Kapitel 3/3: Verrückter Plan ;-) Schweizer Käse (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Samstag, 16.05.2020, 19:46 (vor 195 Tagen) @ Krümelmonster

Am nächsten Morgen, mittlerweile war es Samstag, der 05.01., hatte sich das Wetter grundlegend geändert, nun war alles grau in grau. Wenn ich schon in Bern übernachtete, wollte ich mir auch die schöne Altstadt ansehen. Bisher hatte ich ja noch gar nichts gesehen außer den 5 min Weg zum Bahnhof (und auch die nur einmal bei Tageslicht^^). Just als ich losging, begann es kräftig zu schneien. Es waren übrigens genau die Schneefälle, die damals binnen kurzer Zeit weite Teile des österreichischen Schienennetzes lahmlegten.^^ Mit minus 3 Grad war es nicht allzu kalt, aber die Sicht war schlecht. So beschaute ich bei sehr unschönem Wetter die sehr schöne Altstadt. Wer in Bern übernachtet, bekommt eine Karte, mit der man für die gesamte Zeit des Aufenthaltes inkl. An- und Abreisetag die öffentlichen Verkehrsmittel in der Stadt kostenlos nutzen kann – Übernachtungen sind dort ja eh schon teuer genug. ;-) So fuhr ich noch kurz mit der Tram umher.
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129 – 131 Gassen in der Altstadt von Bern
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132 – 133 Schweiz-Sprache für Fortgeschrittene
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134 Das Münster
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135 Hübsches Häuschen in der Nähe, sein Zweck oder Name ist mir leider nicht mehr bekannt – ich bin mir aber sicher, dass die Schweizer hier Erleuchtung bringen können ;-)
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136 Die Zytglogge (Schweiz-Sprache für „Uhrturm“)
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137 Das Stadttheater
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138 Das ehemalige Waisenhaus, heute Polizeistation
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139 Das Bundeshaus, Sitz des Parlaments. Das Gebäude links ist die Schweizer Nationalbank.
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140 – 141 Trams in der Altstadt
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142 Tram mit Münster
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143 Blick von der Aarebrücke links aufs Bundeshaus…
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144 …oder rechts aufs Münster
Um die Zeit in Museen zu verbringen, war mir das Interrail dann aber doch zu teuer, also wollte ich wieder zügig unterwegs sein. Dann werde ich mal weiter Weltbilder zerstören: neben einem völlig beschmierten Zug sah ich einen IC 1 (St. Gallen – Genf) mit unbestimmter Verspätung wegen einer technischen Störung am Zug. :-O Ihm gelang die Wiederauferstehung, und er konnte mit + 19 weiterfahren, allerdings nur bis zur Laus namens Anne. DB Fernverkehr würde bloß trocken antworten: „Willkommen in meinem Leben“. Mein IR um 11 Uhr war auch mit + 3 angekündigt, es waren letztlich + 4, die er in den 20 min Fahrzeit bis Freiburg sogar auf + 5 steigern konnte – yäääääy, noch eine Schweizer Verspätung. :p Just Sprachgrenze things: Eine ca. 7-Jährige im Zug redete mit ihrer Mutter abwechselnd Schwiizertüütsch und Französisch. :D Mit überwiegend 110 km/h und für die Hauptstrecke des Landes nicht allzu schnell, aber offenbar ITF-konform, ratterte mein Zug bis Fribourg, wo Schilder & Ansagen auf DE & FR waren, obwohl die Stadt offiziell nicht zweisprachig ist.
