Kapitel 3/3: Verrückter Plan ;-) Schweizer Käse (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Samstag, 16.05.2020, 19:46 (vor 195 Tagen) @ Krümelmonster

Am nächsten Morgen fuhr ich etwas später los, sodass ich wenigstens das gute Frühstück im Hotel nutzen konnte. Der anvisierte IC halb neun nach Interlaken entpuppte sich als ICE1. :-) Das WLAN funktionierte nicht. Soll es in der Schweiz überhaupt funktionieren?^^ Bald kam ich auf die Idee, dass der Speisewagen doch deutsche Preise haben müsste. Er hatte sogar DB-Personal, das danach wahrscheinlich noch die Schicht nach Berlin fahren durfte (Plan-Ankunft 19:40 Uhr). Der Zug war 7:30 in Basel gestartet – mit denen möchte ich nicht die Schichten tauschen. Bei Kartenzahlung wären CHF-Preise zur Anwendung gekommen, Barzahlung war in € möglich. Ich kaufte gleich vier Doppelsandwiches. Für deutsche Verhältnisse waren sie ziemlich teuer, 4,00 € für ein Stück, das bei Coop 4,50 CHF kostete. Ich wusste nicht, dass der Kurs aktuell bei 1:1,13 lag (hatte auch schon mal 1:1,03 erlebt), von daher hat es sich monetär nicht einmal gelobt. Aber: die deutschen Sandwiches schmeckten nicht, weshalb ich sie nicht so schnell aufaß, weshalb ich nicht so schnell neues Essen kaufen musste – also letztlich doch gespart. ;-) Die Fahrt ging zunächst wieder mit 160 Sachen auf die Berge zu, ab Thun nur noch mit 90, ab Spiez mit 70 – 80 km/h direkt am Ufer des Thunersees entlang – diese Strecke kannte ich auch schon von 2017 bzw. bis Spiez sogar vom Vortag, schön war es natürlich trotzdem.
Südlich von Interlaken hingegen war ich 2017 nicht unterwegs gewesen, die Gegend reizte mich noch! Das Jungfraujoch ist natürlich schon verlockend, ich war sogar bereit, den Fahrpreis zu bezahlen. Da oben kann es aber wirklich arschkalt werden, wie kalt genau wusste ich ja fast zwei Wochen vorher bei meiner Abfahrt nach Berlin nicht. Ich hätte alle möglichen Sachen plus Yak-Fell einpacken müssen und von Berlin nach Marrakesch schleppen müssen und anschließend im Flieger nach Turin bringen. Deshalb beschloss ich, aufs Jungfraujoch fahre ich mal, wenn ich eine kürzere Anreise habe und v. a. nicht fliegen muss. ;-) In Interlaken Ost gab es einen 7-min-Anschluss zur BOB (hier heißt sie Berner Oberland-Bahn), die zunächst relativ flott (70 km/h ist gar nicht schlecht für Schmalspur) Richtung Süden fuhr. Aber auch ein oder zwei Zahnstangenabschnitte lagen auf dem 20-minütigen Weg bis Lauterbrunnen.
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73 – 74 Hübscher IC^^
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75 – 76 Ob im Thunersee auch Thunfische leben?
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77 Pause gefällig? :-)
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78 Teure Häuser in Interlaken
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79 DB Fernverkehr, wie Es leibt und lebt -.-
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80 Tschüß, IC!
