Kapitel 3: Hoch hinaus zum Turul, runter zum Planen (Reiseberichte)
Am Montag fiel der Startschuss für das Planungsseminar im Rathaus von Tatabánya mit der Bürgermeisterin und den Betreuern seitens der Stadt, die uns diese Woche begleiten werden.
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Jetzt entdeckt man also die Gegend gemeinsam, dazu geht es zunächst hoch hinaus...
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Nachdem die vielen Treppenstufen erklommen sind, gelangt man zu einer Statue, die den Turul, einen Vogel, der der Legende nach die Ungaren in ihr Heimatland führte (Der englische Wikipedia-Artikel gibt da einige Details dazu), kurz gesagt, es ist ein Nationalsymbol.
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Heute weist der Vogel Reisenden nach Budapest den Weg, wer den Turul passiert, weiß, dass es noch eine halbe Stunde bis Budapest ist.
Außerdem hat es hier natürlich eine schöne Aussicht:
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Das sind natürlich Dinge, die meine Abenteurerlust weckten. Und es wird noch besser: in der Nähe befindet sich die Szelim-Höhle, eine 40.000 Jahre alte Formation im Felsen:
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Nun ist es aber Zeit, zum Boden der Tatsachen zu kommen. Denn wir sind natürlich nicht zum Spaß hergekommen.
Wir haben im Rahmen des Seminars uns eine Aufgabe aussuchen können, die wir für die Woche bearbeiten wollen. Bei mir fiel die Wahl auf ein Wohnareal mit Parkplatzproblemen. Es ging zur Gál-Istvan Siedlung, welche nahe der Bahnstation Alsógalla liegt.
Für eine Stadt dieser Größe schon auffällig ist, wie die Wohnungseingänge eines Mehrparteienblocks direkt auf der Fahrbahn enden.
Wir haben eine komplette Führung durch das Areal mit der Beschreibung der Probleme bekommen. Die kleinen Wohnstraßen sind oft mit Autos zugeparkt, wodurch diese zu einem Parkours werden.
Dann gibt es eine Kreuzung mit Sichtproblemen, wo einerseits von der Bahnunterführung die Autos aus Richtung Norden eine starke Steigung haben und damit von anderen Verkehrsteilnehmern erst spät gesehen werden.
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Darüber hinaus scheint ein Trafo die Sicht zu blockieren.
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Und dann parken auch Leute einfach mal im Parkverbot:
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Was unter anderem daran liegt, dass zu Zeiten des sowjetischen Einflusses man nicht so sehr an Parkplätze dachte und mit Zusammenbruch der Sowjetunion natürlich das Autoaufkommen anstieg, da der ÖPNV nicht besonders attraktiv ist. Die Busse fahren hier im Halbstunden- bis Stundentakt, dann gibt es Linien mit genau einem Kurs pro Tag, was generell eher einen nicht besonders strukturierten Eindruck hinterlässt. Und die Bahnstation hat nur einen sehr kleinen Parkplatz, deswegen sehen sich Pendler gezwungen, die Parkplätze der Wohnsiedlung als Park&Ride zu benützen.
Für all diese Dinge haben wir in der Woche Lösungen erarbeitet, die am Freitag präsentiert wurden.
Zum Schluss haben wir noch einen nahegelgenen Park besucht, dieser wurde von EU-Geldern finanziert.
Man kam hier auch auf die politischen Dimensionen der Stadtplanung in Ungarn zu Sprechen. Wenn man eben in Kontakt mit den Leuten kommt - das kann auch auf englisch gehen - erfährt man mitunter Ungeheuerliches, was im Staate passiert. Es ist schlicht und ergreifend unvermeidlich, im Kontext der Raumplanung auf dieses Thema zu kommen. Wo für ein Projekt auch wirklich Geld zur Verfügung steht, da wird es auch zu was großartigem. Eben wie in diesem Park. Aber generell ist Orbán Viktor im Bezug auf Finanzierung von Projekten ziemlich knauserig. Und das in einem Land, dessen Wirtschaftsleistung nicht so prickelnd ist und die Löhne erbärmlich gering sind (und bezüglich der Arbeitsbedingungen hört man eben auch nichts gutes).
Es ist gelinde gesagt erstaunlich, dass da die EU ständig als Sündenbock herhalten muss, während sie dafür sorgt, dass in Ungarn die Dinge nicht völlig marode sind und es ein wenig Lebensqualität in solchen Städten geben kann.
Es ist freilich ziemlich schwer, in einem Reisebericht solche politischen Themen unterzubringen. Das kann Kontroversen bringen, aber ich kann nicht so tun, als hätte ich keine Ahnung, was da vor sich geht, als Student der Raumplanung ist eine Konfrontation mit der Politik nunmal früher oder später unvermeidlich. Und das ist in Ungarn besonders prävalent.
Das wird sich auch in den nächsten Kapiteln zeigen. Denn was hier vor sich geht, lässt letztlich nichtmal die Bahnhöfe unberührt.
Es ging jedenfalls zurück nach Hause. Man genießt den Bahnlärm und wird am nächsten Morgen vom Krach geweckt. Wie sich später herausstellt waren 2 Zimmer weiter Kinder von einem Wrestlingverein untergebracht. Die haben sich anscheinend eingeschlossen und kamen nicht mehr raus. Der Hilferuf wurde erhört und offenbar setzte man zur Ultima Ratio und demolierte die Tür. Nun weiß ich, wieso die Türen immer so hellhörig sind. Wer also sich fragte, warum die Tür kaum die Geräusche vom Gang isoliert, hier ist die Antwort:
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Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
gesamter Thread:
- Mein Abenteuer in Tatabánya - Einleitung -
J-C,
19.08.2021, 18:45
- Köszönöm
-
ktmb,
19.08.2021, 19:42
- Kapitel 1: Auf Zeitreise nach Ungarn (m.16 B.) - J-C, 19.08.2021, 20:58
- Kapitel 2: Erste Erkundungen in der Stadt (m.20 B.) -
J-C,
19.08.2021, 22:23
- Kapitel 2: Erste Erkundungen in der Stadt (m.20 B.) -
Altmann,
20.08.2021, 09:43
- Kapitel 2: Erste Erkundungen in der Stadt (m.20 B.) -
J-C,
20.08.2021, 12:45
- Kapitel 2: Erste Erkundungen in der Stadt (m.20 B.) -
Altmann,
20.08.2021, 13:06
- Kapitel 2: Erste Erkundungen in der Stadt (m.20 B.) -
J-C,
20.08.2021, 13:45
- Basel Bad ist auch Abgrundtief hässlich -
Höllentalbahn,
20.08.2021, 19:54
- Bei Kelenföld ist der Teil der Metro 4 sehr annehmbar :) - J-C, 20.08.2021, 21:14
- Basel Bad ist auch Abgrundtief hässlich -
Höllentalbahn,
20.08.2021, 19:54
- Kapitel 2: Erste Erkundungen in der Stadt (m.20 B.) -
J-C,
20.08.2021, 13:45
- Kapitel 2: Erste Erkundungen in der Stadt (m.20 B.) -
Altmann,
20.08.2021, 13:06
- Kapitel 2: Erste Erkundungen in der Stadt (m.20 B.) -
J-C,
20.08.2021, 12:45
- Kapitel 2: Erste Erkundungen in der Stadt (m.20 B.) -
Altmann,
20.08.2021, 09:43
- Kapitel 3: Hoch hinaus zum Turul, runter zum Planen -
J-C,
20.08.2021, 13:35
- Wie die Ungarn in ihr Land kamen -
JanZ,
20.08.2021, 14:19
- Das kann auch sein. - J-C, 20.08.2021, 14:48
- Wie die Ungarn in ihr Land kamen -
Sören Heise,
20.08.2021, 16:26
- Wie die Ungarn in ihr Land kamen -
J-C,
20.08.2021, 16:45
- Wie die Ungarn in ihr Land kamen - Sören Heise, 20.08.2021, 17:10
- Wie die Ungarn in ihr Land kamen - JanZ, 22.08.2021, 15:08
- Wie die Ungarn in ihr Land kamen -
J-C,
20.08.2021, 16:45
- Wie die Ungarn in ihr Land kamen -
JanZ,
20.08.2021, 14:19
- Kapitel 4: Ein Besuch im Minenmuseum und anderes (m.23 B.) -
J-C,
20.08.2021, 14:44
- Kapitel 4: Ein Besuch im Minenmuseum und anderes (m.23 B.) -
Alibizugpaar,
20.08.2021, 15:46
- Kapitel 4: Ein Besuch im Minenmuseum und anderes (m.23 B.) - JanZ, 11.09.2021, 11:21
- Kapitel 4: Ein Besuch im Minenmuseum und anderes (m.23 B.) -
Alibizugpaar,
20.08.2021, 15:46
- Kapitel 5 - ein Besuch in Tata (m.31 B.) -
J-C,
21.08.2021, 16:38
- Danke für den schönen Reisebericht! - Höllentalbahn, 21.08.2021, 22:01
- Koreanisch/chinesisch? -
semifaketrain,
11.09.2021, 14:44
- Stimmt, ich Dödel :'D Ist aus Korea, nicht China - J-C, 11.09.2021, 15:09
- Kapitel 6 - Budapest und Oroszlany (m. 36 B.) - J-C, 10.09.2021, 20:54
- Kapitel 7 - Abschied und Abreise - fin (m.9 B.) - J-C, 12.09.2021, 14:17
- Köszönöm
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