Kapitel 7 - Abschied und Abreise - fin (m.9 B.) (Reiseberichte)

J-C, In meiner Welt, Sonntag, 12.09.2021, 14:17 (vor 1649 Tagen) @ J-C
bearbeitet von J-C, Sonntag, 12.09.2021, 14:20

Eine Woche voller neuer Entdeckungen, Abenteuer, Erholung und Freude. So ein mitteleuropäisches Planungsseminar öffnet mir tatsächlich ganz neue Perspektiven, um die ich sehr glücklich bin.

Dankenswerterweise hat man mir noch ein Sackerl mit einer Jause mitgebracht, dadurch muss ich definitiv nicht hungern. Denn die ca. 2 Stunden lange Reise nach Wien ist in einem EC der MÁV zurückzulegen - und die haben derzeit keine Speisewagen.

Es war warm draußen, so verbrachte ich die meiste Zeit zunächst im klimatisierten Warteraum. Das war sogar fast angenehm, vom eher neutralen Ambiente abgesehen.

Irgendwann wagte ich mich draußen und verbrachte die restliche Wartezeit am Bahnsteig. So konnte ich noch einen blauen Flirt einfangen...

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Mein Zug hat den klingenden Namen Liszt Ferenc, in Österreich dann Franz Liszt.
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Und dann kommt er auch schon, ich wette, mindestens eine Userin würde sich ein wenig über die Bespannung freuen:[image]

Der Zug war indes voll. Ich bekam automatisch einen Sitzplatz zugewiesen, aber der war durch Gepäck belegt und ich habe irgendwie wenig Interesse daran gehabt, mein eigenes Gepäck im Abteil irgendwie unterzubringen und mich selbst einzupferchen. Abteile sind toll, wenn die Belegung nicht so hoch ist, aber weniger toll, wenn es viele Leute im Zug gibt.

Ich wanderte also durch den Zug und beschloss, im letzten Wagen, einem Bbdpmz 84-91.4 Platz zu nehmen. Genaugenommen auf dessen Boden zunächst, da ich für mich keinen Platz fand.
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Das ist aber gar nicht soo übel gewesen. In meiner Nähe gab es auf Bodenhöhe Steckdosen.
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Und ich fand erstmal eine entspannte Position zum Sitzen.
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Zufälligerweise kam ich mit 2 Reisenden ins Gespräch, die auf dem Weg zurück nach Österreich sind. Sie kamen aus Budapest, waren vorher auch über die Route Komarno/Komarom hingereist (wenig überraschend gab es keinerlei Einreisekontrollen bei denen) und ich erfuhr am Ende auch den Grund, warum es so voll war: Der IC eine halbe Stunde vorher hatte nicht genug Kapazität, insbesondere für Radfahrende. Also wurde auf diesen Zug ausgewichen. Und siehe da, in Györ, wo der IC die Hauptstrecke verlässt und wahlweise nach Sopron bzw. Szombathely weiterfährt, leert sich der Zug etwas. Zwischendurch bekam ich dann auch einen Sitzplatz.

Ich war schon vorher in diesem Wagen, aber nicht für so lange. Dementsprechend war es natürlich ein neues Erlebnis für mich. Leicht amüsiert war ich, dass trotz der modern aussehenden Einrichtung es an einigem hapert: Die Rollstuhlrampe löst sich während der Fahrt aus der Verankerung und gibt dann ein Piepen von sich. Erst ein beherztes Zugreifen bringt das Ding wieder in seine Ruheposition. Außerdem war die Toilette ziemlich lange belegt. Und so löste so ziemlich jeder, der sich in dessen Nähe aufhielt, eine Ansage aus, nach der die Toilette belegt ist. Und das auf ungarisch und englisch.

Ein weiterer Running gag auf der Reise war ein Fahrgast, der den Notrufknopf für die Rollstuhlstellplätze drückt, im Glauben, damit die automatische Tür zu schließen.

Wie ich erfuhr, gab es hinter Budapest eine Fahrkartenkontrolle. Da ich in Tatabánya einstieg, wurde ich durch das ungarische Personal gar nicht behelligt. Erst in Österreich fand eine Fahrkartenkontrolle statt. War mir auch recht, immerhin saß ich nicht dort, wo es die Reservierung vorgab...

Erstaunlich: wenn auch leise, kannte der Wagen auch automatische Ansagen.
Hegyeshalom war die letzte Station vor Wien und so kam man danach auf diese schöne Aussicht auf dem Monitor:
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Die MÁV schafft, was nichtmal die ÖBB geschafft hat: Die Symbole für S- und U-Bahn am Bahnhof anzuzeigen. Ich war durchaus schwer begeistert, da ist es ausgerechnet die MÁV, die das hinkriegt. Die haben extra für Österreich die Symbole hergenommen. Das ist fantastisch!

Und so steigt man aus. Jede Stunde kommt aus Budapest ein Zug in Wien Hbf an. Und an jenem Tag war ich ein Passagier in solch einem Zug, noch dazu in einem der neuesten Wagen, die die MÁV-START zu bieten hat.
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Der Tag war dann recht ereignislos, ich verzehrte noch Teile des tollen Proviantes - selbstverständlich fehlten auch nicht die Paprikastücke, die man immer zum Frühstück bekam...

...und als Epilog brachte mich diese Milchtüte gedanklich nochmal zurück nach Tatabánya, in das Heim direkt an der Bahnstrecke...
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Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich in Tatabánya war. Darin bin ich mir sicher.

Fin

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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky


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