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145 – 146 The end is near…
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147 Hier geht es bisweilen ziemlich international zu
Weiter fuhr ich durch die Romandie, den französischsprachigen Landesteil, in einem Domino auf der Linie S30. Die S-Bahnen in der Schweiz fahren über Land und sind eher mit denen in Österreich vergleichbar, kaum mit den deutschen. Während der knapp einstündigen Fahrt mit 11 Zwischenhalten arbeitete sich der Zug mit 80 bis 120 km/h zeitweise entlang des Seeufers voran bis Yverdon. Dort hatte ich einen äußerst knappen 3-min-Umstieg, musste durch die Unterführung und am Bahnhofsgebäude vorbei aufs Stumpfgleis – ohne die + 1 bei Abfahrt hätte das wahrscheinlich nicht geklappt. Und das war ein offizieller Umstieg! Nun fuhr ich im Kurz-GTW der Gesellschaft Travys zunächst am Fuße der Jura entlang. Ich hatte gehofft, in den Bergen wäre ich vielleicht über dem Nebel, aber bei Hochnebel war das auch kein wirklich brauchbarer Plan. Jetzt wollte ich das aber auch durchziehen. :D Der Zug war kaum belegt, v. a. hinter Baulmes, dem Hauptort an der Strecke. Wimre waren alle anderen Stationen Bedarfshalte.^^ Zwischen Baulmes und Ste.-Croix gab es keinerlei Besiedlung entlang der Strecke.^^ Normalerweise hat man hier bestimmt eine schöne Sicht übers Mittelland auf die Alpen. -.- In Ste.-Croix hatte ich eine halbe Stunde Wartezeit, das war noch das Minimum, denn das Postauto fährt wahrlich nicht oft. Immerhin war das Bahnhofsgebäude beheizt.
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148 Urgestein namens Domino
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149 Jura-Panorama
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150 Schneepflug in Kriegsbemalung
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151 – 152 Alpen-Panorama
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153 In Ste.-Croix
Ich fragte die Fahrerin des Postautos, ob mein Interrail hier gilt, sie schaute es sich interessiert an. Ich fügte hinzu, für Züge gelte es normalerweise, da antwortete sie: „C’est valide, normalement, oui.“ Auch diese Fahrt dauerte eine halbe Stunde. Sie führte bei nach wie vor deprimierendem Wetter über kurvige Straßen und einen Pass auf über 1000 m Höhe. Zunächst war ich allein mit der Fahrerin, in La Côte-aux-Fées stiegen zwei weitere Fahrgäste zu. Was genau dem Ort zu seinem Namen „Feenhang“ verhilft, konnte ich bei dem schlechten Wetter nicht feststellen.^^ Mit dieser Fahrt hatte ich alle Kantone der Schweiz wenigstens befahren. B-) In Nidwalden, Glarus & Aargau bin ich bislang nur ohne Zwischenhalt durchgefahren, in 18 Kantonen bin ich wenigstens umgestiegen, in 13 Kantonen habe ich mir etwas außerhalb der Bahnhöfe angesehen. ;-) (in Uri hat es die MGB ja mittels Verspätung verhindert).
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154 Aus dem dichten Takt…
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155 …resultiert eine dichte Belegung
Nach knappem Anschluss in Buttes fuhr ich mit dem nächsten Domino eine Dreiviertelstunde nach Neuenburg. Die Strecke war zunächst unspektakulär, doch hinter Travers verlief sie entlang einer engen Schlucht der Areuse quasi auf halber Höhe. Viele Tunnels sowie das schlechte Wetter verhinderten leider jegliche brauchbare Fotos. Das letzte Stück fuhr der Domino dann entlang des Neuenburgersees. Kurz vor der Endstation gab es eine Sicht auf das imposante Schloss.