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81 Dieses Teil bringt mich wieder in die Berge
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82 Zur groben Orientierung
Ich hätte gedacht, dass sich alle Fahrgäste auf die Bahn Richtung Jungfraujoch stürzen würden. Das taten auch die Touris. Aber Massen an Schweizern schoben sich mit mir zur Seilbahn. Früher gab es eine Standseilbahn, die Trasse verlief aber auf arg erdrutschgefährdetem Gebiet. Da die Instandhaltungsarbeiten immer umfangreicher wurden und die Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden konnte, entschloss man sich, stattdessen eine Luftseilbahn zu bauen. Diese wurde 2006 fertiggestellt. Die Gondel fasst 100 Personen, das war heute auch wirklich nötig! Man musste vorm Drehkreuz anstehen, so gab es wenigstens keinen unfairen Krieg gegen die Skischuh-Träger. Statt dem Drehkreuz zeigte ich meine am SBB-Schalter gekaufte Fahrkarte dem Menschen (mit Interrail gibt’s südlich von Interlaken übrigens nur 25 % Rabatt). Während der 13 min Umsteigezeit konnten gerade so alle in die Gondel gequetscht werden. Die Fahrzeit nach oben betrug unangenehme 4 min, fast 500 m Höhenunterschied. Um oben die Massen in die BLM direkt daneben zu verfrachten, waren nur 2 min vorgesehen, was natürlich nicht ausreichte. Hier ging es nicht so brutal kriegerisch zu wie am Gornergrat, hier war es ja auch nicht so teuer. :p Ich ergatterte einen Fensterplatz vorwärts an der Aussichtsseite. Weite Teile der Fahrt fotografierte ich durchs Klappfenster die tolle Aussicht auf Männlichen und auf das Massiv mit Jungfrau, Eiger und Mönch. Lokführer bei der BLM (Bergbahn Lauterbrunnen – Mürren, auch wenn ein Teil davon mittlerweile eine Luftseilbahn ist^^) muss doch auch unfassbar langweilig sein: man fährt immer nur hin und her, die Strecke misst nicht ganz 4,3 km und dauert 13 – 14 min. Und beim 100. Mal ist das Panorama auch nicht mehr so eindrucksvoll, erst recht nicht wenn man dort aufgewachsen ist. Mit max. 30 km/h erlebt man auch nicht gerade Geschwindigkeitsrausch.^^ Von der Bergstation der Seilbahn krabbelte das Zügli weitere 150 m bergauf. An der Mittelstation Winteregg leerte sich der hoffnungslos überfüllte Zug deutlich, sodass wenigstens jeder einen Sitzplatz hatte.
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83 – 84 Schweizer und Schwaben sollen zwar ähnlich ticken, aber die Schweizer rasten nicht nur dann völlig aus, wenn was umsonst ist ;-)
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85 – 89 Auf dem Weg nach Mürren ist das Panorama nicht von schlechten Eltern
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90 Einfahrt ins Ziel
Mürren gefiel mir sehr gut! Und allein die Tatsache, dass der Ort stinktierfrei ist, reichte dafür nicht aus, wie Zermatt sehr beweist. ;-) Das Panorama war gigantisch! Es herrschten sonnige minus 9 Grad. Eigentlich wollte ich nachmittags hierhin, da hätte ich kein Gegenlicht in Richtung des Bergpanoramas gehabt, aber der Wetterbericht beschied ab dem Nachmittag einsetzende Bewölkung, deshalb erledigte ich das sicherheitshalber lieber gleich in der Früh. Hier hatte ich wirklich zu wenig Zeit, nur eine halbe Stunde… Nach einem schnellen Rundgang ging ich wieder zum Bahnhof und sicherte mir einen guten Platz. Danach nahm rund um mich herum eine koreanische Reisegruppe Platz, das war auch interessant. :D Ich glaube, selbst diese Asiaten hatten mehr Zeit in Mürren verbracht als ich. :D Trotz der Gruppe war das Zügli rückzu nicht ganz so voll. Es bestand wieder ein 2-min-Übergang zur Seilbahn, diesmal stand ich nicht irgendwo in der Mitte, sondern ganz vorn an der Scheibe. B-) Unten blieben 15 min Wartezeit bis zur Abfahrt der BOB nach Interlaken.
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91 – 94 Das Panorama in Mürren lässt keinen Grund zum Murren
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95 Das Bahnhofsgebäude in Mürren
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96 Der Bahnsteig
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97 Schaltzentrale der Schildkröte
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98 Das Gepäck wird in Containern auf einem separaten Wagen transportiert, welche dann an der Übergangsstation von unten an die Kabinen der Seilbahn gehängt werden. Damit das einfacher geht, ist der Wagen immer an der Nordseite des Zuges angeordnet. Auf diesem Foto muss der Lokführer eben drüber gucken.
