Wird tatsächlich nichts umgelegt? (Allgemeines Forum)

michael_seelze, Dienstag, 23.04.2013, 15:33 (vor 4735 Tagen) @ Eingleisigkeit

Hi,

Ich habe mal abseits von Bahn-PM aus unabhängigen Medien gesucht:

Im zweiten Artikel erkennnt selbst Greenpeace den positiven Effekt an, kritisiert aber, dass nur ein kleiner Teil der Verkehrsleistung im Fernverkehr stattfindet. Außerdem wird im unteren Teil auf die Herkunft aus deutscher Wasserkraft und Quellen in Österreich eingegangen.
dradio


Der Artikel des Deutschlandfunks bestätigt ja eher meine Sicht der Dinge.
Gut, man hat den Anteil der erneuerbaren Energien am Bahnstromverbrauch in 2 Jahren um 2% auf 24 % gesteigert. Nun nimmt man die 24 % und legt sie auf 75% der FV-Kunden um, die dann mit 100 % Ökostrom fahren.
Ich frage mich auch, wie der Kunde im ICE-TD mit Ökostrom fahren sollte? Ist ja schließlich auch Fernverkehr.


Ich verlinke gern nochmal: DB Umweltzentrum Hier wird nichts umgelegt und andere fahren dann "schlechter" als vorher. Es wird tatsächlich neuer Strom gekauft. Wo in der dradio-Meldung erkennst du denn das Gegenteil?

Zitate aus dem Deutschlandfunk-Artikel:

Also sind 75 Prozent der Fahrten im Fernverkehr ab April mit Strom aus Erneuerbaren.[...]Die Bahn zurzeit eben erst 22 Prozent Erneuerbare hat und 45 Prozent Kohle und über 20 Prozent Atomstrom [...]Insgesamt liegt der Anteil der Erneuerbaren bei der Bahn bei 24 Prozent.[...]
Der grüne Bahn-Strom kommt zum kleinen Teil aus neuen Windkraftanlagen nördlich von Berlin, den Löwenanteil macht die Wasserkraft aus. Drei Verträge hat die Bahn dazu abgeschlossen.

Das bedeutet also nichts anderes, als dass die Bahn beschlossen hat 2% mehr des Bahnstromverbrauchs als bisher aus erneuerbaren Energien zu decken. Diese 2% reichen anscheinend aus, um 75% des Stromverbrauchs der FV-Fahrten zu decken? Wahrscheinlich nicht. Also muss es doch eine Umlage aus den anderen, bisher auch schon vorhandenen Bahnstromanteilen aus erneuerbaren Energien geben.
Die Steigerung um 2% hat die Bahn also gut vermarket.

Auch bei BC 100, Netzkarten und (das vermute ich ganz stark) auch bei BC 50 und 25-Beseitzern wird die jährliche Fahrleistung einfach anhand der Buchungsdaten geschätzt und pauschal zugekauft. Es ist mitnichten so, dass für meine Fahrt von München nach Berlin nun exakt 3,763 kWh Ökostrom eingespeist werden. Der Verwaltungs- und Rechenaufwand wäre viel zu groß.

Quelle dafür: keine, außer dass der Aufpreis für Nicht-BC-Kunden pauschal 1 Euro beträgt, egal wie weit oder kurz man fährt. Das klingt arg nach Mittelwertbildung ;)

Richtig, daher frage ich mich, wie das funtionieren soll. Der Kunde kauft seine FK und bezahlt 1 € mehr. Wann schließt dann die Bahn einen Vertrag ab, um zusätzlich Ökostrom einzukaufen? Und wie soll dieser Strom den herkömmlichen Strom aus dem Stromnetz verdrängen? Das heißt doch nichts anderes, als dass dann weniger herkömmlicher Strom in das Bahnstromnetz eingespeist wird. Handhabbar ist das ganze ja nur über einen Mittelwert.
Der Kunde kann außerdem ja nicht überprüfen, ob mit dem einen zusätzlich bezahlten € tatsächlich mehr Energie aus erneuerbaren Energien eingekauft wird.


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