Stuttgart 21: Jetzt auch 3 Milliarden Mehrkosten bekannt (Allgemeines Forum)

Aphex Twin, Freitag, 26.06.2026, 23:28 (vor 1 Tag, 13 Stunden, 16 Min.) @ Alphorn (CH)

Nachdem vor einigen Tagen die Verspätung bis 2031 bekannt gegeben wurde, veröffentlicht man nun auch die finanziellen Folgen. Zusätzliche 3 Milliarden, neu 14,5 Milliarden nach einer ursprünglichen Schätzung von 2,6 Milliarden (meines Wissens nicht inflationsbereinigt).

Bei Baubeginn 2010 war 4,5 Mrd der offizielle Wert (genauer gesagt wurden in einem Finanzierungsvertrag in 2009 dieser Wert festgelegt der schon einen Risikopuffer von 500 Millionen enthielt).

Ich staune erstens, dass man von diesem Desaster erst so kurz vor der geplanten Eröffnung hört - die war ja schon Ende diesen Jahres vorgesehen. Meiner Meinung nach muss das Folgen für die Verantwortlichen haben.

Stuttgart 21 wird von einer eigenständigen Projektgesellschaft gebaut die direkt dem Konzenrvorstand unterstand (und nicht zur DB InfraGog4hört). Dessen Leiter wurde Anfang diesen Jahres mit sehr dürren Worten in den Ruhestand verabschiedet. Dies kam nachdem die neue Bahnchefin Palla letztes Jahr eine Überprüfung des Projekts gestartet hatte. Wahrscheinlich hat Stuttgart 21 auch nicht das Image ihres Vorgängers Lutz gestärkt und damit auch etwas zu dessen Ablösung letztes Jahr nach acht Jahren Amtszeit beigetragen.

Eine gewisse Unfähigkeit kann man dieser Projektleitung wohl schon unterstellen. Lag aber natürlich nicht an einer Person allein. Generell wurde dieses Projekt von der Politik eher gegen den Willen der Bahn durchgedrückt. Schließlich ist die Schaffung eines neuen Stadtviertels keine Herzensangelegenheit, sondern der lokalen Politik.

Man könnte dies so sehen dass die Politik die Vorgaben machte und die Bahn gute Miene zum Bösen Spiel machen musste. Mit anderen Worten, die Bahn durfte der Politik nicht widersprechen und daraus entstand eine Kultur in der Problem immer wieder unter den Teppich gekehrt wurden bis man sie nicht mehr leugnen konnte.

Zweitens verstehe ich nicht, warum sowas immer wieder in Deutschland passiert. +500% bei S21, +500% bei der 2. Stammstrecke, +250% bei BER, +200% damals bei Nürnberg-München. Andere Länder kochen auch nur mit Wasser, aber solche Überschreitungen sind mir andernorts nicht bekannt. Woran liegt das? Übertriebene Bürokratie? Schamlose Unterschätzung der Kosten? Korruption? Ungeeignete Projektstrukturen - ist die DB die richtige Adresse für die Planung? Wechselnde Gesetzesvorgaben statt bei Projektbeginn eingefrorenen Anforderungen?

Ein Faktor bei den aktuellen Projekten ist dass die Inflationsrate in den Jahren 2022 und 2023 Höhen erreichte die es seit 1981 nicht mehr gab. Ein weiterer Faktor ist dass ein zu optimistischer Ansatz bei den Kosten es einfacher macht gewisse Projekte politisch durchzusetzen. Umplanungen aufgrund politischer Forderungen verzögern und verteuern Projekte ebenfalls, dies schließt lange Gerichtsprozesse mit ein.


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