Kapitel 3/3: Verrückter Plan ;-) Schweizer Käse (Reiseberichte)

Krümelmonster @, München, Samstag, 16.05.2020, 19:47 (vor 19 Tagen) @ Krümelmonster

Nun war also schon der letzte Tag meiner Reise. Ich nahm zunächst um halb acht den morgendlichen, aber trotz Sonntag & Feiertag und Mistwetter nicht gerade leeren IC1, der nonstop 56 min bis Zürich brauchen sollte. Die Ankunft war sogar mit – 3. Dann brachte meinen Koffer unter. Die Gepäckschließfächer waren schlecht ausgeschildert, sie sind im Zwischengeschoss – es gibt auch Rolltreppen, aber die lassen das Zwischengeschoss aus und fahren gleich ins Untergeschoss. Wie in Genf kostete es 9 CHF, zahlbar auch mit Kreditkarte. Von Himmel kam ein deprimierender Mix aus Nebel und Schneeregen. Nichts wie weg hier! Ich nahm die leere Dosto-S9 Richtung Schaffhausen, die auf über 8 km Länge deutsches Gebiet durchquert und dabei an zwei mächtig schweizerisch aussehenden Bahnhöfen hält, man hat dort sogar durchgehend Schweizer Netz. Nach 50 min war ich in Neuhausen am Rheinfall.
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168 Zürcher Unterwelt
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169 Zürcher Linienplan
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170 – 171 Auch wenn es so aussieht, dieser Bahnhof liegt nicht in der Schweiz ;-)
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172 So ein Zug war es
Kurz vor dem Bahnhof bot sich bereits aus dem Zug ein spektakulärer Ausblick auf den Wasserfall. Das Wetter war immerhin etwas besser als in Zürich, aber immer noch Mistwetter. Wenigstens war dadurch nicht viel los.^^ Eigentlich wollte ich mit dem Schiffchen übersetzen, sah aber keines in Betrieb. Ich probierte auf der nördlichen Seite alle möglichen Perspektiven, wobei ich ziemlich weit hinauf kraxelte. Den besten Blick scheint man tatsächlich von der Bahnstrecke aus dem fahrenden Zug heraus zu haben: hoch gelegen, direkte Sicht, keine Bäume dazwischen. Fahren dort Züge, deren Fenster man öffnen kann?^^ Anschließend umrundete ich den Rheinfall. Ausgerechnet die Seite der Brücke, von der aus man den Wasserfall hätte sehen können, war mangels Winterdienst gesperrt, die Überquerung war nur auf der Seite ohne Aussicht möglich – da hat sich jemand in der Verwaltung so richtig Gedanken gemacht… -.- Ich wollte den Wasserfall noch von der südlichen Seite betrachten, aber dort standen überall Drehkreuze, die 5 CHF Bakschisch wollten – das sah ich nicht ein, so einen beträchtlichen Betrag zu zahlen, um einem Fluss bzw. Wasserfall näher zu kommen, den man auch von der anderen Seite sehen kann. Zumal keine offensichtlich aufwändige Instandhaltung nötig war, die den Preis rechtfertigen würde.
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173 Rheinfall aus dem fahrenden Zug
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174 Rheinfall von unten
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175 – 176 Rheinfall mit Zügli
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177 Hier ist die Sicht gut
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178 – 179 Einer der besten Aussichtspunkte auf den Rheinfall liegt an der Bahnstrecke
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180 – 181 Rheinfall von oben
Da ich den Wasserfall auch mal von der Brücke von oben sehen wollte, fuhr ich nach ca. 1,5 h Aufenthalt mit der S 33 vom Schloss Laufen eine Station nach Neuhausen (Stadtbahnhof, nicht der am Rheinfall). Die Fahrt dauerte planmäßig 4 min, tatsächlich aber nur halb so lange.^^ In Neuhausen wartete ich eine Viertelstunde, dann fuhr ich mit der S 12 Richtung Brugg zurück. In Gegenrichtung dauerte es bis zum Schloss Laufen nur eine Minute, das hat auch ausgereicht.^^ Der Blick von oben auf den Wasserfall war nicht so spektakulär. Die S 12 fuhr mit mir an Bord weiter über Winterthur und ab Dietlikon durch die Tunnelstrecke nach Zürich. Auch in der S-Bahn Zürich ist die 1. Klasse im Weg, wenn man aufs WC möchte.^^ Ich fuhr wieder nach Zürich, um meinen Koffer abzuholen, weil es in Schaffhausen keine Gepäckaufbewahrung gab. -.- Gut, dass man bei Interrail nicht jede einzelne Strecke zahlt.^^
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182 Zügli
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183 Meiner!
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184 Neuhausen am Rheinfall
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185 Blick von der Bahnbrücke auf den Rheinfall
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186 Direkt neben dem Zürcher Hbf. (<-- sorry, musste sein :p) befindet sich das Helvetische Nationalmuseum
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187 Hochwertiger internationaler Fernverkehr
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188 Neu, alt & neu
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189 :-O
Kurz nach halb zwei, nach nochmal einer knappen Stunde Wartezeit in Zürich, nahm ich den IC nach Singen. Der fuhr nonstop nach Schaffhausen schon mit schlechter Auslastung, danach waren nur noch 5 Leute in meinem Wagen. Nun hatte ich es zum dritten Mal an diesem Tag geschafft, der Schweiz zu entrinnen – diesmal war es auch von Dauer.^^ Der Zug überquerte die Grenze und blieb erstmal stehen. :D Die Ankunft in Singen war schließlich mit + 1, der beworbene direkte Übergang binnen 5 min war von Gleis 5 zu Gleis 1. -.- Ich habe es gerade so geschafft, aber mit Gepäck ist solch eine Verbindung in 20 Jahren auch für mich nicht mehr nutzbar (oh Gott, das klingt jetzt so, als wäre ich voll alt :D). Von Singen fuhr ich gut 2 h im IC2 nach Stuggi. Der zunächst leere Zug füllte sich im Laufe der Fahrt beträchtlich, es war Sonntagnachmittag und Ende der Weihnachtsurlaube sämtlicher Arbeitnehmer. ;-) Selbst im letzten Licht des Tages von der Panoramastrecke beschaut ist Stuttgart nicht schön. :p
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190 Meins
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191 Ausfahrt aus Zürich-HB
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192 Blick von der Rheinbrücke Richtung Westen…
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193 …oder Richtung Osten
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194 An der Gäubahn
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195 Spätzle City
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196 Der IC2 hat die Fahrt problemlos gemeistert
Am dem Weg schon erkundigte ich mich, wo ich in Stuttgart gscheid Döner essen konnte. Das Ergebnis war zwar keine Enttäuschung, mit Berlin natürlich nicht vergleichbar, aber für Süddeutschland schon ganz gut.^^ Für die Weiterfahrt wartete ich extra auf einen Zug aus NRW, denn ich dachte, was über die KRM fährt, ist ja kein 4er (mit Ausnahme von 3 Zugpaaren am Tag). Und was passierte: es kam genau einer der drei verdammten Züge… Grrrrr! Da ich aber nach dem komischen Bett in Bern eh schon von Tag zu Tag noch müder geworden war und bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nicht noch länger warten wollte, stieg ich halt ein. Wenigstens hatte ich einen freien Doppelplatz, deshalb ging’s fast. Der Sitzabstand ist halt echt nicht schön: Ich versuchte, am Laptop meine Bahn-Statistik zu komplettieren. Wenn ich den Laptop am Tisch meines Vordersitzes hatte, funktionierte es nicht, der war ja viel zu nah dran an mir. Wenn ich ihn am Tisch daneben hatte, funktionierte es logischerweise auch nicht, das war dann natürlich viel zu schräg… Eines können die SBB ja wirklich besser: Englisch. :-/ Auf dem ganzen Weg von Stuttgart nach München sah ich kein einziges Mal DB-Personal. Das war mir auch ganz recht, denn Interrail gilt im eigenen Land nur von einem ausgewählten Ort zur Grenze, zu einem Flughafen oder zu einem Hafen – das liest sich für mich so, als wären keine Umwege erlaubt. Und Schaffhausen – Stuttgart – München kann man durchaus als Umweg bezeichnen. Ich bezweifle, dass mein Argument „Auf der Gäubahn bin ich halt noch nie langgegurkt“ den ICE-Zub beeindruckt hätte.^^ Zwar war ob der starken Schneefälle im Allgäu mittlerweile alles gesperrt (da war kein Durchkommen mehr, wegen der widrigen Straßenverhältnisse auch kein SEV möglich, einziger Weg wäre von Lindau via Ulm gewesen, genau das hat der Zürich-EC auch gemacht), aber der schnellste Weg ab Schaffhausen/Singen wäre im IRE nach Ulm gewesen. ;-)
Ich war froh, als die Kiste endlich pünktlich endlich München erreichte.
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197 Meine erste warme Mahlzeit seit Marrakesch^^
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198 Der Mumpsbacke entstiegen


