Letzte Verbindung - Psychologie und Prophetie (Allgemeines Forum)

fjk, Dienstag, 27.09.2011, 14:56 (vor 5503 Tagen) @ Mario-ICE


Ja Moin,

es ist ja nicht immer nur die letzte Verbindung. Das Problem ist eher, dass sogar reine Fakteninformation vom Informationsempfänger in seiner persönlichen Situation völlig unterschiedlich auf- und wahrgenommen wird. Dabei ist die Reaktion "Sach mal, wollen die mich eigentlich vera..." auch (vielleicht sogar gerade;-)) bei Benutzung des gesunden Menschenverstandes häufig und häufig nachvollziehbar - und das gilt auch und gerade für automatisierte Systeme.


Ich glaube das liegt in der natur der Sache. Jeder Empfänger reagiert anders auf die ihm zur Verfügung gestellte Information.

Ungefähr das wollte ich auch sagen. Und weiter, dass bei automatisierten Systemen eben nicht (oder nur unzureichend) auf diese Reaktion reagiert werden kann.

Konsequent zu Ende gedacht, müsste man daher alle Informationen vermeiden. Natürlich kann es das auch nicht sein. Also ist ein Kompromiss gefragt, den die marketingig weichgespülten Infotexte versuchen - und in manchen Situationen eben grandios scheitern.

Ein gutes Beispiel dafür ist das "Hochblättern" (oder Verschweigen) von Verspätungen. Und nein, wenn ein Zug zur regulären Ankunftszeit noch mit Lokschaden in Mülheim steht, ist es durchaus absehbar, dass er nicht nur mit +5 in Düsseldorf sein wird.


Auch hier sei auf verschiedene erklärende Threads, die ich jetzt nicht raussuchen werde verwiesen. Aber gern erläutere ich nochmal das Procedere, gefallen wird dir das dann sicher trotzdem nicht.

Man muss wohl zwischen dem geregelten Prozedere und klaren Fehlern bei der Anwendung dessen unterscheiden. Wahrscheinlich gefällt mir in der Tat schon die Regelung nicht (letztens wurde hier die "neue" Strategie bei der Ansage von Verspätungen erwähnt, irgendetwas wie "nur noch zur regulären Abfahrtszeit" kam dabei vor und mir sehr seltsam vor). Wenn aber die auch noch häufig offensichtlich falsch angewendet und umgesetzt wird - dann würde ja eine erfolgreiche konstruktive Kritik an der Regelung auch nichts bringen.

Also ärgere ich mich weiter, wenn bei einer nicht in Sichtweite befindlichen "an 13:06 ab 13:08" S-Bahn um 13:11 noch nicht "wenige Minuten später" steht, und um 13:13 die Fünfminutenklappe fällt.

Das Problem des aktuellen Betriebs ist ein anderes. Ich finde nicht, dass ich bei bekanntem Fahrplan zwei Tage vorher nochmal gucken muss, ob ein drei Monate vorher gebuchter Zug noch fährt. Dass er vielleicht Verspätung hat oder ganz vielleicht ausfällt wegen unglücklicher Ereignisse - eben der Fährnisse des "aktuellen Betriebs" (dazu gehören auch Erdrutsche, leider), nun gut. Aber dafür sollen bitte die Herrschaften am Bahnhof eine Lösung finden, wenn ich rechtzeitig (also fünf Minuten vor Abfahrt) auf dem vorgesehenen Gleis erscheine*.


Es ist aber schon psychologisch anders zu bewerten, wenn du schon weißt das etwas nicht läuft, als wenn du es dort erfährst.

Und darum soll ich, um meine Laune zu retten, täglich schauen "wie sich der Fahrplan so entwickelt"? Ich glaube nicht, dass sich meine Laune dadurch wirklich bessert. Wenn die Bahn meint, innerhalb der ohnehin schon kurzen Vorbuchungsfrist Fahrplanänderungen(!) machen zu müssen, dann soll sie sich auch Gedanken machen, was sie mit den Leuten tut, die das erst vor Ort realisieren. Eine "Vorabinformationspflicht" (also dass man bevor die letzte Verbindung vor der gewünschten "weg" ist noch einmal alle Eventualitäten der Buchung abprüft) durch den Reisenden halte ich da für äußerst abwegig. Und in der Auswirkung auf mich ist es egal, ob eine Fahrplanänderung seit zwei Wochen, Tagen oder Stunden gilt. Letztendlich realisieren kann ich sie erst, wenn es so weit ist.
Die Lage ändert sich natürlich bei Normalpreisreisenden. Aber die schauen ja ohnehin erst kruz bevor sie fahren "was denn jetzt so fährt" - im Idealfall am Bahnhof (sage ich) oder im RIS (darauf läuft das Informationsregime ein bisschen hinaus, Geübte können daraus jedenfalls oft mehr ablesen als aus den am Bahnhof veröffentlichten Infos... und die !-Hinweise sind ein Versuch, auch Ungeübten dabei zu helfen. Zu Ende gedacht machen wir (wie überall anders auch) am Ende alles selber, außer Essen zubereiten - und da gehört leider ein :-( hin.).

Der Mitarbeiter vor Ort kann dir auch nur bedingt helfen. Die Verbindung könnte so oder so scheitern.

Gerade bei der letzten Verbindung des Tages bin ich mir eines gewissen Risikos ja durchaus bewusst. Und das Leute vor ort keinen Zug herbeizaubern können, weiß ich auch. Aber gut ausgebildete und mit Kompetenzen versehene Mitarbeiter könnten Situationen, die durch Probleme (seien es "mittelfristige" Fahrplanänderungen oder PU im Einfahrtsgleis des gefragten Bahnhofs) die ich nicht zu verantworten habe eben situativ lösen, vielleicht sogar ohne ein all zu starres Regelwerk. Wo solche Leute herkommen sollen und ob sie bezahlbar wären, weiß ich nicht.

Entschuldigung, wenn das immer so grundsätzlich klingt, ich will ja niemandem was Böses, insbesondere niemandem, der durch Informationsplusse im Zweifelsfall Hilflose aus der Patsche zieht. Nur glaube ich insofern an das Gute, dass es doch möglich sein muss, nicht Hilflose durch diese Aktionen sich nicht unbedingt vera... fühlen zu lassen, und auch nicht (um diesen Effekt zu erzielen) vorher schlicht hilflos zu machen.

bleibt hilflos zurück
fjk


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