Geld her! (Allgemeines Forum)

Henrik, Dienstag, 11.08.2026, 02:45 (vor 46 Minuten) @ Der Blaschke

Moin

Das wird ja auch im Interview angesprochen.

Wir werden bald eine Vereinbarung treffen mit der Bahn, wo es darum geht, wie viel Geld der Bund zur Verfügung stellt für die Infrastruktur

Da ist die Rede von der neuen Leistungsvereinbarung (LV InfraGO),

Die Bundesregierung beabsichtige, die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung III (LuFV III) zwischen dem Bund und der Deutschen Bahn AG (DB AG) zum 1. Januar 2027 durch eine neue Leistungsvereinbarung (LV InfraGO) abzulösen

Schön. Interessant wären da aber Zahlen und Summen.

Das wird alles kommen - hier und nebenan interessiert das aber kaum jemanden.

Sicher dürfte nur sein: Freiwillig und gern schüttet da niemand das Füllhorn aus. Es braucht also massiven Drucks.

Die 136 Milliarden Investitionsrückstau halte ich für ein solches Druckmittel. Denn m.E. hat man die seeeehr hoch angesetzt. Vor einiger Zeit, als das Thema erstmals größer aufkam, war was von 90 Milliarden die Rede. Und so gigantisch dürften Inflation und Preissteigerungen nicht gewesen sein.

Google KI spuckt auf die Frage "Bahnnetz Sanierungsstau 2020" aus,
Der Sanierungsstau im deutschen Schienennetz der Deutschen Bahn belief sich um das Jahr 2020 auf einen zweistelligen Milliardenbetrag und ist seither auf schätzungsweise über 130 bis 136 Milliarden Euro angewachsen.

passt also.

Die Zahlen sind inflationsbereinigt. Der Stau hat ja zugenommen

Demnach gab es 2024 sogar den höchsten Anstieg der vergangenen neun Jahre überhaupt: um 6,9 Milliarden auf 134 Milliarden Euro. Das bedeutet, dass allein in den beiden vergangenen Jahren fast zehn Milliarden Euro zu wenig in den Erhalt der zweitwichtigsten deutschen Verkehrsinfrastruktur flossen.

Die neuen internen Zahlenreihen zum aktualisierten Preisstand 2024 zeigen, dass es nur 2023 ein einziges Mal einen leichten Rückgang des Sanierungsstaus um 500 Millionen Euro auf 127,1 Milliarden Euro gegeben hat.

https://bahnblogstelle.com/250695/sanierungsstau-bei-der-bahn-waechst-auf-rekordniveau/


2017.. 2018 liefen die Beratungen zur neuen LuFV III.
Der äußere Druck war damals auch groß, aber eigentlich nicht so sehr wie heute.
Die fiskalische Klammer war sehr stark, sehr eng.. Schuldenbremse ist einzuhalten etc.
Forderungen aus der Bahnwirtschaft:
- Erweiterung der Laufzeit auf 10 Jahre anstatt 5 Jahre bis dahin (Perspektive für die Bauwirtschaft)
- mehr als 50 Mrd Euro sollten es schon sein
Damit marschierten DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zum Bundesfinanzminister.
Sie kamen wieder mit 10 Jahre Laufzeit und einem 86 Mrd Euro Paket.
Der große Knaller - das hätte niemand für möglich gehalten.
Pofalla war aber auch so ein Typ, der sowas kann, sowas rauszuverhandeln.
Der Knaller schlechthin, ein riesen Erfolg. Interessiert hat es hier und bei DSO niemanden.
Bei allen LuVF waren Zielvereinbarungen Vertragsbestandteil mit Malus für die DB bei Nichteinhaltung.
Auch das also nichts Neues bei diesem Interview.

Apropos.
Ein großes exklusiv-Interview mit dem neuen Bundesverkehrsminister der BILD diesen Sonntag.
Und dieser 136 Mrd € Sanierungsstau wird nicht explizit thematisiert?
Es wird nicht nachgefragt, wie es denn angehen könne, dass dieser Sanierungsrückstau innerhalb der letzten 5 Jahre bis auf ein Janhr stets angestiegen sei von 90 auf nunmehr 136 Mrd Euro und wie der neue Bundesverkehrsminister gedenkt, dem etwas entgegen zu setzen?

In letzten Stunden habe ich "Sanierungsrückstau Bahnnetz" einige Male gegoogelt.
ZM von BILD oder WELT kamen keine als Ergebnis.
Das müssten sie alle paar Wochen als Titelthema haben.


Ja, die Aufgabenstellung ist gewaltig.
Was sagte Nagl?
Es ist die Aufgabe der nächsten Generation, wenn wir das jetzt nicht angehen, dann der Enkel.

Traurigerweise ruft die nur nicht mal die zur Raison, die meinen, früher war ja alles besser - auch das Bauen. Weil es weniger beeinträchtigte. Nur war das eben nicht besser - denn das Ergebnis sehen wir ja jetzt: ein riesiger Rückstand. Wie man da die alten Zeiten bejubeln und verklären kann, mir rätselhaft.

