von neun waren vier besetzt. Nicht nur im Mainzer Stellwerk ist die Personaldecke dünn.

Seitdem in Bahnhof Zoo kein Fernverkehr mehr hält, sind dort natürlich weniger Fahrkartenverkäufer als früher nötig. Und wieviele Plätze besetzt sind, wird sicherlich der Tageszeit und dem Wochentag angepaßt. Um 13 Uhr (und offenbar nicht an einem Freitag) ist sicherlich keine Hauptverkehrszeit. Der forsche Querverweis auf Personalprobleme im Mainzer Stellwerk ist unsinnig.

"Nach etwa einer Viertelstunde hatte ich genug. Ich zog mein iPhone aus der Tasche und richtete es auf den Erste-Klasse-Schalter. Worauf die abwesende DB-Mitarbeiterin zum Leben erwachte. "Es ist verboten, hier zu fotografieren!", rief sie, während sie sich und das "Geschlossen"-Schild in Sicherheit zu bringen versuchte. "Es ist verboten, Kunden nicht zu bedienen!", rief ich zurück."

Die DB-Mitarbeiterin hat Recht - so wie Herr Broder fotografiert hat, war es schlicht rechtswidrig. Punkt.

"Und da wurde meine Nummer – 152 – aufgerufen. Am Schalter 7 gab es grade eine Vakanz. "Einmal Mainz, einfach, erster Klasse, Bahncard 50", sagte ich und gab der DB-Mitarbeiterin, die ein wenig anwesender wirkte, meine Bahncard. Sie steckte die Karte in das kleine Gerät vor sich – worauf ihr Computer abstürzte. Es war das letzte Zeichen, das mir die Vorsehung vor dem Showdown schickte. "Mit Ihrer Karte stimmt was nicht", sagte die DB-Mitarbeiterin am Schalter 7. "Ich glaube, mit Ihnen stimmt was nicht", sagte ich, worauf sie mich an die Kollegin am Schalter 6 übergab. Die tippte die Bahncard-Nummer manuell ein, druckte die Fahrkarte aus und wünschte mir eine gute Fahrt.

Der forsche Spruch "Mit Ihnen stimmt was nicht" ist peinlich - zum zweiten Mal sucht Herr Broder einen persönlichen Konflikt. Und zum zweiten Mal ist eine DB-Mitarbeiterin souverän genug, nicht auf gleicher Ebene zu antworten.

"Ich machte mich auf den Weg zur S-Bahn Richtung Hauptbahnhof, kam aber nicht weit. Drei recht bullige Mitarbeiter der "Bahnsicherheit" warteten schon auf mich. Ich wusste, das war's. Der bulligste der drei stellte sich mir in den Weg. "Sie dürfen hier keine Fotos machen", sagte er, "Sie müssen die Aufnahmen löschen."

Die "Bahnsicherheit" hat ebenfalls Recht, siehe oben.

Das Foto ist übrigens auch online zugänglich:
http://www.welt.de/?config=articleidfromurl&artid=120852781
Durch die Verpixelung des Gesichts ist der Abdruck vermutlich rechtmäßig.

Fazit: Die Anspruchshaltung von Herrn Broder, seine ad personam-Kommunikation und seine von ihm nicht einmal erwähnte fehlende Bereitschaft, bei Termindruck einen Automaten im Reisezentrum oder zu Hause den Computer zu bedienen, sind peinlich. Zudem hätte er - an Geld scheint es angesichts der Taxifahrt (!) zum Bahnhof Zoo ja nicht zu fehlen - auch am Automaten eine BVG-Fahrkarte bis Berlin Hbf lösen können und sich dann dort in das Reisezentrum begeben können. Und schließlich sind alle Fahrkarten auch im Zug erhältlich - die Höhe des Zuschlags ist für Herrn Broder angesichts der bereits erwähnten Taxifahrt offensichtlich kein Problem.


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