(ZM:) Italo fühlt sich von der DB ausgebremst. (Allgemeines Forum)

Sanformatiker, Samstag, 23.05.2026, 13:37 (vor 1 Tag, 4 Stunden, 27 Min.) @ Der Blaschke

Generell machen für in der Organisation des Bahnbetriebes nur zwei Konstellationen überhaupt Sinn:
1.) Der integrierte Konzern, der eben auch an allen Stellen Synergien nutzen kann und auf allen Ebenen optimieren kann. In diesem Konstrukt ist dann aber eben auch kein Wettbewerb möglich.
2.) Vollständige Trennung von Netz und Betrieb. Netz und sonstige Infrastruktur liegt dabei bei einem - im Idealfall gemeinnützigen - Unternehmen oder gar wirklich in einer Behörde.

Meiner Ansicht macht jede Verwässerung das Ergebnis schlechter. Für echten Wettbewerb müsste es eben Lösung 2 sein.

Jetzt kommt aber das große AAAAAABER: Die Frage ist, ist Wettbewerb im Bahnverkehr überhaupt erstrebenswert und sinnvoll? Hier gibt es für mich kein klares Ja oder Nein, da es von den Rahmenbedingungen und Art des Wettbewerbs abhängt. Einer der Grundfehler der Bahnreform ist für mich, dass man einerseits einen Teil - namentlich den Fernverkehr - in die Eigenwirtschaftlichkeit entlassen hat, aber gleichzeitig den Nahverkehr vorgibt und nur hier nur Wettbewerb bei der Leistungserbringung hat.

Auch hier bin ich der Ansicht: Ganz oder gar nicht! Bedeutet: Entweder ist der gesamte Personenverkehr eigenwirtschaftlich zu erbringen oder ich brauche für den gesamten Personenverkehr eine Stelle die halbwegs zentral die Angebotsplanung macht: Sprich Fahrplan und Tarife. Im Wettbewerb vergeben wird dann die konkrete Leistungserbringung.

Mein ideales Konstrukt würde auch den Fernverkehr von einem Aufgabenträger geplant und dann die Leistungserbringung entsprechen ausgeschrieben. Im Idealfall würde man auch Nahverkehrsangebote wieder bundesweit planen - viel zu oft gibt es an den Landesgrenzen Brüche in den Verkehren, die nicht immer den tatsächlichen Verkehrsflüssen entsprechen.

Das Bahnnetz lebt für mich aus Fahrgastsicht durch seine Netzwirkung, ein Flixtrain nützt mir z.B. oft einfach mal gar nichts, da er tariflich ein Solitär ist. Selbst wenn er zeitlich auf einer Teilstrecke gut passen würde, kann ich ihn nicht mit ICE-Zubringer und/oder - Abbringer durchgehend buchen. Wettbewerb bei Eigenwirtschaftlichkeit. Was es im Personenverkehr braucht: Jede Verbindung von einem Bahnhof zu einem Anderem in Deutschland (am besten sogar in der EU) muss immer mit vollen Fahrgastrechten durchtarifierbar sein. Und das eben nicht zu irgendwelchen teuren Spezialtarifen, wie Flexpreisen bei der DB, sondern bei Verfügbarkeit auch mit gestückelten Sparpreisen. Und selbst das dürfte häufig teurer werden, als wenn man bei einem Anbieter durchbuchen könnte.

Sonst verliert das Bahnnetz seine Netzwirkung - ein großer Verlust. Auf Europaebene erlebt man das ja schon immer öfter, früher gab es ein London-Spezial; heute nicht mal mehr durchgehende Tickets zum Vollpreis. Für das Gesamtsystem sind Wettbewerber aus meiner Sicht unter den aktuellen Rahmenbedingungen schädlich. Es nützt ja nix, wenn man für 4,99€ zwischen Frankfurt und Köln oder Berlin und München zwischen 6 Zügen die Stunde wählen kann, wenn dafür anderswo gar kein Angebot mehr besteht. Und ich finde bei Fernverkehrsreisen (bei mir in der Regel Dienstreisen über 1 Woche also mit Koffer) jeden Bahnhof mehr in einem Nahverkehrszug lästig und habe schon mehr als einmal eine zeitlich längere Verbindung statt dem RE querfeldein gewählt. So ein RE (oder gar RB/"S-Bahn") sieht in der Regel keine sinnvollen Möglichkeiten für Gepäck vor, ich kann keinen Sitzplatz reservieren und wehe man muss alleinreisend mal auf die Toilette, im besseren Fall ist nur der Sitzplatz weg, weil neue Reisende zugestiegen sind, im schlechteren Fall das Gepäck, weil die Züge ja auch noch alle Nase lang halten.


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