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99 Züglikreuzung im Winter-Ei
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100 – 101 Die einzige Verbindung zwischen Mürren und der Außenwelt
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102 Reste der früheren Standseilbahn
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103 Geräuschreiches Billabong
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104 Ach du grüne Neune!
Die Wengernalpbahn von der Kleinen Scheidegg (dort Anschluss zum Jungfraujoch) hatte über 10 min Verspätung, zum Glück für mich wartete die BOB den Anschluss nicht ab. 20 min später war ich wieder in Interlaken-Ost, nach einem 11-min-Anschluss fand ich mich in einem alten Bekannten von 2017 (hinter Bild 52) wieder. Leider ist der Adler flugunfähig, aber dafür schlau: Um hoch hinaus zu kommen, benutzt er seine Zähne. ;-) Es gab sogar ein Bordrestaurant in dem (besseren) Regionalzug. Mir war zwar die gesamte fast zweistündige Strecke bis Luzern bekannt, aber mit sehr gutem Eindruck. Zunächst führte die Fahrt entlang am traumhaften Brienzer See, hier soll sich JRR Tolkien seine Inspirationen geholt haben. Rund um Meiringen ist es kurz nicht so spannend, dann kraxelte mein Gefieder den ersten Zahnstangenabschnitt steil nach oben. Dahinter begann die Abfahrt mit mehreren Zahnstangenabschnitten entlang mehrerer fast schon etagenartig übereinander liegender Seen bis Luzern. Der Adler erreichte die Stadt mit – 3. In der Ecke ist ja auch der Pilatus interessant, dort hinauf fährt die steilste Zahnradbahn der Welt – aber leider nicht im Winter…
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105 – 106 Willkommen in Mittelerde!
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107 Blick auf den Lungernersee
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108 Da tut ein Ort am Ufer Lungern
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109 Oberhalb des Seeufers
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110 – 111 Zwischen dem Lungernersee und dem Sarnersee
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112 – 114 Der Sarnersee
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115 :-O
Ich drehte nochmal eine Runde durch die Stadt, der sehr positive Eindruck von 2017 hat sich bestätigt! Hier war es fast 0 Grad warm und immer noch schön sonnig. Knapp 3 h streifte ich durch die Stadt, dann fuhr ich zurück nach Bern. Um nicht denselben Weg zu nehmen wie gestern, wählte ich diesmal den RE über Wolhusen, Langnau und Konolfingen, auch wenn der 90 min statt 60 brauchte.^^ In den Bergen kam er auch „nur“ mit hoher zweistelliger Geschwindigkeit voran. Es war ein nicht mehr ganz taufrischer Lötschberger der BLS. Dort ist übrigens die 1. Klasse mittig, aber das WC in der hinteren 2. Klasse, sodass man als 2.-Klasse-Fahrgast mit einem menschlichen Bedürfnis die 1. Klasse durchqueren muss – finden die Erstklässler bestimmt super. :p Draußen sah man nichts, denn es war schon dunkel.
Abends halb sieben erreichte ich wieder Bern nach heute nur 10 h auf Berg-Pirsch. ;-)
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116 Die Kapellbrücke in Luzern
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117 Obusse nahe der Seebrücke
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118 – 119 Beim Mühlenplatz
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120 Manche Türme der ehemaligen Befestigung sind erhalten geblieben, aber ganz ehrlich: Verteidigungsanlagen mit den Namen Nölliturm & Männliturm kann man doch nicht Ernst nehmen, oder? ;-)
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121 Aussicht von der Reussbrücke
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122 – 125 In der Altstadt
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126 Die Kapellbrücke aus der anderen Richtung
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127 Von der Kapellbrücke aus fotografiert
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128 Der Rigi

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Meine Reiseberichte, die vor Mai 2020 veröffentlicht wurden, am besten in Firefox oder Edge öffnen - dort sollten keine Bilder auf der Seite liegen ;-)


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