Wettbewerb: Negative Folgen für Kunden größer als Vorteile (Allgemeines Forum)

EDO, Samstag, 23.05.2026, 16:19 (vor 1 Tag, 19 Stunden, 45 Min.) @ Der Blaschke

Das größte Problem ist doch: Das Netz, vor allem die hochbelasteten Knoten, haben nicht die Kapazität für zusätzliche Verkehre. Das Gegenteil ist ja der Fall.

Die ICE-Linie München – Ulm – Stuttgart – Mannheim – Frankfurt/Flughafen – Köln – Düsseldorf – Dortmund scheint ja das Interesse eines anderen Anbieters geweckt zu haben. In dem Artikel ist wörtlich von „gewinnbringende Strecken“ die Rede. Die o.g. Linie erfüllt mehrfach dieses Kriterium: München – Stuttgart / Stuttgart – Frankfurt – Köln – Düsseldorf. Und dazu noch 5,1 Millionen Einwohner im Ruhrgebiet.

Diese Linie wird im Zwei-Stunden-Takt betrieben. Würde der private Anbieter die Trassen „in der anderen Stunde“ erhalten, wäre das für den Kunden kein Nachteil. Wird aber kaum möglich sein. Somit droht, dass die Trassen wechselweise vergeben werden könnte. Aber! Mal angenommen: Der Kunde hat ein Ticket für „Italo“, der Zug fällt aus oder der Zubringerzug des Kunden zum „Italo“ hat Verspätung: bedeutet zwei Stunden Warten auf die nächste Verbindung.

Umgekehrt ist das Problem das gleiche, und gehen wir mal weg von einer so dicht von der DB bedienten Relation. Der private Anbieter möchte etwas vom „Kuchen“ Frankfurt – Kassel – Hannover – Hamburg abschneiden, der – abgesehen von den wenigen Sprintern – im Stundentakt bedient wird, und er erhält hier jede zweite Trasse. Das bedeutet für den DB-Kunden, ob Inhaber einer Bahncard 100 oder eines günstigen Supersparpreises: Verpasst er seinen Anschluss, fällt sein Zug aus, kann er nicht mit dem nächsten ICE fahren und ärgert sich „nur“ über 60 Minuten Verspätung – es werden dann 120 Minuten plus das übliche X.

Der Ärger, das Unverständnis darüber, dass sich DB Fernverkehr immer weiter aus der Fläche zurückzieht, was hier immer wieder Thema ist, würde sich dadurch weiter verschärfen. Wenn DB FV Teile der hochrentablen Verbindungen verliert, wird das zu Streichungen führen, auch im Angebot auf den großen Magistralen, dann am Wochenende und in Tagesrandlagen. Wer will das? Ich jedenfalls nicht.

Ja, ein oder mehrere weitere Anbieter würden dafür sorgen, dass sich DB FV deutlich mehr anstrengen muss und Leistungsbereitschaft zeigen muss. Aber für den Kunden noch wichtiger wäre eine gegenseitige Anerkennung von Tickets. Aber da entsteht schon das nächste Problem. Wie soll punktgenau abgerechnet werden, wenn gestrandete Italo-Kunden den nächsten ICE nutzen oder umgekehrt?


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