[6MGA] Teil 10: Appenzeller Bahnen [m34B] (Reiseberichte)

Math5D, Samstag, 28.03.2020, 12:54 (vor 2186 Tagen)

Heute wird's zweistellig! Damit ist ca. 1/3 der Serie geschafft. In den vorherigen Folgen und einigen kurzen Fahrten, die in Teil 19 zusammengefasst werden, habe ich dabei bisher alle Kantone der Schweiz bereist bis auf einen: Appenzell Innerrhoden (AI). 1597 trennte sich der katholische Teil des Kantons Appenzell vom evangelischen Ausserrhoden (AR) und ist bis heute der konservativste Kanton. Bis 1990 durften dort nichtmal Frauen wählen, und danach auch nur, weil der Kanton vom Bund dazu gezwungen wurde - man könnte meinen, die Bevölkerung wäre hier teilweise noch im Mittelalter gefangen. Aber darum soll es gar nicht gehen, sondern vor allem um die Appenzeller Bahnen (AB). Die entstanden aus der Fusion unzähliger eigener Bahngesellschaften und betreiben ein Streckennetz, das wegen der geografischen Lage auch nach St. Gallen reicht und in dessen S-Bahn integriert ist. Bis auf die Bergbahn Rheineck-Walzenhausen fahre ich alle Strecken an einem Tag.
Los geht es wie immer mit der S4, dann nehme ich den IC5 durch bis Gossau SG, wo die erste Strecke der AB, die S23, nach Wasserau startet. Auf dem Bahnsteig steht eine große Rentnergruppe, die zum Glück in einen eigenen historischen Triebwagen steigt. Der Regelzug fährt direkt steil bergauf nach Herisau, wo die Voralpenexpress-Strecke gekreuzt wird.

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1 Dann geht es vorbei an der Stadt Appenzell

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2 und der Kirche in Schwende.

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3 Links raus sieht man auch den Säntis. Da AI dreigeteilt ist, gibt es sechs Dreikantonsecken mit AR und St. Gallen, von denen der gezeigte Berg an einem steht. Mit 2502m ist er auch der höchste Berg beider Appenzells.

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4 Die Strecke endet in Wasserauen. Gefahren wird sie mit Stadler Westschweizer Meterspurzügen, die hier ihr östlichstes Einsatzgebiet haben. Ansonsten werden sie von 6 Unternehmen im französischsprachigen Teil eingesetzt - Bilder von allen folgen. Ursprünglich sollte es hier teilweise mit Zahnrad, teilweise als Standseilbahn weiter auf den Säntis gehen. Da dafür aber nach dem ersten Weltkrieg kein Geld mehr da war, endet die Strecke hier mitten im Nirgendwo. In Deutschland wäre der Teil ab Appenzell längst stillgelegt worden.

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5 Zurück kommt kurz vor Appenzell hier die Strecke der S21 dazu.

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6 Zugbegegnung der S23.

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7 Die S21 wurde erst 2018 auf reinen Adhäsionsbetrieb umgestellt und in dem Zuge in St. Gallen von Appenzell bis Trogen durchgebunden. Der Ruckhaldetunnel, der den ehemaligen Zahnradabschnitt ersetzt, stellt mit 80‰ den steilsten Adhäsionsbahnabschnitt der Schweiz dar - selbst die Berninabahn kommt nur auf 70‰. Dafür gab es auch neue Fahrzeuge, die "Tango", natürlich von Stadler. Die Züge mit 8/12 Antriebsachsen sind eigentlich Straßenbahnen und werden auf der Strecke teilweise auch als solche verwendet. Der Zug im Vordergrund hier steht nur als Reserve da, der im Hintergrund fährt gleich in den Bahnhof ein und wendet.

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8 Lecker Käse!

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9 Nach ein paar Stationen wechsel ich schon wieder den Zug. In Gais führt eine Zahnradbahn nach Altstätten, auf die man 1min Umstiegszeit hat. Allerdings muss man dabei als Umsteiger das Gleis des Gegenzugs kreuzen, der natürlich direkt vor meiner Nase losfährt. Der Lokführer der als S24 bezeichneten Bahn hat mich aber gesehen und gewartet. Die S21 ist hier von rechts durch die sehr enge 180°-Kurve gekommen, wir fahren nun links erst noch ein Stück bergauf.

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10 Auch von hier ist der Säntis zu sehen.

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11 Nach ein paar hundert Metern überfahren wir den Kulminationspunkt und haben einen irren Blick ins Rheintal. Da geht es jetzt runter.

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12 Ziel der Strecke ist Altstätten SG.

