[6MGA] Sammelantwort - Teil 1 (Reiseberichte)

Twindexx @, St. Gallen (CH), Sonntag, 29.03.2020, 01:31 (vor 103 Tagen) @ Math5D

Hoi,

Ich arbeite mal noch deinen letzten Teile auf. Bin irgendwie nicht dazu gekommen.

Teil 06:

Die Albula-IR fahren planmäßig mit einer solchen Lok und einem 7-teiligen Albula-Gliederzug. Heute ist zwischen diesen noch ein normaler Wagen eingebaut, aber für eine Gruppe reserviert.

Das Konzept der Alvra-Gliederzüge für die Albula-Schnellzüge (die seit Einführung der Alvra nicht mehr als RE, sondern als IR verkehren), ist extra so gewählt worden, dass Zusatzwagen zwischen Lok und Gliederzug eingereiht werden können. Die Zusatzwagen müssen allerdings alle für die Druckluftbremse umgerüstet sein. Sonst bei der RhB war bisher die Vakuumbremse üblich.

Erfreulicherweise wurden auch die Gourmino-Speisewagen pendelzugtauglich umgebaut, sodass sie in einer gestossenen Komposition eingereiht werden können. Bevor ich nun mit deinem Bericht weitermache, folgt hier nun erstmal ein kleiner Einschub von mir.

---

Am Freitag, 06. März 2020, führte mich meine Heimreise aus dem Bündnerland nach St. Gallen unter anderem über die Albula-Linie. Dabei war der Gourmino-Speisewagen fest eingeplant. Einer der wenigen Speisewägen, in denen noch im Zug frisch gekocht wird. Das ist ein Nebenprodukt des Glacier Express, denn in den GEx gehört dies zum Service dazu. Aus diesem Grund fährt ausserhalb der Wintersaison auch nur ein Zugspaar am Albula mit dem Gourmino, da dann mehr GEx verkehren und die Köche dort im Einsatz stehen.

Hier der Alvra-Gliederzug während der üppigen Wendezeit in St. Moritz (später soll hier mal noch die Kurzwende eingeführt werden, dazu muss aber der neue Albulatunnel und die Doppelspur Samedan-Bever erst fertig gestellt werden):

[image]

[image]

Nun kommen wir zum schönen Gourmino-Speisewagen, der wie die anderen Zusatzwagen immer zwischen Lok und Alvra eingereiht wird:

[image]

Das Ambiente im inneren des Wagens machen die zwei Stunden bis Chur zum einen sehr angenehmen Erlebnis:

[image]

Kommen wir nun zum an jenem Tag angebotenen Tagesmenü, für ein im Zug frisch gekochtes Menü ist der Preis allemal in Ordnung:

[image]

Ich habe gleich das Vier-Gang-Menü geordert, allerdings habe ich die Suppe durch eine klassische Bündner Gerstensuppe getauscht, diese wurde mir dann auch als erster Gang serviert:

[image]

Bei der Durchfahrt durch den Albula-Tunnel kommt das Ambiente mit dem gedämpften indirekten Licht nochmals anders zur Geltung:

[image]

Dabei wurde mir auch schon der zweite Gang serviert

[image]

Die Talfahrt ab Preda durch die verschneite Landschaft und entlang der Passstrasse, die im Winter offiziell zur Schlittelpiste wird (die RhB fährt mit halbstündlichen Schlittelzügen Bergün-Preda):

[image]

Dabei muss ich nun anmerken, dass mir vom Hauptgang nun nochmals ein zweiter voller Teller gereicht wurde! Das war wirklich eine nette Geste, die ich so praktisch nie erlebe, nicht in stationären Restaurant und erst Recht nicht in der Bahngastronomie.

Im Anschluss folgte der Käse-Gang:

[image]

Während dessen fuhr der Zug über das Landwasserviadukt:

[image]

Als vierten und letzten Gang gab es dann noch den Zwetschgenkuchen:

[image]

Dazu orderte ich noch eine heisse Schokolade (die ist dieselbe von Caillier wie bei der SBB-Tochter elvetino). Das war ein rundum tolles Erlebnis von St. Moritz bis Chur.
Hoffentlich kann man dies bald wieder erleben. Nur eine Woche später wurde schweizweit jeder Speisewagen-Service eingestellt. Statt schönen Ausflügen heisst es nun, irgendwie mit der aktuellen Realität fertig zu werden. Aus jetziger Sicht wirken meine erst drei Wochen alten Bilder wie ein Blick in eine ferne Vergangenheit.