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156 Postauto am Ziel
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157 Domino am Start
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158 Das monumentale Schloss Neuenburg in der gleichnamigen Kantonshauptstadt
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159 Der Neuenburgersee ist halb so groß wie der Bodensee und der größte See vollständig innerhalb der Schweiz. Dahinter das eindrucksvolle Panorama der Alpen. -.-
Der entspannte 11-min-Umstieg in Neuenburg war der längste seit Freiburg (bzw. Ste.-Croix).^^ Es kam ein alter Zug der BLS mit mächtiger Lok und ziemlich abgegrabbelten Wagen. Ein Nieser bewahrte mich vor der Fahrkartenkontrolle, der Kontrolleur kam aber auch nicht wieder.^^ Die Lok bretterte rasant mit 100 – 110 km/h hinauf mit Sicht auf den See, in Chambrelien wurde binnen 2 min die Fahrtrichtung gewechselt. Nicht weniger rasant ging es noch weiter bergauf, zwischen den vielen Tunnels hätte man bestimmt auch eine schöne Aussicht. Schließlich war La Chaux-de-Fonds erreicht, mit weniger als 40.000 EW schon die viertgrößte Stadt der Romandie (und die drittgrößte Stadt ist offiziell zweisprachig). Dort gab es wieder einen sehr knappen 5-min-Umstieg von einem der höchsten Gleise zu Gleis 1. Mit 1:18 h folgte die längste Fahrt heute.^^ Das Fahrzeug der CJ (Chemin de fer du Jura) war das gleiche wie in Appenzell, und auch hier fuhr es innerorts mitten auf der Straße.^^ Anschließend ging es aber wirklich durch die tiefste Suppe. Wenigstens hatte ich so mal Zeit für meinen Erreichbarkeitsknochen, der meckerte, die Speicherkarte sei voll, und ließ mich inzwischen überhaupt nicht mehr fotografieren. In Le Noirmont gab es einen Halt zur Anschlussaufnahme, in Saignelégier 12 min Standzeit, sonst nur 0-min-Halte, größtenteils Bedarfshalte. Hinter Saignelégier ging es bergab, die Sicht wurde besser, die Landschaft sah durchaus schön aus, doch nun wurde es dunkel. -.- Auch am am Spitzkehrenbahnhof Combe-Tabeillon waren 0 min Aufenthalt vorgesehen trotz Kopfmachen ohne Tf-Wechsel – gut, den ganzen Tag die planmäßig 10 min lange Strecke zwischen Combe-Tabeillon und der Endstation Glovelier hin- und herfahren wäre halt auch eine extrem unspannende Schicht. :D Weiterfahrt in Combe-Tabeillon war mit + 3, Ankunft in Glovelier mit – 2. Um Puffer zu schaffen, hatte man die Fahrzeit also einfach mal verdoppelt. :D
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160 Dieser Zug hatte mich aus Neuenburg hierhin gebracht
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161 Weiter geht’s damit
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162 Süß^^
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163 – 164 Genau wie im Appenzeller Land ;-)
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165 Überraschung: Auch in den Bergen war Nebel. :D
In Glovelier erwartete mich noch ein 5-min-Anschluss. Nun fuhr ich mit einem Flirt der S-Bahn Basel nur eine knappe Viertelstunde bis Delsberg mit. Dort gab es schon wieder einen 3-min-Anschluss, von Gleis 1 auf Gleis 3, also um die Treppe drumrum, die Treppe runter, durch die Unterführung, wieder hoch und in den Zug hechten. Währenddessen blieb Gleis 2, das einen bahnsteiggleichen Übergang geboten hätte, leer. Die Schweiz will mich doch gängeln! Von Delsberg fuhr ich in der Grinsebacke ICN eine knappe halbe Stunde nach Biel und erlebte die erste Fahrkartenkontrolle des heutigen Tages – solch eine Nachlässigkeit in der gründlichen Schweiz! :-O Ab Biel ging es weiter im „Deutsch“-sprachigen Gebiet im KISS ebenfalls eine knappe halbe Stunde zurück nach Bern. Bereits viertel vor sieben abends kam ich dort an und fuhr noch einfach so mit dem Obus nach Wankdorf und mit der Tram zurück.^^
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166 Treffen der Grinsebacken
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167 Obus

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Meine Reiseberichte, die vor Mai 2020 veröffentlicht wurden, am besten in Firefox oder Edge öffnen - dort sollten keine Bilder auf der Seite liegen ;-)


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