Kapitel 6 - Budapest und Oroszlany (m. 36 B.) (Reiseberichte)
Ich habe endlich die Motivation gefunden, meinen Reisebericht fortzusetzen. Hoffe, dieser Teil wird euch gefallen.
Ich reiste also am Samstag im Railjet nach Budapest, was auch das erste Mal war, dass ich in Ungarn einen Railjet nahm. Was natürlich auffiel ist, dass die Begrüßungsansage zunächst auf ungarisch von der MÁV-Stimme kam, dann die Ansage auf Deutsch und Englisch durch Chris Lohner.
Die ÖBB haben selbstverständlich ansonsten nur Deutsch und Englisch als Ansagensprache im Angebot. Irgendwie schwach.
Dafür war die Reise ziemlich angenehm, mit 160 ziemlich straightforward.
Ich hätte in Kelenföld aussteigen können, allerdings wollte ich unbedingt am Bahnhof Keleti wieder vorbeischauen. Das letzte Mal, dass ich in Budapest war, ist schon 6 Jahre her.
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Faszinierend, man hat das selbe Farbschema bei den Abfahrten und Ankünften wie bei den ÖBB auf den hier tatsächlich vorhandenen Monitoren genommen:
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Nachdem ich in Györ und Tatabánya die Fallblattanzeiger gewohnt war, ist die technische Ausrüstung in Budapest ja geradezu revolutionär. Elektronische Monitore sind in Ungarn keine Selbstverständlichkeit. Wobei zumindest die GySEV da recht fortschrittlich auf ihrem Netz ist.
Man wirft dann einen Blick raus...
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Und schaut sich dann die Stadt an. Zum Beispiel dieser schöne Eingang zur Metro:
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...sowas wie architektonische Kreativität sucht man bei Wiener U-Bahnstationen ja meist vergeblich.
Da das riesige Parlamentsgebäude...
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...mit traumhafter Aussicht auf die Donau, ich glaube das würde mir bei einem zweiten Aufenthaltstag irgendwie ans Herz wachsen.
Ich hatte bislang keinen Plan, bin einfach mit der Straßenbahn in die Richtung gefahren, die interessant aussah, bisserl spaziert und schwuppsdiwupps fand ich mich in einem kleinen lauten Bus mit Fahrtziel Schlossberg wieder.
Interessant: Der Kernbereich des Areals ist über einen Schranken zu passieren, Durchgangsverkehr ist hier untersagt und man braucht eine Erlaubnis, das Areal zu befahren.
Ich steige aus an einer Station, die interessant aussieht und erblicke die Matthiaskirche, sie wurde ursprünglich vor einem Jahrtausend im Jahre 1015 erbaut, dann wurde sie 1255-1259 an heutiger Stelle erbaut, 1370 umgebaut und 1541 wurde die Kirche im Zuge der Eroberung der Stadt durch die Türken in eine Moschee umgewandelt, als die sie für ganze 150 Jahre verbleiben sollte.
Man meint, schlimmer geht's nimmer, aber dann kam die heilige Liga 1686 um die Ecke und hat mal eben das Ding fast völlig zerstört, ehe es dann nach barockem Vorbild wiederaufgebaut und den Jesuiten übergeben wurde. 1773 wurde die Kirche nach Auflösung des Jesuitenorden dem Stadtrat übergeben, geschichtlich gesehen wurde sie auch der Ort, wo 1867 Franz Josef I. mit Elisabeth gekrönt wurden. Dann wurde die Kirche 1873 wieder umgebaut und deren Erscheinungsbild verändert.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer beschädigt, aber nach den originalen Plänen wieder aufgebaut.
Die Kirche hat also eine bewegte Geschichte über die letzten Jahrhunderte, die 2 ungleichen Türme sind ein Zeuge dessen.
Und nun stehe ich da und mach ein Foto davon.
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In dessen Umgebung ergibt sich eine schöne Aussicht auf die Stadt...
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Ich gehe weiter und laufe auch an der Standseilbahn vorbei, die ich nicht nutze. Weil das kostet Geld und ich kann das auch zu Fuß laufen.
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Weiter draußen hat man dann etwas mehr Grün in schönen Aussichten.
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Nun gab es 2 Dinge: 1. Mir sind die Ideen ausgegangen, was zu sehen ist (hätte wohl noch den Bahnhof Nyugati mir anschauen können, tja das hab ich wohl nicht geschafft. Habe ich schon erwähnt, dass ich meine Städtereisen kaum plane und im Grunde genommen aussteige und immer der Nase nach spaziere?
2. Der Handyakku geht zur Neige und ich vergaß, eine Powerbank mitzunehmen. Ich habe zwar Tickets mit und hab herausgefunden, dass man in Ungarn auch Fahrkartenautomaten hat, aber es ist doch etwas besser, wenn man ein funktionierendes Handy hat... außerdem werde ich bestimmt noch in Zukunft Ungarn und Budapest bereisen können.
