IN: Chancen für Siemens? (Allgemeines Forum)

Mario, Donnerstag, 05.01.2012, 18:29 (vor 5208 Tagen) @ Oscar (NL)

Das mag zwar sein, aber wir sehen, wie mühsam es in z.B. Kalifornien vorangeht. Auch dort gibt es einige Millionenstädte die man sinnvoll mit HGV verknüpfen kann.

Indien kann man hier nicht mit den USA vergleichen, das ist ein ganz anderes Land mit einer ganz anderer Struktur, einer ganz anderen Mentalität und auch sonst ganz anderen Voraussetzungen.

1. in Indien 4x soviele Menschen wohnen wie in den ganzen USA;

Eben und während man in Indien derzeit 42 Millionenstädte hat, sind es in den USA "nur" 9. Zudem ist die Siedlungsstruktur ein andere.

2. in den USA eine starke Lobby von PKW-Hersteller und Airlines besteht;

Eben und in den USA hat sich das schon seit langer Zeit so etabliert, während in Indien beim Fernreiseverkehr noch großer Nachholbedarf und damit großes Potenzial besteht.

3. die Ami-Kriegsmaschine etwas größer ist als die indische.

Was hat eine "Kriegsmaschine" bitte damit zu tun, dass in den USA der HGV-Bahnverkehrt bisher nicht vom Fleck kam? Viel Militär bedeutet auch viele Soldaten und damit auch viele Fahrten nach Hause oder zum Stützpunkt, was das Fahrgastpotenzial eher noch fördert. Doch das dürfte das kleinste Rad am Wagen sein.

Denkbar wäre hier Einsatz von Doppelstocktriebwagen, ggf. überbreit, wie etwa der japanische JR-E4 Shinkansen (von der Geschwindigkeit 240 km/h her ist das eher ein ICx). Ich weiß aber nicht ob das indische Lichtraumprofil das zuläßt; ansonsten muss man eine komplett neue Infra bauen, so wie die Japaner es gemacht haben.

Wenn Indien eine so umfangreiche NBS-Planung mit 6 Korridoren vorantreibt und bisher ja praktisch alles völlig neu zu bauen ist, dann könnte ich mir schon vorstellen, dass da was ganz neues kommt. Es gibt dort zumeist die indische Breitspur bzw. "Kolonialspur" mit 1676mm, welche auch noch in anderen Ländern ehemaliger britischer Kolonialzeit teils zu finden ist. Dies wäre zwar für überbreite Züge eine gute Voraussetzung und da alle großen Hersteller schon HGV-Züge für Breitspuren gebaut haben, haben diese also auch schon Erfahrungen damit. Die Frage ist nur, ob man diese neuen HGV-Züge überhaupt mit Kolonialspur möchte oder doch lieber Normalspur 1435mm baut, wenn doch eh alles neu zu machen ist.

Für das A-Netz durften auch Bombardier Zefiro und Alstom AGV eine Chance haben, oder etwa CAF Oaris mit ihren Einheitsbaukasten.

Ganz sicher wird auch der Shinkansen, die Chinesen und evtl. auch Talgo mitmischen. Immerhin sind ja die HGV-Züge diese drei schon überbreit.

Für das B-Netz muss es wohl etwas doppelstöckiges sein, da fällt mir nur der JR-E4 ein als zukunftsweisender Zug (in einem TGV Dasye geht 35-40 von 200 m Zuglänge an Antrieb verloren). Das durfte auf eine komplette Neuentwicklung hinauslaufen, zumal man hier keine vollwertigen Velaros, Zefiros usw. braucht (genauso wie der ICx kein vollwertiger ICE wie der Velaro ist). Also in etwa ICx doppelstöckig. Sowas gibt es s.i.w. noch nirgendwo auf der Welt (der JR-E4 verliert zu viel Zuglänge an die Aerodynamik).

Doppelstock könnte durchaus sein, besonders auf den besonders stark nachgefragten Stecken. Nur müssten diese wohl ebenfalls als überbreit ausgeführt sein. Da könnte ich mir deshalb auch einen breiteren Twindexx vorstellen. Siemens hat ja immerhin als damalige Konkurrenz dazu auch ein vergleichbares Fahrzeug auskonstruiert. Und Talgo hat mit dem Talgo22 eigentlich schon ein passendes Fahrzeug dafür. Aber Alstom ist eher nicht für Sonderlocken bekannt. Doch wenn es um einen so großen Auftrag wie Indien mit vielleicht hunderten von Zügen geht, dann werden hier bestimmt die großen Hersteller auch Neuentwicklungen machen können und wollen. Da hat man schon für viel kleinere Stückzahlen komplett neu entwickelt.

Ich kann mich vorstellen, dass die Indier dafür entscheiden, die Aufträge zu verteilen, so wie die Chinesen das auch getan haben. In China fahren mittlerweile Züge von Bombardier, Hitachi/Kawasaki und Siemens sowie eigene Fabrikate. Mit dem CRH6 hat man in China sogar ihren eigenen ICx.

Ich denke auch, dass hier eine Verteilung kommen wird. Die Frage ist nur wieviele Hersteller dann zum Zuge kämen. Und vor allem steht ja noch aus, wie und wer die Wartung durchführt und die ganzen Depots dafür baut. Das darf man dabei nämlich auf keinen Fall außer Acht lassen, dann dort liegt ebenfalls ein gewaltiges Potenzial drin. Hier hat bekanntlich Siemens in den letzten Jahren einige solcher großen Wartungsaufträge bekommen und die Qualität stimmt den Berichten zu folge. Da solche Hightechzüge für Indien was ganz neues sind, könnte ich mir nämlich gut vorstellen, dass die das Thema Wartung an Extern vergeben.

Aber egal wie es letztlich ausgeht, für Indien wird es ein großer Zugewinn an Lebensqualität, Reisequalität und Prestige sein. Dort schlummert darüber hinaus noch sehr großes weiteres Potenzial für mehr. Hier denke ich v.a. an Metronetze in den großen Städten, die dem Bedarf immer noch weit hinterherhinken und teils erst ganz neu gebaut werden müssten. Da tut sich in den nächsten 20-30 Jahre sicher noch gewaltig was.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum