Russenerlebnisse, Kap. 2: Eine der schönsten Städte der Welt (Reiseberichte)

Krümelmonster @, München, Donnerstag, 26.03.2020, 17:46 (vor 104 Tagen)

Hallo liebes Forum :-)

Kürzlich ging es ja um die Anreise nach St. Petersburg, nun geht es um die Stadt an sich und ums weitere tourische Programm in Russland.

Die gut 5-Mio.-Einwohner-Metropole gehört auf den jeden Fall zu den schönsten großen Städten, die ich kenne!

Rund um Silvester hatte ich in St. Petersburg (ohne Anreisetag) vier komplette Tage Aufenthalt. Im Winter war es morgens lange stockfinster, erst ab 9 Uhr begann es ganz zögerlich zu dämmern. 10 Uhr war Sonnenaufgang, aber allzu weit über den Horizont rückte die Sonne nicht. 16 Uhr verabschiedete sich die Sonne dann auch schon wieder, spätestens 17 Uhr war es wieder stockfinster. Die Temperaturen waren mit konstant + 1 bis + 4 Grad wahrlich nicht winterlich, auch lag kein Schnee (nur hartgetretener Eispanzer auf den nirgends geräumten Gehwegen^^). Die ganze Zeit war der Himmel bedeckt & depressiv grau (oder eben dunkel). Da mein Kumpel sich abends dauernd betrunken hat (anders erträgt man das Wetter womöglich nicht auf Dauer :D) und entsprechend tagsüber außer Gefecht war, erkundete ich meist individuell und zu Fuß die Stadt. Erst am letzten Tag, an Neujahr, schneite es, und da war ich leider nicht so fit (weniger dem Alkohol geschuldet, sondern eher einer beginnenden Erkältung :p).
Im Sommer hingegen hatten wir perfektes Wetter: strahlenden Sonnenschein und 27 Grad. Die Einheimischen meinten, solches Wetter hätten sie ca. dreimal im Jahr.^^ Diesmal waren zwei Tage Aufenthalt vorgesehen. Mitte Mai begann es erst weit nach 10 abends zu dämmern, ob es komplett dunkel wurde, kann ich nicht genau sagen. Da wir eine Flusskreuzfahrt inkl. Ausflugspaket gebucht hatten, blieb nicht so viel Zeit für Aktivitäten auf eigene Faust.

Ein paar Worte noch zur Visa-Vergabe. Ja, die ist kompliziert. Aber ein Visum zu bekommen ist keinesfalls unmöglich! Man benötigt u. a. einen aktuellen Einkommensnachweis sowie einen Nachweis über eine Auslandskrankenversicherung, in dem sieben verschiedene Punkte explizit genannt sein müssen. Die Versicherung weiß in der Regel Bescheid und schickt gleich einen Nachweis explizit für Russland-Reisende. Das alles und noch viel mehr schickt man zusammen mit seinem Reisepass an eine Agentur, die eine Einladung ausstellt (anders geht es nicht) und alles ans Konsulat weiterleitet und schließlich alles zurückschickt. Je nach Versand und Agentur ist man heute in der Regel bei 110 – 120 € für ein Touristenvisum. Bei mehrfacher Einreise oder schnellerer Bearbeitung steigt der Preis natürlich. Die Kosten sind unabhängig von der Aufenthaltszeit bis 30 Tage. Ein (kaum günstigeres) Transitvisum gibt es nur, nachdem man das Visum fürs Zielland erhalten hat – sprich wenn man z. B. über Russland nach Finnland fahren möchte, ist ein Transitvisum nicht möglich. Dementsprechend war mein 5-tägiger Aufenthalt im Winter schon ein bisschen dekadent.^^ Nach all dem Gschiss kann man sich dann aber im Land aber genauso frei bewegen wie die örtliche Zivilbevölkerung, ohne „bewacht“ zu werden (Militäreinrichtungen sollte man natürlich überall meiden ;-) ).

Ich denke, ich brauche hier gar nicht groß über die Stadt schreiben, sondern zeige am besten Bilder der schönsten Orte.
[image]
1 Spiegelung der Peter-und-Paul-Festung
[image]
2 Die Festung im letzten Abendlicht
[image]
3 Festung im Sommer
[image]
4 Blick Richtung Zoologisches Museum
[image]
[image]
5 – 6 Fast schon weiße Nächte
[image]
[image]
[image]
7 – 9 Blick auf die Newa-seitige Fassade der Eremitage
[image]
10 Der Platz vor der Eremitage tagsüber
[image]
11 Die platzseitige Fassade der Eremitage
[image]
12 Die Eremitage tagsüber
[image]
13 Admiralität im Schnee
[image]
14 Kamel im Schnee^^
[image]
15 Winterliche Lasershow an der Fassade des Gebäude des Generalstabs gegenüber der Eremitage
[image]
16 Guten Rutsch/Frohes Neues Jahr, St. Petersburg!
[image]
17 Schnee gab’s – außer am letzten Tag – leider nur an der Fassade
[image]
18 Eines der ersten Fotos des Jahres 2018 ;-)
[image]
[image]
[image]
19 – 21 Das große Feuerwerk stieg erst nachts um drei über der Newa nahe der Eremitage
[image]
22 Nachts um halb vier war die Eremitage noch beleuchtet
[image]
23 Die Kasaner Kathedrale bei Nacht, …
[image]
24 … im Schnee, …
[image]
25 … oder im Sommer.
[image]
[image]
[image]
[image]
26 – 29 Das feierlich beleuchtete Prachtboulevard Newskij Prospekt
[image]
30 Das Singer-Haus, ein Buchladen
[image]
31 Die Blutskirche im Winter
[image]
32 Oder im Sommer
[image]
[image]
[image]
33 – 35 Das prächtige Innere der Blutskirche
[image]
[image]
[image]
36 – 38 Sehr vertrauenserweckende Gegend, v a wenn man dort nachts um 1 rumlatschen darf :D
[image]
39 Manche Häuser sind so hässlich, dass sie schon wieder faszinierend sind :D
[image]
40 Die Smolny-Kathedrale an einem grauen Wintertag
[image]
41 Oder hier an einem schönen Sommertag ;-)
[image]
42 Isaakskathedrale mit Christbaum und Schnee
[image]
43 Hier hingegen im Sommer
[image]
[image]
44 – 45 Den Aufstieg habe ich mir natürlich für den Sommer aufgehoben ;-)
[image]
[image]
46 – 47 Einer der zahllosen Kanäle
[image]
48 Nikolaus-Marine-Kathedrale
[image]
49 Schloss Puschkin
[image]
[image]
50 – 51 Prächtige Inneneinrichtung