Also ging es zum Bahnhof Deli, wo ich vorsichtshalber meine Fahrkarte am Automaten kaufte. Ich erwischte einen solchen, der ziemlich cool aussah und die nette Funktion bot, dass man eine Fahrkarte anhand der nächsten Abfahrten am Bahnhof erwerben konnte...
...allerdings war der Touchscreen furchtbar schwergängig und die Tatsache, dass auf dem Bildschirm ein Mauszeiger ist, war kein tolles Beispiel für gelungene User Experience. Da könnte man noch etwas nachjustieren. Aber ich erhielt letztlich meine Fahrkarte.
Habe ich schon erwähnt, dass ich während des gesamten Aufenthaltes ausschließlich mit Karte zahlte und weder versuchte, mit Euro wo zu zahlen, noch irgendwo etwas in der Währung Forint abgehoben hab? Das klappte tatsächlich ziemlich gut und ersparte mir, mir einen vertrauenswürdigen Geldwechsler bzw. Bankomaten zu finden.
Der Bahnhof Deli ist nebenbei... nicht erwähnenswert.
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Die S-Bahn hingegen schon, ein Stadler Flirt macht immer Freude.
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Und es gibt Steckdosen in verschiedenen Geschmacksrichtungen:![[image]](https://abload.de/img/img_5892lkklt.jpg)
Ich habe tatsächlich die Rückfahrt in der S-Bahn absolviert. Und was soll ich sagen? Es ist einfach sehr angenehm, im Flirt zu reisen. Aber auch: Abseits der Station Kelenföld ist keines der Bahnsteige barrierefrei auf eine Höhe von 55cm SOK ausgebaut, was heißt, dass immer eine Stufe zu überwinden ist und mobilitätseingeschränkte Reisende stets eine eingebaute Rampe in Anspruch nehmen müssen. Ich bin mir sicher, dass man im Prinzip schon an jeder Station mit einem Rollstuhl ankommt, es ist einfach nur mühsam, wenn man es versucht.
Außerdem, mal ehrlich, die Stationen sind eine Enttäuschung. Ich dachte, die MÁV hätte auf eines der wichtigsten Hauptstrecken des Landes eine Infrastruktur vorzuweisen, die sagen wir mal kundenfreundlich ist. Stattdessen sind die Bahnhöfe veraltet und das neueste sind eben die Schienen und das ETCS.
Ich steige jedenfalls in Tatabánya aus und schau mir nochmal die Gleisanlagen an:![[image]](https://abload.de/img/img_5898yej2v.jpg)
Es ging dann nach Hause, den Akku voll aufladen und kurz mal durchatmen.
Ich hatte noch etwas Zeit, ehe ich die eine Sache tat, die ich definitiv nicht verpassen wollte: Eine Fahrt auf der Stichstrecke nach Oroszlany. Denn heute war es das erste Mal für mich, dass ich eine Nebenbahn in Ungarn befahre (abseits des einen Mals, wo ich nach Sopron und weiter nach Deutschkreutz fuhr). Die Strecke ist... teils ok, aber meistens halt so ziemlich das, was ich aus tschechischen Nebenbahnen gewohnt bin. Allerdings scheint der Flirt damit besser umgehen zu können als ein Regiopanter. Ich war erstmal überrascht, als ich auf Google Maps schaute und dachte, Oroszlany wäre so ein Dorf wegen der Struktur... wobei ich nicht ganz Unrecht hätte, denn die Stadt hat zwar zufälligerweise 18 tausend Einwohner (und wird in der Woche auch im Stundentakt durchgebunden bis Budapest bedient, am Wochenende eben als Stichstrecke mit einem vierteiligen Flirt ab Tatabánya), aber die Bebauung scheint irgendwie eher locker zu sein... aber dann vergaß ich wiederum, dass das für ungarische Städte, die im späteren 20. Jahrhundert im größeren
Maße angefasst wurden, der Standard ist.
Man kommt im Bahnhof an, schaut sich die Wartehalle an, die... ok ist...
Beobachtet noch, wie die mobile Rampe einen Fahrgast mit Mobilitätsbeeinträchtigung runterlässt - hier kann man ja niveaugleich über die Gleise rauskommen, das ist wenigstens eine gute Sache an diesem alten Bahnhof.
Dann schaut man sich halt diese Stadt an.
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Die Stadt kann so einige Partnerschaften vorweisen. Unter Anderem mit Plochingen:
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Und es scheint nicht so übel zu sein, wenn man sich die Häuser so anschaut...
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Und hier gibt es auch einen netten Platz:
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Es geht dann so weiter durch die Gegend...
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Alles in allem eine typisch ungarische Kleinstadt.
Die Rückfahrt war ereignislos, in Tatabánya ließ man uns auch über die Hauptgleise rausgehen.