---

Und nun wieder zurück zu deinem Bericht:

In der Abstellanlage steht ein Capricorn-Triebzug, der ab 2020 schrittweise die Züge durchs Prättigau ersetzen und ab 2021 insbesondere in Klosters nach Davos und St. Moritz geflügelt werden soll. Bin ich ja mal gespannt, ob das bei der RhB besser klappt als überall sonst, oder ob auch erstmal einige typische Flügel-Kinderkrankheiten beseitigt werden müssen.

Also wirkliche Probleme bei Flügelzugkonzepten höre ich sonst meist nur aus dem Ausland. Bis auf die BLS in Spiez klappen derartige Manöver an verschiedenen Orten in der Schweiz ohne grösseres Aufsehen. Bei der BLS liegt das daran, dass sie für ihre Nina und Lötschberger eine billigere Kupplung geordert hatten, die nicht per Flügelzugkonzepte konzipiert war (sie war noch nicht mal für richtige Eisenbahn konzipiert).

Natürlich hat man immer die ein oder anderen Anlaufschwierigkeiten, aber ich sehe nicht, warum das bei der RhB nicht funktionieren sollte. Die GTW AJU machen das in Sonceboz-Sombeval ja auch ständig, sogar mit demselben Kupplungstyp. Deshalb müssen dann ab Ende Jahr die zu Thurbo gehenden GTW AJU auch durch Domino AK ersetzt werden; die automatische Kupplung wird dort für das Flügelzugkonzept gebraucht. Die SBB hatten 2012 einen Teil der Domino mit AK ausgerüstet, um das damalige Flügelzugkonzept RE Bern-Bulle/Palézieux in Romont umzusetzen (das wurde Dezember 2015 gestrichen wegen Fahrplananpassungen in Folge der Baustelle im Knoten Lausanne-Renens).

Es folgen einige Dörfer, die so ähnlich aussehen wie dieses, weshalb ich keine Ahnung mehr habe, welches das hier eigentlich ist.

Tiefencastel.

Aus Platzgründen ist diese Ausweiche direkt vor dem Bahnhof Morteratsch angebracht. Hier kreuzt ein Bernina-Express.

Wohl eher aus Kostengründen. Heute müsste man den Bahnhof mit Unterführung, behindertengerechter Rampe und behindertengerechten Perronhöhen bauen. Das sind schon nicht so kleine Kosten.
In Poschiavo hat man das auch so gemacht und vor und hinter dem Bahnhof die Strecke auf Doppelspur ausgebaut. Der Doppelspurausbau war günstiger als eine Unterführung mit behindertengerecht erschlossenem Mittelperron. Wobei es in Poschiavo tatsächlich ein Platzproblem mit dem Depot gab. Vor dem Umbau kreuzten die Züge aber bis vor kurzem noch im Bahnhof Poschiavo selbst und es gab keine Doppelspurabschnitte vor und hinter dem Bahnhof.

Bei der RhB kann man ja vor allem die Loks mit seiner Werbung anpinseln lassen, die Preise stehen hier. Dass der Allegra dort als "auf Anfrage" gelistet ist, lässt ahnen, dass der Preis wirklich fantastisch ist. Nur eine einzige Firma hat diese Leistung trotzdem in Anspruch genommen, die schweiz-schwedische ABB.

Es ist aber auch nicht klar, ob die auch den vollen Preis zahlen. ABB liefert die Trafos und Stromrichter für die Allegra und deshalb auch Ersatzteile an die RhB. Es ist gut möglich, dass da ein gesamtheitlicher Deal entstanden ist.

Gezogen von der "KOHLE"-Lok, auf der die RhB für sich selbst wirbt, und zwar indem sie um Spenden zur Instandsetzung der Nr. 1 Dampflok bittet. Weiß einer, ob der Ladebalken auf der Lok mit aufgefüllt wird? Man könnte ja kleine Rechtecke immer draufkleben, wenn ein paar Prozentpunkte des Spendenziels mehr erreicht sind.

Ja, das Spendenbarometer wird auch auf der Lok immer wieder mal aktualisiert. Ich weiss aber jetzt auch nicht, wie genau das gemacht wird und in welchen zeitlichen Abständen. Gemacht wird das aber definitiv, was auch durch diverse Bilder von der Lok belegt ist.


