Was bringen Verkehrsverbünde? (Fahrkarten und Angebote)

Knochendochen, Samstag, 08.10.2022, 21:08 (vor 1248 Tagen) @ Sanformatiker

Moin knochendochen,

aus Fahrgastsicht kann ich dein Ansinnen zumindest zum Teil nachvollziehen, wobei ein deutschlandweit für alles einheitlicher Tarif ggf. nicht nur Vorteile hätte. Die teilweise doch schon unterschiedlichen Systematiken in den einzelnen Verbundtarifen haben ja einen Hintergrund - oft haben ja einzelne Verbünde schon intern verschiedene Tarifgebiete. Wenn ich mir alleine mal meinen Heimatverbund (VBN - Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen) anschaue, da gibt es fünf Tarifgebiete, Zonen die nicht immer mitgezählt werden, Sondertickets für bestimmte Tarifgebiete bzw. Städte (die ggf. auch nicht bei allen Unternehmen gelten), Kurzstreckentickets, die in zwei Städten schon mal nicht gelten, aber auch bestimmten Abschnitten wieder nicht, wenn es z.B. über Autobahnen geht (ohne das diese klar benannt wären). Und das sind nur ein paar Beispiele. Und ja Übergangstarife gibt es auch noch. All diese Regelungen haben ja einen Grund und dieser Grund liegt halt nicht darin, dass man Fahrgäste ärgern will, es gibt halt vor Ort einen Bedarf und/oder gewisse Finanzierungszwänge.

Und das ist genau der Punkt, den ich nicht verstehe: Was für einen Grund haben diese unterschiedlichen Regelungen? Du hast jetzt nur aufgezählt, dass es in deinem Heimatverbund unterschiedliche Zonen und Tickets gibt. Warum braucht man das? Warum gibt es nicht einfach ähnlich den Flexpreisen im Fernverkehr für eine Relation A -> B einen festgelegten Preis für eine Einzelfahrkarte, die sich nicht an komplizierten Wabenaufteilungen orientiert? Bezüglich der Finanzierung hätte ein deutschlandeinheitlicher Tarif ja sogar den Vorteil, dass mit Geldern aus strukturstarken Regionen bei der Finanzierung des Nahverkehrs in strukturschwachen Regionen ausgeholfen werden kann.

Und wenn schon in einem Verbund (und das wir in vielen Verbünden so sein) etliche Ausnahmen gelten und Spezialitäten gelten, wie soll dann ein deutschlandweiter Nahverkehrstarif erst aussehen und vor allem wieviele Regale soll dieses Werk in Buchform dann füllen?

Ganz einfach, man verzichtet auf die aus meiner Sicht unnötigen Ausnahmen und führt einen Tarif analog zu den Flexpreisen im Fernverkehr ein, wie oben beschrieben.

Wo ich dir recht gebe: Im Jahr 2022 mit allgegenwärtiger IT, muss dieses Gewusel für den Fahrgast einfacher werden. Das aber nicht nur deutschlandweit, sondern eigentlich europaweit (mindestens jedoch EU-weit). Man sollte in seine App bzw. die Website eingeben können, ich möchte von Bremen, Lugwig-Quidde-Str. nach Regensburg, Hermann-Höcherl-Str. oder von Hamburg, Jungfernstieg nach Prag, Náměstí Republiky und dann wird mir ausgespuckt: Welche Verbindungen gibt es und was kostet es und wenn ich auf buchen klicke, wird mir im Hintergrund EIN Ticket ausgestellt für die gesamte Verbindung. Ob auf dem Ticket eben steht bis zum Bahnhof VBN-Tarif, ab Bahnhof bis Bahnhof dann Deutschlandtarif und vom Bahnhof bis Ziel dann noch Verbundtarif XY ist am Ende egal. Wichtig ist aus meiner Sicht die einfache Auskunft über die Gesamtstrecke an einem Ort und durchgehende Buchbarkeit am gleichen Ort, welche Tarife dann dahinter aneinander gestückelt werden, sollte egal sein. Das gebuchte Ergebnis sollte dann nur als eine Reisekette gelten, die im Zweifel den Anspruch auf auf Fahrgastrechte auslöst.

Hier habe eher noch Verständnis, dass es auf Europaebene mit dem einheitlichen Tarif nicht klappt, denn ich denke, dass die Einsenbahnsysteme in den einzelnen Ländern sich zu stark unterscheiden und dass da zu viele Aktuere mitspielen, um eine Einigung erzielen zu können.


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