Früher war auch erheblich weniger Verkehr auf der Schiene.

ja..
witzig (nich),
so um 2010 herum war das ne richtig große Nummer in allen Medien,
dass unsere Infrastruktur kaputt sei,
bei SPIEGEL konnte man interaktiv in eine Bahnnetz-Karte reinzoomen und sehen, welche Bahnbrücke dringend bzw. etwas weniger als dringend zu ersetzen seien.
Über Wochen sehr großes Thema.. rumgepöbelt haben sie auf DSO - man müsse doch mal..
Der große Sprung kam mit der LuFVIII und nun eben den Korridorsanierungen.
Nun haben wir die zahlreichen Baustellen - ist es denen auch nicht recht.

Bezüglich Neubaustrecken (und Ausbaustrecken) bekundeten Merz und Klingbeil zu Jahresanfang,
alles was baureif ist, wird auch gebaut
(im Sinne von, wenn Projekt baureif, dann gibts auch das Geld dafür vom Bund).

Was wäre denn auch bei erfolgreicher Fulda-Runde baureif ... Von den großen Projekten wüßte ich keines.

siehe
20.07.2026
Verkehr — Kleine Anfrage — hib 594/2026
Bahnprojekte mit abgeschlossener Genehmigungsplanung
https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1195278

Das sind 35 Fragen, sprich 35 Projekte werden angesprochen.

Da ist u.a. bei
ABS Stendal–Uelzen (Frage 10) - Fertigstellung zu 2030
ABS Rotenburg–Verden (Frage 11) - Milliardenprojekt, da gehts bald los
ABS/NBS Hanau/Gießen–Fulda (Frage 12) - Milliardenprojekt
ABS/NBS Frankfurt am Main–Mannheim (Frage 13) - Milliardenprojekt
ABS/NBS Karlsruhe–Basel (Streckenabschnitt 7) (Frage 14)

Drucksache 21/7140

Hamburg - Hannover - Bielefeld,
Fulda - Fernbahntunnel Frankfurt - Mannheim,
Augsburg - Ulm. Wo stehen da die Bagger in den Startlöchern?

Wenn, dann doch höchstens für ne Handvoll "Gedöns", Kleinkram - nice, aber auch nur 2 Tropfen auf dem heißen Stein.

Nun ja,
umgekehrt,
es handelt sich insgesamt um 90 aktuell laufende Projekte des Bedarfsplans.
Nicht 3, sondern 90.
Auch so Kleinkram wie ABS Rotenburg–Verden ist ein Milliarden-Projekt,
wo es zudem nicht unwahrscheinlich erscheint, dass Bieger den ersten Rammschlag beiwohnen könne.
ABS Stendal–Uelzen ist schon immer ein großes Thema.
ABS/NBS Hanau–Fulda ebenso.
NBS Frankfurt-Mannheim erst recht.

Bei
Hamburg - Hannover
Hannover - Bielefeld
Fernbahntunnel Frankfurt
Augsburg - Ulm

..sind die Projekte noch in einem sehr frühen Stadium, Vorplanung grade eben abgeschlossen bzw. noch nicht einmal das.
Ist immer süß zu lesen, wenn die Hater nebenan Schnappatmung bekommen bei NBS Hamburg - Hannover, wenn sich die PaBe nun um paar Wochen verzögert,
bei einem Projekt, das wenn es sehr gut laufen würde 2045 abgeschlossen wäre, eher so 2050..2063 (vgl. Bericht zur PaBe, 21/3150).

Bzgl. Augsburg - Ulm haben die Grünen ja schon groß verkündet,
ja, nee, is ja gut, aber muss erstmal nicht sein... kann auch später irgendwann mal.
..genau. Genau so geht Verkehrswende. Später irgendwann mal.

Bei diesen Projekten geht es also darum,
dass die Mittel für die weiteren Planungsphasen bewilligt werden.

Bilger hätte jetzt den großen Vorteil, dass er völlig frei wieder
Geld her! Wir brauchen mehr Geld! rausschreien könnte,
ein weiteres Mal könnte Merz seinen Verkehrsminister nicht einfach so feuern.

Nee, so einfach nicht. Aber die weitere Karriere nachhaltig stoppen, das ginge. Der Fiffi ist erst 47, da ist ja noch einiges drin. Und BK Merz schätzt es Medienberichten zufolge nicht, wenn ihm widersprochen wird.

Bilger bleibt also bis zum Ende dieser Legislatur im Amt.
Darüber hinaus wird Merz auch keine Rolle spielen.
Machtpolitisch wird Merz gegen Ende seiner Zeit als Kanzler und Parteivorsitzender wenig ausrichten können.
Bilger hat 3 Mal hintereinander seinen Wahlkreis direkt gewonnen,
war jahrelang Mitglied des CDU-Bundesvorstands, ist Teil der Pizza-Connection,
war zuletzt Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion (Nachfolger von Thorsten Frei).
Der hat Beziehungen.. Connection
und weiß, welche Fehler seines Vorgängers er nicht so direkt machen sollte.


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