Teil 07:

Zoom auf die Stadt und dessen unglaublich unpraktisch gelegenen Bahnhof - vor allem die Gotthardzüge müssen hier eine 360°-Drehung machen, und dann auch noch wenden. Deshalb existieren auch Pläne, den Bahnhof umzubauen.

Der DBL (Durchgangsbahnhof Luzern) ist in der Planungsphase. Das ist ein Tiefbahnhof, der mit einem Tunnel nach Ebikon geführt wird. Aktuell hält man eine Eröffnung im Jahr 2043 für möglich. Die Planung ist im STEP 2035 enthalten und durchfinanziert, der eigentliche Bau müsste dann mit STEP 2045 beschlossen werden.
Für den Bau müssen im Kopfbahnhof zwei Gleise aufgehoben werden (je ein Meterspur- und ein Normalspurgleis). Das soll mit einer besseren Nutzung von Gleis 1 erreicht werden und bei der zb soll das Gleis ebenfalls kompensiert werden. Nach Abschluss der Bauarbeiten steht der Tiefbahnhof dann zusätzlich zur Verfügung. Das bedeutet, dass der Kopfbahnhof in dieser Form weiter betrieben wird und nicht ersetzt wird.

Die Querung des Seebeckens wird eine spezielle Herausforderung. Dafür muss dann abschnittsweise das Seebecken trockengelegt werden. Einen solchen Tunnel hat man in der Schweiz noch die gebaut. Der Eingriff ins Stadtbild während den Bauarbeiten wird aber sehr gross sein.
Wie die kürzere Strecke nach Arth-Goldau dann genutzt wird, ist noch gar nicht wirklich klar. Die Einspur entlang des Rotsees bleibt jedenfalls erhalten. Man muss ja auch das Taktknotenprinzip beachten, ob damit wirklich auf allen Relationen Fahrzeitverkürzungen möglich sind. Auf jeden Fall wird Zürich-Luzern profitieren, wie die Basel-Lugano davon profitieren kann, ist offen.

In Luzern nehem ich noch den IR70 nach Zürich und von da den IR13 bis Sargans, um mal den Rhein zwischen ebendort und dem Bodensee entlang zu fahren, den man aber auf dem Stück fast gar nicht sieht. Außerdem ist das für mich das erste Mal ein Twindexx SwissExpress (oder wie man sie auch immer aktuell nennen mag), der durchaus gemütlich ist, aber eine etwas zu kalt eingestellte Klimaanlage hat.

Die SBB nennen sie noch mit dem Arbeitstitel FV-Dosto, sollen aber später als Aquilo bezeichnet werden. Das andere ist der Herstellername. Von kalten Klimaanlagen berichteten auch andere, sollte aber wohl mittlerweile behoben sein. Ich hatte nie sowas erlebt auf meinen Fahrten, aber ich mag es normal auch eher kalt.

Im Dezember soll der IR 70 dann übrigens zum IR 40 werden und in Zürich HB mit dem IR 13 durchgebunden werden. Dann könntest du von Luzern über St. Gallen bis Chur im selben Zug ohne Umsteigen durchfahren.

Der RJX hat dann aber eh 40min Verspätung, sodass ich den 3min später fahrenden und übertrieben vollen IC3 nehme - wieder ein Twindexx, und zwar mit 8 Wagen, die offensichtlich für diese Fahrt viel zu wenige sind. Beim Zustieg stehen bereits überall Leute dicht an dicht, und locker 100 wollen noch einsteigen.

Welcher Wochentag? Seit Fahrplanwechsel sind die Umläufe etwas angepasst worden. Ab Sommer 2019 wurden die FV-Dosto schrittweise auf dem IC 3 eingeführt. Du bist wohl mit dem IC 3 578 gefahren, der Zürich HB um 17:23 Uhr erreicht? Dieser wird nun Mo-Fr mit einer IC2-Komposition geführt, also ein EWIV-Pendel. Samstag und Sonntag ist es ein FV-Dosto IC200, sonntags in Doppeltraktion mit einem IR100.
So werden Mo-Fr in der zweiten Klasse 546 Sitzplätze angeboten, Samstag 401 Plätze und am Sonntag 684 Plätze. Vor allem am Wochenende auf dem IC 3 ist die Auslastung aber auch sehr wetterabhängig. Da sollte man dann auch situativ am Samstag einen IR100 beigeben können.


Geht gleich weiter...

--
[image]

Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 3, IR 13 und IR 37:
Mehr Informationen zum SBB FV-Dosto.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum