Auf halber Strecke stehengeblieben... (Allgemeines Forum)

Blaschke, Mittwoch, 31.03.2010, 14:28 (vor 5970 Tagen) @ cyberle
bearbeitet von Blaschke, Mittwoch, 31.03.2010, 14:30

Hallo!

Ich laufe 15 Minuten zum Supermarkt und mache das auch 2 mal die Woche und schleppe dann 4 Volle Tüten nach hause (na und?)

Das handhabe ich ab und an auch so; ab und an bin ich aber eben auch mal froh, ein Auto dabei zu haben. Ist aber auch egal, ich will es niemanden vorschreiben, wie er es handzuhaben hat. Soll der ÖPNV eine gute Alternative sein, wird er auch genutzt. Und wenn nicht, dann muß ich nachdenken, wie ich den ÖPNV bezahlbar attraktiver mache und nicht als erstes dafür sorgen, die vorhandenen Möglichkeiten künstlich verschlechtern. Das wird die Akzeptanz eines ÖPV nicht erhöhen. Einfach den Sprit teurer zu machen und das Auto zu verteufeln, das ist dann doch zu primitiv. Und so zu tun, als sei das Auto das ALLEINIGE Umweltübel und mit seiner Abschaffung seien alle Probleme gelöst, ebenfalls.

Was mir da als Beispiel noch einfällt: Der Winter. Autobahnen dicht, in der Stadt auch alles dicht - und was ist mit dem ÖPNV? Fährt nicht! Wurde hier in Osnabrück z.B. mehrfach eingestellt. Dafür müsse/solle der Bürger Verständnis haben. Mein Verständnis geht diesbezüglich gen Null! Ein System, was sich gerne als Alternative anpreist, dann aber im Ernstfalle versagt, hat jegliche Existenzberechtigung verloren.
Da wird dem Bürger erzählt, bei Schnee und Eis steigste auf Bus & Bahn um - und dann macht's der Bürger und der Bus und die Bahn kommen nicht oder sind völlig unzuverlässig. Trägt nicht wirklich zur Akteptanz des Systems bei.

Die möglichkeit wird sich bieten wenn mehr und mehr leute auf das auto verzichten müssen dann wird auch eine ÖPNV Verbindung eingeführt das steht fest


DAS hätte ich dann gerne mal erläutert, wieso das sicher ist! Ich kann diesbezüglich jedenfalls keine Tendenz erkennen!

Außerdem muß es umgekehrt sein: ERST muß der ÖPNV stehen, dann kann ich die bisherigen Möglichkeiten verteuern.

Praktiker macht nicht erst seinen Laden auf und führt dann Sonderangebote ein, wenn Hornbach seine Preise erhöht.

Was z.B. trägt das alberne Preissystem der DB zu einem Umstieg bei? Der Kunde liest in der Werbung: 29 Euro. Das "ab" wird geflissentlich übersehen. Dann saust der Kunde los. Und stellt fest: 29 Euro werden es nur selten oder er unternimmt Weltreisen mit zig Umstiegen, von denen die Hälfte nicht funktioniert. Der Kunde kommt so schnell nicht wieder. Oder er kommt, weil er muß, aber nicht, weil er das System Bahn akzeptiert. Ob letzteres im Sinne eines Anbieters sein kann? Ist aber egal, ob der Kunde gerne Bahn fährt oder gezwungener Maßen - wir erhöhen einfach den Spritpreis, dann kommt er ja zwangsweise zu uns in die Bahn. Sofern darin noch Platz ist und nicht irgendein Klugsch... Kapazitäten am Reißbrett errechnet hat.

Was soll z.B. der dämliche "Normalpreis", wo selbst Eisenbahner sagen, dass das "Mondpreise" sind?! Manch Zub hat mir schon erzählt, dass es manchmal schon ganz gut ist, dass die Leute im Zug nicht kommunizieren, denn wenn mancher wüßte, wie wenig sein Nachbar für die Reise bezahlt hat... - es gäbe wohl viel Ärger. Live erlebt übrigens, als DB Autozug damals die letzte Wochenendtour nach Rijeka für 15 Euro hin und zurück verschleudert hat. Im Zug war ein Familienvater, der den Normalpreis bezahlt hatte und der durch unsere Gespräche natürlich mitbekam, was abging... Fand er nicht lustig. Man hat's dann übrigens stillschweigend so gedeichselt, dass als eine Art Entschädigung er und sein Sohn zwischen Mainz und Köln auf der Lok mitfahren durften. Zurück zum Normalpreis: Das ist der plakative Preis, mit dem sich Leute wunderbar abschrecken lassen! Den aber schlußendlich kaum einer zahlt. Was soll also so ein Quatsch? Aber ist ja alles kein Problem: Wir machen den Sprit teurer, dann wird die Bahn auch voll.

Warum gibt es keine Monatsnetzkarten? Warum ein Wirrwarr an Sondertickets? Warum muß Nah- und Fernverkehr so schön getrennt sein? Warum muß jeder Verkehrsverbund seine eigenen Regelungen haben? Warum braucht es überhaupt zig Dutzend Verkehrsverbünde? Warum muß es für eine Verbindung zig Preise geben? Aber darüber brauchen wir ja gar nicht erst nachdenken; viel zu kompliziert, wir erhöhen einfach den Spritpreis, schon kommt der Bürger mit Wonne und Freude zum Zug.

Oder bei DB Autozug: Ein Bekannter - seines Zeichens Busfahrer - fährt in Urlaub gern nach Kroatien oder Italien. Da er natürlich in seiner Freizeit wenig Lust hat, auch zu fahren, haßt er die Fahrt gen Süden und zurück. Ich habe dann mal so geschaut, was für ihn UND FAMILIE DB-Autozug-Fahrten kosten würden. Das hatte sich dann schnell erledigt als Alternative. So bin ich dann ab und an als Fahrer eingesprungen, habe ihn und Family bis zur Grenze karriolt und bin mit dem Zug gemütlich zurückgegondelt (oder eben umgekehrt). Aber auch solche Preise sind ja kein Problem: Wir machen den Sprit teurer, dann wird auch der Autozug voll. Und vor allem werden dann ja nach und nach immer mehr Autozüge eingeführt. Erstaunlich, dass das in der Realität aber trotz schon länger steigenden Benzinpreisen immer weniger werden. Irgendwo paßt da was nicht zusammen oder?


Aber nehmen wir an, der Spritpreis wird staatlicherseits erhöht. Dann steigen auch die Einnahmen des Staates. Was passiert denn dann mit dem Geld? Der ADAC und die Autolobby werden fordern, damit Straßen und Autobahnen auszubauen; vom Grundsatz her ja auch korrekt. Oder glaubst Du ernsthaft, dass dann die Mittel für den Schienenausbau erhöht werden? In der Realität derzeit jedenfalls nicht - und ich sehe auch keine Tendenz, dass sich das auf mittlere Sicht ändern wird.
Was würde also passieren? Etliche könnten sich ein Auto nicht mehr leisten, müßten auf den nicht zusätzlich ausgebauten (weil kein Geld da) ÖPNV ausweichen sofern möglich oder eben alternativ ihren Lebensstandard senken mit allen volkswirtschaftlichen Konsequenzen. Der ÖPNV würde nicht billiger, sondern würde seine Preise auch erhöhen dank der zwangsweisen Nachfrage, was weder zur Akzeptanz noch zu einem höheren Lebensstandard der Nutzer beiträgt. Währenddessen erfreuen sich ein paar wenige an leereren, aber dafür besser in Schluß gehaltenen Straßen.


Und wir Bürger glauben auch noch diesen Quatsch, der uns da mit den höheren Benzinpreisen immer eingeredet wird...

Schöne Grüße von

jörg


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