Auf halber Strecke stehengeblieben... (Allgemeines Forum)

cyberle, Düsseldorf, Mittwoch, 31.03.2010, 11:42 (vor 5970 Tagen) @ Blaschke

Hallo allerseits!

Und was ganz untergeht in der aufgeregten Debatte: Benzin ist eigentlich immer noch eher zu billig als zu teuer; der Preis deckt die Umwelt- und Klima-Schäden nicht, die durch den Autoverkehr entstehen.


Wenn wir schon so rechnen, dann aber bitte etwas genauer: Wenn ich von Staats wegen gezwungen werden, Arbeit in 2 Std. Entferung anzunehmen, dann belaste ich das Klima auch schon von Staats wegen. Ich könnte zwar umziehen - aber dann verliere ich ja vielleicht das Interesse an meiner Heimat und lege jeden Gedanken an Gemeinnützigkeit ad acta. Oder anders gesagt: Mir doch wurscht, ob meine Heimatstadt verkommt oder nicht. Warum soll ich aber, wenn ich dem Staat Sozialkosten erspare, dann noch für die Umweltkosten aufkommen?

Es sind 50 km und nicht 2 Stunden und wenn du für 50 Km 2h brauchst na dann weiß ich nicht


Beim Freizeitverkehr geht's dann weiter: Wenn ich mit dem Auto zum Heidepark fahre, bin ich zwar ein Umweltsünder, aber dafür tue ich den Beschäftigten im Heidepark wieder Gutes. Und dem Eislieferanten, dessen dort hingekarrtes Eis ich mampfe. Nun in jedem Kaff einen Heidepark installieren, um die Fahrtwege zu ersparen, ist aber auch keine Lösung. Wird also schon schwierig, Kosten und Nutzen auseinander zu dividieren.

Der Heidepark ist perfekt mit dem Zug erreichbar ich kann Dat grüne Eck als bleibe nur sehr empfehlen. Früh kann man dann mit dem ersten HeideParkbus fahren der bringt einen direkt vor die Tür


Bestrafen muß man mich als Bürger aber, wenn ich nicht zum Supermarkt um die Ecke fahre, sondern zum Supermarkt 2 Ecken weiter. Das ist unter diesem Aspekt dann nämlich Unsinn. Fragt sich nur, wie wir das rausfinden, welche Fahrt zur Deckung meiner Bedürfnisse auch kürzer sein könnte und mit welchem Preis ich die unnötige Wegstrecke ansetze.

Der Supermarkt an der 1. Ecke liegt an der gleichen Bus/Straßenbahn/ubahn linie wie der 2. auch dieser sollte erreicht werden. Ich laufe 15 Minuten zum Supermarkt und mache das auch 2 mal die Woche und schleppe dann 4 Volle Tüten nach hause (na und?)


Und zum Schluß müssen wir dann natürlich noch schauen, welche Umweltschäden GENAU durch das Auto entstanden sind. Und welche z.B. von der Industrie. Oder welche Umweltveränderungen einfach der natürliche Lauf der Zeit sind - denn die Umwelt hat sich seit Entstehung der Erde immer verändert (zum Glück, sonst gäbe es uns nämlich nicht!) und wird das auch in Zukunft immer tun (womit sicher ist, dass wir die Erde auch irgendwann wieder verlassen).


Aber so kompliziert wollen wir es ja gar nicht machen. Einfach mal eben das Schlagwort "Benzinpreis deckt Umweltschäden nicht" in die Runde geworfen - irgendwann wird's der Bürger schon glauben.

Hab übrigens noch nie gehört, dass jemand fordert, dass Adidas-Turnschuhe teurer werden müssten, weil die Herstellung die Umwelt in der 3. Welt verseucht.

Höhere Preise senken den Verbrauch, weil man sich dann überlegt, wann, ob und mit welchem Verkehrsmittel man fährt.

Zum einen muß ich überhaupt erstmal die Möglichkeit haben, ein anderes Verkehrsmittel zu benutzen!
Zum anderen bringt das Ganze herzlich wenig, wenn das andere Verkehrsmittel seine Preise ebenfalls erhöht - eben aufgrund gestiegener Energiekosten.

Die möglichkeit wird sich bieten wenn mehr und mehr leute auf das auto verzichten müssen dann wird auch eine ÖPNV Verbindung eingeführt das steht fest


Außerdem: Wenn ich dann meine Fahrten evtl. reduziere, weil wie geschrieben, die Alternativen auch teurer werden, dann schaffe ich damit aber neue "Probleme": Nämlich eine sinkende Nachfrage in anderen Bereichen. Kein Sonntagsausflug mehr. Mal eben zur Pommesbude ins Nachbardorf fahren - nö. Abends vom Dorf ins Großstadtkino - nein, wenn ein Baum dran glauben muß, dann doch lieber nicht. Oder sollte als Ausgleich tatsächlich noch um 23:16 Uhr neu ein Bus eingesetzt werden. Was dann auch wieder Umweltschützer kritisieren, weil der meist leer fährt.

Ich komme selber aus einem Dorf mit 3000 Einwohnern auch da ist nur Stündlich ein Bus in die nächste Stadt gefahren und das hat 18 Jahre meines Lebens frunktioniert

Jede Fahrt müßte also unter Umweltgesichtspunkten erstmal auf ihre zwingende Notwendigkeit überprüft werden. Dabei würden wir feststellen, dass zum Überleben sicherlich praktisch gar keine Fahrt notwendig ist. Schlußendlich müßten wir also alle wieder vor unserer Höhle sitzen und per pedes dem Getier hinterherjagen oder am Grünzeug zupfen, was vor der Höhlentür wächst.

Oder mal mit dem Nachbarn einkaufen gehen. Jeder in deinem Dorf wird sicher genau am Donnerstag einkaufen das ist meist der Einkaufsttag ... und wenn man einkaufen geht in die 10 Km entfernte Stadt unterhält man sich mit fast allen Nachbarn im Dorf was es neues gibt.... Dabei fahren die meisten Hausfrauern alleine zum Einkaufen. WIeso kann man da nicht wenigstens zu 2. Fahren!?!?

Mittelfristig beschleunigen moderat steigende Treibstoffkosten auch den überfälligen Ausstieg aus den zur Neige gehenden fossilen Brennstoffen und den Wandel zu umwelt- und klimafreundlicherer Mobilität.

...


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