CH: Ausbauschritt 2025 enthält null Beschleunigungen (Allgemeines Forum)

Oscar (NL), Eindhoven (NL), Freitag, 22.04.2011, 10:25 (vor 5467 Tagen) @ Tabernaer

Hallo Tabernaer,

Auch wenn die Schweiz wesentlich kleiner ist als Deutschland und die Vorhaben somit kostengünstiger zu realisieren sind find ich: Der Weg ist richtig! So holt man die Leute von der Strasse auf die Schiene.

Die Angebotsverbesserung ist eins, aber alleine damit kriegt man die Leute noch nicht von der Straße auf die Schiene.
Bei uns soll ja in noch dichteren Takten gefahren werden; dennoch steht auf unseren Autobahnen jeden Tag eine dreistellige Kilometerzahl an Staus.

1. in CH gibt es einen gemeinschaftlichen ITF für alle öffentlichen Verkehrsmitteln, in NL haben Bahn- und Busnetze ihre eigenen ITF die nicht aufeinander abgestimmt sind. Man muss also warten, und zwar sind die absolute Wartezeiten bei uns klein, die relative Wartezeiten sind dann meistens doch 1 Takt.

2. die Bahn in CH ist schneller als die unsere.
a. Wenn man bei uns einen Takt verliert, ist man schon mit dem Auto schneller.
b. Zwar kann man auch mit dem Auto zum Bahnhof fahren und ab dort die Bahn benutzen, aber warum soll man sich diesen Aufwand zumuten wenn man die Strecke auch umsteigefrei komplett mit dem Auto reisen kann, und das auch noch schneller?

3. in CH sind Bus und Bahn besser in der Fläche vertreten. Bei uns gibt es reichlich Gegende wo man nur mit dem Auto kommt.

4. in CH kannst Du mit einem Billett von irgendwo nach irgendwo reisen. In NL sind Fahrkarten meistens am Verkehrsmittel und/oder Dienstleister gebunden. Die ÖV-Chipkarte ist keine Lösung sondern eine Verschiebung des Problems: ich muss nach wie vor aus- und einchecken, wenn ich von einem Dienstleister auf den anderen umsteige.

5. in CH herrscht ein starkes Umweltbewußtsein. Man ist stolz auf ihre Alpen. In NL herrscht eine Kultur von "weit reisen = stolz erzählen" sowie "wir machen dort Urlaub wohin wir billig fliegen können"; Oberfläche ist vor allem für Siedlung und intensive Landwirtschaft da.

6. in CH setzt die Regierung voll auf die Schiene; sie investiert weltweit pro Einwohner wohl am meisten in die Schiene. Unsere aktuelle Regierung setzt dagegen voll auf die Straße; so ist der Tempolimit von 120 auf 130 angehoben (faktisch 139) und sollen 2x5-spurige "Superautobahnen" entstehen.
Die Regierung kann ja auch nichts Anderes machen als den Menschen das geben, was sie wollen.

Ein Problem hab ich allerdings doch noch: wenn das bisherige Wachstum anhält, ist irgendwann die Schmerzgrenze erreicht. Die doppelstöckigen Züge fahren dann in einem Abstand, der nicht mehr verkürzt werden kann von A nach B. Und dann?

Es gibt im Moment noch reichlich "Luft". Die neu zu beschaffen Twindexx-Züge können mit 16-Wagen fahren; eine Komposition von 2x IR200 verfügt über 1.392 Sitzplätze. Damit belegen die Züge Rang 2 auf der Liste der kapazitätsstärksten Fernzüge; nur der JR-E4 Shinkansen ist da besser.

Auf der Achse Bern-Olten können die Züge in 2-Minutenfolge fahren. Ich stelle mich vor, es fahren jede 15 Minuten "Zugpakete" von jeweils 4 Fernzügen: 1x nach Zürich, 1x nach Basel, 1x nach Luzern und dann ein extra Zug nach Zürich für alle Leute die im ersten Zug nicht mehr reinpassen. Dann gibt es einen 6-9 Takt Bern-Zürich und können pro Stunde 1392*8 = 11.136 Personen diese Strecke fahren (und Regionalverkehr habe ich auf dieser Achse erst noch gar nicht betrachtet). Das schafft sogar NS mit ihren 10-Minutentakt nicht.

Wie gehts dann weiter? Kommt dann der Kollaps? Macht man sich in CH schon Gedanken über dieses Thema? Gibts da evtl. schon Lösungsansätze?

Es dauert noch ein bißchen, bevor mehr als 4*4*1396 = 22.272 Fahrgäste pro Stunde pro Richtung zwischen Bern und Olten unterwegs sind. Die Zahl ist nämlich mehr als anderthalb mal so viel wie bei uns auf Amsterdam-Utrecht vorgesehen ist (12 ICs je 12 Doppelstockwagen macht etwa 14.000).

Die billigste Lösung ist eine Verdichtung der Zugfolge auf 90 oder sogar 60 Sekunden. Es ist zu erwarten, dass ERTMS Raum dafür ergibt (und wenn nicht, dann wird Raum dafür geschafft).

Sollten pro Stunde tatsächlich mehr als 4*4*1396 = 22.272 Leute mit der Bahn zwischen Bern und Olten unterwegs sein, dann kann ich mich vorstellen, dass man den Dreieck Bern-Basel-Zürich komplett viergleisig baut und den Fernverkehr vom Nahverkehr trennt. Denkbar sei ein 2. Hauensteintunnel und Olten-Basel sowie Bern-Zürich komplett viergleisig (Bern-Olten ist das schon, denn Regionalverkehr via Altstrecke über Herzogenbuchsee). Dann könnte man Fernzüge definitiv in striktem Minutentakt fahren und könnten 60*1392 = 83.520 Fahrgäste pro Stunde die Relation Bern-Olten benutzen.
Das entspricht ein voller ICE 3 jede 18 Sekunden; auf K-F fährt im Moment etwa einer jede 18 Minuten.

Die Strecken können also noch viel haben. Ich bin aber gespannt, wie es mit den Bahnhöfen aussieht. Denkbar wäre eine Trennung von Fernverkehr und Nahverkehr; der Übergang zwischen diese dauert dann schon länger als der Takt.


gruß,

Oscar (NL).

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Mit den neuen IC-Triebwagen wird alles besser !!

Trans-Europ-Express 2.0? Abwarten und TEE trinken!

Schienenstränge enden nicht an einer Staatsgrenze, sondern an einem Prellbock.


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