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13 Für den BUe hört die Zahnschiene nach System Strub kurz auf.

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14 Enge Kurven gibt es auch hier zuhauf.

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15 Fast angekommen.

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16 Ganz unten ein Blick auf den Anfang der Zahnschiene, der in der Deutschschweiz mit A gekennzeichnet ist; das Ende sinnvollerweise mit E.

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17 An Gärten vorbei schlängelt sich neben der Bahn der Luterbach.

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18 Ein paar Spiegelungen noch,

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19 dann sind wir schon wieder oben. Keine Stunde dauert die Tal- und Bergfahrt.

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20 Da der Triebwagen. Die Strecke hat sich echt gelohnt; von allen der AB würde ich diese am meisten weiterempfehlen.

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21 Vor der 180°-Kurve kommt da mein nächster Zug der S21

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22 und da fährt er schon in den Bahnhof.

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23 Das ganze nächste Stück ist weniger spannend, erst nach St. Gallen hat man wieder einen richtig guten Blick auf die Stadt und den Bodensee.

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24 Noch ein Überblick über St. Gallen.

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25 Endstation in Trogen. Von hier fahre ich mit dem Bus nach Heiden weiter, der hinter dem Bahnhofsgebäude hält.

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26 Hier kommt er in Heiden an.

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27 Dort startet als Teil der AB die Rorschach-Heiden-Bahn (RHB), die hier noch einen älteren Triebwagen stehen hat.

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28 Die S25 fährt aber normalerweise mit diesem Einzelstück, einem GTW ohne Antriebsteil - hier ist in jedem Drehgestell eine Achse angetrieben. Ansonsten fährt der Zug auf Normalspur und System Riggenbach, wie alle vor 1880 gebauten Zahnradbahnen der Schweiz. War wohl damals Gesetz.

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29 Am Depot hängt direkt ein Bogenabzug.

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30 Kurz nach dem Fahrtbeginn kommt der Bodensee wieder in Sicht.

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31 Da ist Stadler Altenrhein.

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32 Hier sind wir schon fast unten.

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33 Das Rätselbild aus Teil 0. An dieser Stelle bleibt der Zug für ein paar Minuten stehen, obwohl der Bahnhof schon in Sicht ist. Ebenso steht neben uns ein ICN, und im Hintergrund ganz links ein Traverso - beide sollten im Normalbetrieb eigentlich nie hierhin kommen.

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34 Auf die S3 haben wir also gewartet. Nachdem die durch ist, fahren wir einmal quer über das ganze Gleisfeld. Die RHB fährt noch weiter nach Rorschach Hafen, wobei ich mich wundere, warum eigentlich. Wenn man nämlich so wie ich in Rorschach in die S7 umsteigt, erreicht man den Hafenbahnhof schneller; in der anderen Richtung ist es umgekehrt.

Die S7 bringt mich noch bis Weinfelden, von da nehme ich den IR75 nach Winterthur und die S12 nach Zürich, die den von mir bisher nicht genutzten Bahnhof Museumstraße anfährt. Zurück dann mit IC5 und S4, wo ich St-Prex um 19:25 erreiche - die seltsame Uhrzeit ergibt sich, weil auf der Strecke Lausanne-Genf gebaut wird und die meisten Züge nicht oder eben in veränderter Zeitlage fahren. Für mich ist das wunderbar, denn der Umstieg in Morges verkürzt sich dadurch auf 6 statt 26min. Abgesehen davon bin ich so früh wie lange nicht mehr zuhause und kann endlich wieder beide Tage des Wochenendes ausreichend lange schlafen. Und das trotz der 14 Umstiege, die erstmal meinen Rekord darstellen. In Deutschland lag der noch bei 12, aber da kann man so etwas wie 1min-Umstiege ja auch nicht einplanen. Außerdem sind die meisten Zugläufe in D natürlich deutlich länger.
Noch eine kleine Anekdote: Im IC5 am frühen Morgen schockt mich erstmal der Schaffner mit der Aussage, mein GA wäre laut seinem System nur noch drei Tage gültig. Den ganzen Tag mache ich mir Sorgen, ob ich vergessen habe, rechtzeitig für den nächsten Monat zu zahlen. Zuhause habe dich das dann als erstes nachgeprüft und gesehen, dass das Geld ordnungsgemäß eingegangen ist. Komisch, was da im System stand, oder ist bei einem Monats-GA immer das Ende der aktuellen Zahlungsperiode angegeben? Wenn dem so ist, müsste das aber ja eigentlich auch der Schaffner wissen.


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