Kolumne: "Öffis sind nicht zum Wegschmeissen da." (Allgemeines Forum)

Paladin, Hansestadt Rostock / Güstrow, Montag, 25.07.2022, 14:35 (vor 1364 Tagen) @ Oscar (NL)

Hallo Oscar,

Danke für den Beitrag, ist mir aber zu viel Meinung und zu wenig Belege. (Ist Deine Kolumne, kannst du natürlich machen, wie Du es willst!)

Die Niederlande sind das Land mit der grössten Autodichte der Welt. Nirgendwo sonst (ausgenommen Stadtstaaten) findet man mehr als 200 Autos pro Quadratkilometer. Zum Vergleich: in Deutschland, das Land der unbegrenzten Autobahnraserei, liegt diese Zahl bei 145. Der öffentliche Verkehr stellt hier keine Alternative da. Zu teuer, wird hier oft geklagt. "In Deutschland sind die Öffis spottbillig, wieso kann das hier nicht?", ist eine Frage die ich schon recht oft lesen und hören durfte.

Spottbillig? Das kann nur jemand sagen, der nur auf die Sparpreise schaut und nicht die Tickets in den hiesigen Verkehrsverbünden kennt ...

Leider sieht die Wirklichkeit anders aus. Auf den deutrschen Strassen ist der Verkehr nur marginal abgenommen.

Ist das so? Gibt es dazu bereits ausgewertete Statistiken, wie sich das 9€-Ticket auf den Pendlerverkehr ausgewirkt hat? Oder ist das eher "so ein Empfinden"?

Ist ja logisch: wieso würde jemand auf Bus und Bahn umsteigen, wenn Arbeitgeber die Reisekosten erstattet?

Es wird nicht jede Autofahrt vom Arbeitgeber erstattet. Pendelverkehr sind keine Reisekosten.

Die allermeisten Fahrten, die mit den Billigfahrkarten gemacht werden, sind Spassfahrten.

Ist das so?

Diese kommen also zusätzlich zum bereits vorhandenen Pendlerverkehr. Das kommt der Umwelt also nicht zugute.

Ist das so? Wären die Spaßfahrten nicht ggf. mit dem Auto unternommen worden?

Zugleich werden die Züge und die Infrastruktur, die schon vor Einführung der Billigfahrkarten überlastet waren, derart auf die Probe gestellt, dass man den Fahrplan nicht mehr halten kann. Verspätung und Ausfälle sind inzwischen Tagesordnung geworden.

Das war schon vor dem 9€-Ticket so...

Es hat schon dazu geführt, dass Festkunden der deutschen Bahn fern bleiben. Zudem sei die Frage, ob die Neukunden auch in September nach wie vor Bus und Bahn fahren, oder doch lieber zu ihren Autos zurückkehren.

Das wird sich zeigen. Derzeit wird ja über ein Folgeangebot diskutiert.

Daher hoffe ich, dass unser Land nicht mit diesem Wahnsinn mitmacht. Der öffentliche Verkehr ist kein Produkt dass man ausverkauft, bis zum Ende abnutzt und zuletzt in die Tonne schmeisst. Guer öffentlicher Verkehr sorgt für Mobilitätsfreiheit: die Wahl aus mehreren Beförderungsmitteln. Aber guter öffentlicher Verkehr kann nur dadurch existieren, dass man investiert. In Infrastruktur, Busse und Bahnen. Mit Billigfahrkarten werden Verspätungen nich kürzer, Bahnsteige nicht länger, Strecken nicht schneller und Züge nicht besser. Unser Land sollte also von dieser Ticketverramschung Abstand halten. So viel Abstand, dass dessen Bereisung mit einem "neu Neuro Ticket" nicht mehr lohnt.

Hier ist es wieder, das "entweder oder" - Es muss SOWOHL in die Infrastruktur investiert werden, als auch das ANGEBOT angepasst werden.

Da in dem Text ja relativ viele Behauptungen auftraten, stelle ich hier noch eine Behauptung auf:

Nicht nur der Preis des 9€-Tickets überzeugt, sondern auch die Einfachheit: Ticket zum Festpreis kaufen, einsteigen, losfahren. Keine Verbünde, Kreise, Tarifzonen, Waben, willkürlich endende "Tages"karten, etc....


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