Eine Trendwende sehe ich nirgends! (Allgemeines Forum)

Blaschke, Sonntag, 15.05.2011, 19:36 (vor 5442 Tagen) @ ice-t-411
bearbeitet von Blaschke, Sonntag, 15.05.2011, 19:38

Mahlzeit!

Du schriebst woanders: "Mir fehlt der Glaube an die Jahreszahl". Der fehlt mir bei diesem Projekt schon lange. Ist das aber nicht zwischenzeitlich schon wieder irgendwo beerdigt worden bzw. man arbeitet dran? Anzeichen dafür gibt es: (...)


Eigentlich ist das Projekt mit der Bedarfsplanüberprüfung eher wahrscheinlicher geworden, zumal das Land bereits 2009 zugesichert hat, die Planungskosten zu übernehmen.

Seit 2009 hat sich politisch aber manches verändert. Die ganzen Artikel, dass es jetzt mal losgehen solle, habe ich auch noch in Erinnerung. Nur glaube ich nicht daran, dass Verträge auch einzuhalten sind, egal was passiert. Wenn nur der politische Wille vorhanden ist - oder eben fehlt! -, dann ist ein Vertrag im Zweifel nicht das Papier wert, auf dem er steht. Und was wurde bei Münster - Lünen schon alles erklärt, beabsichtigt und sollte ganz sicher kommen.

Bei allen Projekten, bei denen die Inbetriebnahme dabei steht, wird entweder schon gebaut bzw. es besteht Baurecht. Diese dürften doch (mit möglicherweise kleineren Verzögerungen) als sicher gelten.

Kommt drauf an, was man als "kleinere" Verzögerung zählt...

Nehmen wir mal die "Verkehrsprojekte Deutsche Einheit". Zunächst sollte in etwa gleicher Höhe in Schiene und Straße investiert werden. Allein das sagt schon aus, dass von einer Wende hin zur Schiene keine Rede sein kann. Die Straßenverkehrsprojekte sind alle abgeschlossen - bei den Schienenprojekten warten wir noch auf so manches. Außerdem wurde für die Straße geringfügig mehr als für die Schiene ausgegeben.
http://de.wikipedia.org/wiki/Verkehrsprojekte_Deutsche_Einheit#Schiene


Noch ein Beispiel: Olympia 2018. Was erzählen sie da alles? Ökologische Spiele. Stärkung des ÖPNV.

Dann schau mal in diesem Dokument auf Seite 11 (bzw. 20 im Originalheft).

http://www.muenchen2018.org/files/2011_03_18_fakten_verkehr_150dpi.pdf

Dort ist aufgelistet, was investiert werden soll. Dann stelle mal den Anteil der Bahn und den Anteil der Straße gegenüber. Das soll dann ein Vorrang für die Eisenbahn sein? Da muß man aufpassen, dass man nicht an einem Lachanfall verstirbt.

Der Ausbau der Bahnstrecken zur Beschleunigung und vor allem zur Herstellung von genügend Kapazität ist eigentlich über Parteigrenzen hinaus Konsens.

Wenn es um die Sonntagsreden geht, dann bestimmt. Ansonsten wird für die Eisenbahn doch verdammt wenig getan. Jedenfalls zu wenig, um eine ECHTE WENDE hin zu einer anderen Verkehrspolitik zu haben. 2.000 Leutchen in einer reaktivierten Regionalbahnlinie sind ja schön, machen aber noch keine Wende, wenn nebenan die Bundesstraße auch ausgebaut wird. Und wie leer die meisten Züge - auch und gerade Regionalzüge - durch's Land fahren, das habe ich im letzten Jahr während meiner Zählerei leibhaftig erlebt. Da war ich - ganz ernsthaft! - doch ARG erschrocken, wie wenig Menschen die Schiene nutzen! Seitdem stelle ich auch ernsthaft die bisherigen Maßnahmen in Frage. Ein "weiter-so" kann es auf Dauer nicht geben. Milliarden für die Schiene auszugeben und gleichzeitig Milliarden, um das Straßennetz erhalten zu wollen - das wird auf Dauer niemand zahlen wollen (oder können!). Entweder bekennen wir uns klar zur Schiene - und fördern diese entsprechend vorrangig vor dem Pkw!! -, oder wir geben zu: Schienenverkehr in Deutschland bleibt ein Randthema! Und das ist es bei nüchterner Betrachtung auch jetzt schon! Manche Fahrgaststeigerungen sind ja ganz nett, aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Und wirkungslos, wenn Pkw- und Güterverkehr auf der Straße dann auch zunehmen.

Und in den letzten Monaten sah es dahingehend auch nicht gerade nach einem Wechsel in Richtung Autopolitik aus (siehe BW/Hamburg/RLP).

Da gibt's ja auch nichts zu wechseln. Man muß ja nur weitermachen wie bisher...

Apropos Hamburg: Die Idee der Straßenbahnwiederbelebung hat man grad erst beerdigt.

Apropos BW: Wie war das noch? Kretschmann sprach von weniger Autos. Dann meldeten sich die Autofirmen. Und was hört man nun noch von ihm? ... Genau. Was wird also passieren: Daimler baut irgendeine Öko-Kiste, die dann doch keiner haben will (Stichwort: Golf Ecomatic) - und gut ist's. Woanders gibt's dann neu eine Abendverbindung bei der Bahn, paßt scho. Und das soll dann eine WENDE sein!? Nun könnte man sagen, man muß ja mal klein anfangen. Korrekt. Nur muß man dann auch weitere Schritte gehen. Und die sehe ich nicht. Ganz im Gegenteil: Der Fernverkehr zieht sich immer weiter aus der Fläche zurück. Dass beim Eisenbahnfahren das Umsteigen aber eines der großen Hemmnisse ist - weil ich es beim Autofahren nicht muß! -, sollte aber eigentlich einleuchtend sein. Da paßt das Konzept: Nahverkehr als Zubringer - Umsteigen - Fernverkehr - Umsteigen - Nahverkehr als Weiterbeförderer aber nun nicht. Dazu kommt, dass Autos immer bequemer werden - der Komfort bei der Bahn aber immer geringer: bald keine Abteile, geringere Sitzabstände, spartanische Ausstattung. Wo bleibt die Pkw-Maut, wo bleibt die generelle Geschwindigkeitsbeschränkung auf der Autobahn, die City-Maut für Pkw, wo bleibt der Eisenbahn-Deutschland-Takt, der Deutschland-Tarif, wo bleibt das DURCHDACHTE HGV-Konzept, wo bleibt der Interregio? Alles hehre Worte, die man in manch Sonntagsrede mal bemüht - und die offenkundig verfangen -, denen aber keine entsprechenden Taten folgen. Wo werden denn aktuell mehr Güter auf der Schiene befördert? Was hat sich denn nach MORA C getan? Ich erinnere mich nur, dass man die Rheinische Güterbahn stillgelegt hat.

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Ich will Dir um Himmels willen Deinen Glauben nicht nehmen. Ein KRITISCHER Blick auf die Geschehnisse draußen in der Realität abseits von Plänen, Absichtserklärungen und Sonntagsreden ist aber trotzdem durchaus ganz sinnvoll.


Schöne Grüße von

jörg


Ach ja: Was mir grad noch einfällt: DB Netz. Wo man dann bei Umbauten/Modernisierungen ganz gerne mal Weichen rausreißt. Was die Kapazität einer Bahnstrecke nicht wirklich erhöht. Mehr Verkehr ist dann schon von vornherein gar nicht möglich! Aber in der Statistik ist die Bahnstrecke dann zu 100% ausgelastet. So sind dann alle zufrieden.


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