Also die Gleise, wo die ganzen Züge zwischen Wien und Budapest rollen, die Gleise, die einer bedeutenden Magistrale angehören, wo man ja extra ausgebaut hat und so. Da läuft man als Gruppe von Fahrgästen einfach entspannt rüber. Ich muss zugeben, ich habe keine größeren Schwierigkeiten verspürt, mich in solchen Dingen anzupassen. Ich müsste nur die komplizierte Sprache lernen und könnte mich schnell assimilieren, schätze ich.
Das wäre dann das vorletzte Kapitel. Im letzten Kapitel geht es an die Heimreise. Und vielleicht noch mit paar abschließenden Gedanken.
Bis dahin, Köszönöm für's Lesen <3
--
Umwege erweitern die Ortskenntnis ~ Kurt Tucholsky
gesamter Thread:
- Mein Abenteuer in Tatabánya - Einleitung -
J-C,
19.08.2021, 18:45
- Köszönöm
-
ktmb,
19.08.2021, 19:42
- Kapitel 1: Auf Zeitreise nach Ungarn (m.16 B.) - J-C, 19.08.2021, 20:58
- Kapitel 2: Erste Erkundungen in der Stadt (m.20 B.) -
J-C,
19.08.2021, 22:23
- Kapitel 2: Erste Erkundungen in der Stadt (m.20 B.) -
Altmann,
20.08.2021, 09:43
- Kapitel 2: Erste Erkundungen in der Stadt (m.20 B.) -
J-C,
20.08.2021, 12:45
- Kapitel 2: Erste Erkundungen in der Stadt (m.20 B.) -
Altmann,
20.08.2021, 13:06
- Kapitel 2: Erste Erkundungen in der Stadt (m.20 B.) -
J-C,
20.08.2021, 13:45
- Basel Bad ist auch Abgrundtief hässlich -
Höllentalbahn,
20.08.2021, 19:54
- Bei Kelenföld ist der Teil der Metro 4 sehr annehmbar :) - J-C, 20.08.2021, 21:14
- Basel Bad ist auch Abgrundtief hässlich -
Höllentalbahn,
20.08.2021, 19:54
- Kapitel 2: Erste Erkundungen in der Stadt (m.20 B.) -
J-C,
20.08.2021, 13:45
- Kapitel 2: Erste Erkundungen in der Stadt (m.20 B.) -
Altmann,
20.08.2021, 13:06
- Kapitel 2: Erste Erkundungen in der Stadt (m.20 B.) -
J-C,
20.08.2021, 12:45
- Kapitel 2: Erste Erkundungen in der Stadt (m.20 B.) -
Altmann,
20.08.2021, 09:43
- Kapitel 3: Hoch hinaus zum Turul, runter zum Planen -
J-C,
20.08.2021, 13:35
- Wie die Ungarn in ihr Land kamen -
JanZ,
20.08.2021, 14:19
- Das kann auch sein. - J-C, 20.08.2021, 14:48
- Wie die Ungarn in ihr Land kamen -
Sören Heise,
20.08.2021, 16:26
- Wie die Ungarn in ihr Land kamen -
J-C,
20.08.2021, 16:45
- Wie die Ungarn in ihr Land kamen - Sören Heise, 20.08.2021, 17:10
- Wie die Ungarn in ihr Land kamen - JanZ, 22.08.2021, 15:08
- Wie die Ungarn in ihr Land kamen -
J-C,
20.08.2021, 16:45
- Wie die Ungarn in ihr Land kamen -
JanZ,
20.08.2021, 14:19
- Kapitel 4: Ein Besuch im Minenmuseum und anderes (m.23 B.) -
J-C,
20.08.2021, 14:44
- Kapitel 4: Ein Besuch im Minenmuseum und anderes (m.23 B.) -
Alibizugpaar,
20.08.2021, 15:46
- Kapitel 4: Ein Besuch im Minenmuseum und anderes (m.23 B.) - JanZ, 11.09.2021, 11:21
- Kapitel 4: Ein Besuch im Minenmuseum und anderes (m.23 B.) -
Alibizugpaar,
20.08.2021, 15:46
- Kapitel 5 - ein Besuch in Tata (m.31 B.) -
J-C,
21.08.2021, 16:38
- Danke für den schönen Reisebericht! - Höllentalbahn, 21.08.2021, 22:01
- Koreanisch/chinesisch? -
semifaketrain,
11.09.2021, 14:44
- Stimmt, ich Dödel :'D Ist aus Korea, nicht China - J-C, 11.09.2021, 15:09
- Kapitel 6 - Budapest und Oroszlany (m. 36 B.) - J-C, 10.09.2021, 20:54
- Kapitel 7 - Abschied und Abreise - fin (m.9 B.) - J-C, 12.09.2021, 14:17
- Köszönöm
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