Bahnhöfe angenehme und unangenehme (Allgemeines Forum)

rotfuxx, Donnerstag, 24.06.2010, 12:56 (vor 5793 Tagen) @ JKHalle

Ich finde den Bremer Hbf sehr schön und abhängig vom Bahnsteig auch angenehm. Schwierig wird es immer, wenn die Reisendenflut des RB aus Bremen-Nord oder der Metronoms in den zu schmalen Tunnel schießt. Auch die Shops sind nicht ideal platziert (Rossmann im 1. OG, gute BaBu in der Mitte des Tunnels statt in der Bahnhofshalle). Die kleine Lounge (mit dem wahrscheinlich einmaligen Scheiß-Schlüssel) finde ich einfach nur schnuckelig.

Hannover Hbf ist dagegen natürlich Luxus. Ein breiter Einkaufstunnel, den ich aber zumeist nur sprintend passiere.

Frankfurt Hbf hat natürlich den Vorteil eines Kopfbahnhofs: Monumentale Optik ohne Niveauwechsel. Mich nerven an diesem Hbf allerdings die Reisenden. Schon bei der Einfahrt in den Hbf stürmt eine Pinguin-Stampede aus den hinteren Zugteilen in Richtung 1. Klasse. Auf dem Bahnsteig wird man trotz straffen Ganges stets von ganz wichtigen Menschen mit dem Lebensmotto "Manager haften nicht für ihre Trolleys" überholt. Kurzum: Ein ganz widerliches Ellenbogen-Gesocks vermiest mir hier regelmäßig die Ankunft.

Berlin HDW ... ähhh ... Hbf? Eine Inkorporierung der Börsenbahn. Das eigentliche Brot-und-Butter-Geschäft in die Peripherie verdammt (genauso wie jeder Umsteiger mit viel Gepäck) und dazwischen zwei extradicke Lagen Wohlstandsspeck. Es werden sich später Menschen fragen, ob hier nachträglich ein existierendes Einkaufscenter um einen Bahnhof erweitert wurde.

Münster Hbf. Die hässliche Empfangshalle gibt einen ehrlichen Vorgeschmack auf einen hässlichen Bahnhof. Seitdem der Nordtunnel auch noch (teilweise) dicht ist, verdichtet sich der Besucherstrom noch mehr im Haupttunnel. Aufzüge ... wenn vorhanden häufig defekt. Rollbänder? Defekt. Gleise? Zugig und kalt ... bei ungünstigen Wind gerne auch mit Partialdusche. Dazu stets halb verzweifelte Reisende, die die Kopfbahngleise zwischen den Durchgangsbahnsteigen 8 und 12 suchen. So lebenswert die Stadt so unangenehm ihr Bahnhof.

Der letzte meiner häufig frequentierten Bahnhöfe ist Bad Sassendorf im Westfälischen. Das Bahnhofsgebäude ist mittlerweile schön renoviert, aber erfüllt natürlich keinen Bahnzweck mehr. Dafür erwartet jeden der nur auf die Idee kommt in Richtung Soest zu reisen ein Tunnel, der in ein paar Jahrzehnten mit seinen verschimmelten Urinstalagniten sicherlich eine weitere Attraktion des Kurorts darstellen wird. Die Automaten erfreuen sich auch regelmäßigen Vandalismus (wahrscheinlich unausgelasterer Rentnerbanden), weshalb man auf die leider Bahncard-immunen Automaten in der Eurobahn zurückgreifen muss (Einstieg gerne über die hinterste Tür, da wieder alle anderen kaputt). Das einzige was mir die Wartezeit an diesen kalten Bahnhof versüßt, sind die täuschend echten Bahnhofsansagen eines geistig Behinderten, der dort regelmäßig allerlei nützliche Dinge verrichtet. Ich liebe es, wenn er hinter einer Ecke mal wieder eine unverständliche "Durchsage" ansagt, die bei den Ruhrgebietsrentnern sofort zu größeren Diskussionen führt, was da gerade angesagt wurde. Wäre er nicht mehr da, wäre Bad Sassendorf nur noch das, was es jetzt schon ist: ein trotzloser Ort an dem sich alte Bahngleise zum Sterben zurückgezogen haben.


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