Noch ein bisschen Allgemeines zur Metro: Aufgrund der Geographie der Stadt (unzählige Inseln) liegen die Stationen unfassbar tief. An der tiefsten Station Admiraltejskaja im Zentrum erfordern 70 m Tiefe zwei getrennte Rolltreppen. Da man so lange für den Weg in die Tiefe braucht, lohnt es sich nur, wenn der Stationsabstand sehr groß ist: im Ø 1,75 km. Für innerstädtische Verkehrsmittel gilt ein Einheitspreis von günstigen 45 Rubel (damals, umgerechnet 65 ct). Man darf damit solange Metro fahren, bis man einen Bahnhof Richtung Oberfläche verlässt (was von Krimskrams-Verkäufern gern für Tagestouren genutzt wird). In Verkehrsmitteln an der Oberfläche gilt das Ticket hingegen nur bis zum ersten Umstieg. In der Metro kauft man für den Preis Jetons, mit denen man die Drehkreuze füttert, um Einlass in die Unterwelt zu erhalten. Anschließend folgt noch eine Sicherheitskontrolle (Piepser für jeden, für junge Männer mit Rucksack eigentlich immer noch eine etwas genauere Kontrolle). Kunstvolle Stationen wie in Moskau sind in Petersburg eher selten, in Petersburg findet man die Kunst eher oberirdisch. ;-) Stattdessen sieht man v a auf der Linie 3 mehrere sog. Stationen geschlossenen Typs, wo der Gleisbereich durch mächtige Türen vom Bahnsteig getrennt ist. Das erfordert, dass der Fahrer sehr genau hält bei langer Dunkelheit – für ihn sicherlich unangenehm zu fahren… Es gibt jeweils ganz vorn am Bahnsteig eine Uhr, die die Zeit seit Abfahrt des letzten Zuges anzeigt – wenn man den Takt kennt, kann man damit die Wartezeit bis zum nächsten Zug einschätzen.^^ Praktisch ist die aber kaum relevant, denn in Stoßzeiten fahren die Züge alle 90 Sekunden, die niedrigste Frequenz ist alle 4 min. Übrigens werden alle Bahnen mit Fahrern gefahren, nicht automatisch. Betriebszeiten sind 5:30 – 0:30 Uhr (jeweils Abfahrt an der Endstation). Nachts fahren Bahnen nur zu besonderen Anlässe wie Silvester, aber selbst dann im 3-min-Takt (such das mal in Deutschland, das gibt es ohne Überschneidung von Linien selbst tagsüber nur selten). Da die Tunnels derart tief verlaufen, hat man grundsätzlich keinen Netzempfang, aber es gibt wohl WLAN (hab ich nicht genutzt). Die Stationen sind (vielleicht in den Vororten nicht überall) auch auf Englisch beschriftet, sodass die Nutzung auch dann möglich ist, wenn man kein Kyrillisch lesen kann. Durchsagen und Lauftexte waren im Januar ausschließlich auf Russisch, im Mai, kurz vor der WM, auch auf Englisch. Anspruch auf Sitzplätze haben zunächst Alte, Behinderte, Schwangere, Passagiere mit Kindern, dann Frauen. Das heißt als junger Mann kann man eigentlich nie sitzen.^^ Fotografieren ohne Stativ ist erlaubt, nachdem ein Hobby-Fotograf eine entsprechende Klage angestrengt hat – so viel Mut muss man auch erstmal haben, eine staatliche Behörde in Russland zu verklagen. :D
Und noch eine nette Begebenheit: An Neujahr konnte ich beobachten, wie eine junge Frau im Stehen auf der Rolltreppe einschlief – man hat ja etwas Zeit auf diesen Rolltreppen. :D

[image]
52 Russenmetro
[image]
[image]
[image]
53 – 55 Station Admiraltejskaja der Linie 5
[image]
55 Mosaik an der Station Admiraltejskaja. Kunst in der Metro ist in Petersburg sonst eher rar oder zumindest in viel geringerem Umfang als in Moskau.
[image]
56 Geschlossene Station
[image]
57 Laaaaange Rolltreppe
[image]
[image]
58 – 59 An der Station Technologetscheskyj Institut
[image]
60 Im Berufsverkehr kommt es immer wieder vor, dass der Zugang zu Stationen wegen Überfüllung zeitweise gesperrt wird.
[image]
61 Metro-Station am Moskauer Bahnhof im Sommer
[image]
62 Moskauer Bahnhof in St. Petersburg im Sommer
[image]
63 Moskauer Bahnhof im Schnee
[image]
64 Interessantes Prozedere am Bahnübergang: Zusätzlich zum Herunterlassen der Schranke wird auch noch die Fahrbahn hochgeklappt (vor dem Vorderrad erkennbar), um die Stinktiere wirklich am Überqueren des Bahnübergangs zu hindern
[image]
65 Wintertram
[image]
66 Sommertram
[image]
67 Tram auf der Brücke vor der Eremitage
[image]
68 An derselben Stelle im Sommer eine neue Tram
[image]
69 Schnelle Tram
[image]
70 Schnelles Schiff
[image]
71 Kurze Tram
[image]
[image]
72 – 73 Putzige Tram
[image]
[image]
74 – 75 Tote Tram
[image]
76 Bis heute ein wichtiges Verkehrsmittel im postsowjetischen Raum: die vermaledeite Marschrutka
[image]
77 O-Bus am Gostinnyj Dwor
[image]
78 Alter O-Bus
[image]
79 Noch ein O-Bus
[image]
80 Wait, what!? Das sind ja lateinische Buchstaben!? Übrigens haben die neuen Exemplare innen sogar USB-Steckdosen.
[image]
81 Oberleitung auf einer Klappbrücke