Am Ende noch ein wenig Statistik für die Fahrten von Berlin bis München, ohne Tram. Der erste Teil bis Marrakesch war ja geprägt von hohen Geschwindigkeiten, der zweite Teil in der Schweiz von kurzen Fahrten. Insgesamt waren es 50 Fahrten.
Dabei legte ich 5.806 km zurück, d. h. mehr als die Hälfte der gesamten Strecke wurde in den ersten beiden Tagen absolviert. :-O Davon waren 1.164 km auf deutschem Boden, 1.152 km in Frankreich, 1.233 km in Spanien, 596 km in Marokko, 238 km in Italien und 1.423 km in der Schweiz. Nur 25 % der km waren in der Schweiz, allerdings 41 % der Fahrzeit. ;-)
Gedauert hat das ganze Spektakel 61:27 h, davon 4:58 h für Zwischenhalte. Das macht eine durchschnittliche Dauer von 1:13 h pro Fahrt. Diese kurze Dauer kommt durch die vielen kurzen Fahrten in der Schweiz (v. a. an den letzten beiden Tagen) zustande. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 103 km/h. In der Schweiz hingegen waren es nur 62 km/h. :D
Die kürzeste Fahrt dauerte planmäßig 4 min (tatsächlich nur die Hälfte davon^^) vom Schloss Laufen nach Neuhausen. Am längsten war die Fahrt von Perpignan nach Madrid mit 6:08 h.
23 min Abfahrtsverspätung standen 62 min Ankunftsverspätung gegenüber, jeweils minutengenau und Verfrühungen gegengerechnet. Nur vier Ankünfte waren um min. 5 min verspätet (davon die Hälfte in der Schweiz :p), das macht exzellente 92 % Pünktlichkeit!
Inkl. aller Zuschläge komme ich auf einen Preis von 6,2 ct/km, was merklich über meinem Durchschnitt liegt. Obwohl ich in der Schweiz nicht einmal Reservierungsgebühren gezahlt habe, lag dort der Wert durch die beiden teuren Panoramastrecken gleich bei 10,6 km/km.


Soweit also für heute.
Dann schon mal bis zur nächsten Reise. ;-)

Es grüßt
Das Krümelmonster

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Meine Reiseberichte, die vor Mai 2020 veröffentlicht wurden, am besten in Firefox oder Edge öffnen - dort sollten keine Bilder auf der Seite liegen ;-)


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