Etwas ausführlicher berichten möchte ich noch über unseren winterlichen Ausflug nach Peterhof. Da war sogar mein Kumpel dabei. ;-) Wir hatten uns um 9 an der Metro-Station bei uns verabredet, was gar nicht so einfach war, da eben erst 9 Uhr die Dämmerung ganz zögerlich begann und ich anfangs noch keine russische SIM-Karte hatte. Dann nahmen wir die Metro zum Baltischen Bahnhof. Wir zeigten der elektronischen Kontrolle beim Bahnsteigzugang unsere soeben gekauften Tickets und fuhren mit der Elektritschka 37 min bis Peterhof. Anders als bei der Metro sind die Preise hier natürlich schon entfernungsabhängig, für die knapp 30 km zahlten wir knapp 90 ct. Trotz elektronischer Kontrolle gab es einen Provodnik. Das Vehikel hatte glaube ich sogar 3-3-Bestuhlung und war nicht übermäßig beheizt. Regelmäßig gingen Krimskrams-Verkäufer durch, solche sieht man auch in der Metro. In Nowyj Peterhof stiegen wir aus und fuhren mit dem Bus noch ein kleines Stück zur Sehenswürdigkeit der Stadt. Wir besuchten dann den Schlosspark. Im Sommer ist das ein eindrucksvoller Park mit vielen Springbrunnen, die im Winter natürlich leider ausgeschaltet sind. Es war ziemlich windig, auch die Aussicht am Meer war nicht so schön. Deshalb gingen wir bald rein und beschauten das Schloss lieber von innen.
Der Bahnhof war eben ein Stück weg und der Takt der Elektritschkas mit zunehmender Entfernung von der Metropole immer dünner. Deshalb nahmen wir für die Weiterfahrt nach Lomonossow den Bus. Außerorts ist es üblich, das Busticket entweder beim Konduktor/[häufiger] bei der Konduktorin zu kaufen oder beim Aussteigen beim Busfahrer. Mein Kumpel meinte, er wusste das beim ersten Versuch natürlich nicht, was für reichlich Verwirrung nicht nur bei ihm, sondern auch beim Busfahrer sorgte. :D In Lomonossow stiegen wir um in den nächsten Bus, der über einen Damm durch die Ostsee nach Kronstadt (auf einer Insel gelegen) fuhr. Dort schauten wir uns die Stadt an. Die Kleinstadt ist zwar nicht spektakulär, aber nett, man findet durchaus alte Bausubstanz.
Zurück fuhren wir – zunächst wieder per Bus – eine andere Route. Ich wollte, dass wir danach nochmal Elektritschka fuhren. Deshalb stiegen wir irgendwann auf mein Geheiß aus, mein Kumpel meinte, er sei sich nicht sicher, aber er denke, dass der Umstiegsort woanders sei. Er hatte wohl Recht… :D Wenigstens konnte ich von der Elektritschka noch ein Foto schießen, und der Takt der Busse war nicht schlecht.^^ So fuhren wir eben mit dem nächsten Bus in die Stadt zu einem Einkaufszentrum, von wo aus uns ein Obus wieder zu meinem Hotel brachte.
Später fuhr ich einmal mit einer Elektritschka innerhalb der Stadt (leider entstand kein brauchbares Foto), die 17 min bzw. 10 km waren mit 41 Rubel (60 ct) sogar etwas günstiger als eine innerstädtische Fahrt mit anderen Verkehrsmitteln. ;-)
[image]
82 Elektrischtka am Baltischen Bahnhof von St. Petersburg
[image]
[image]
83 – 84 Elektritschka in Nowyj Peterhof
[image]
85 Weg isse…
[image]
[image]
86 – 87 Das Bahnhofsgebäude in Nowyj Peterhof
[image]
88 Russenwartung
[image]
89 Das eigentlich Interessante an Peterhof sollen ja eher die Springbrunnen sein, aber ich fand das Schloss an sich auch ganz nett. =) Innen waren leider keine Fotos erlaubt.
[image]
90 Die Meereskathedrale des Heiligen Nikolaus (ich hoffe, die Übersetzung macht so Sinn^^) in Kronstadt von außen…
[image]
91 …und von innen
[image]
[image]
92 – 93 Verdammt, an der falschen Haltestelle ausgestiegen…
[image]
94 Aus der Stadt kommt gleich noch eine

--
Meine Reiseberichte, die vor Mai 2020 veröffentlicht wurden, am besten in Firefox oder Edge öffnen - dort sollten keine Bilder auf der Seite liegen ;-)


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum