Über den Rennsteig zur Naumburger Straßenbahn (Teil 2) (Reiseberichte)

TD, Mittwoch, 25.12.2019, 18:18 (vor 2281 Tagen) @ TD

Tag 2: Würzburg – Schweinfurt – Bad Neustadt – Grimmenthal – Themar – Rennsteig – Arnstadt – Saalfeld – Rudolstadt - Jena

So, nachdem der erste Reisetag eigentlich nur der Anreise diente, gibt es heute ein abwechslungsreiches Programm. Der neue Tag beginnt, wie der alte aufgehört hat: mit Regen. Gegen halb neun starten wir die heutige Etappe am Hauptbahnhof Würzburg.

[image]

[image]

[image]

Mit einem Talent 2 starten wir auf dem Netz des Franken-Thüringen-Express. Der Zug fährt von Würzburg über Bamberg nach Nürnberg, wir fahren aber nur eine Station bis Schweinfurt mit.
Mein Bruder fragt mich, warum ich ihm denn eine Fahrkarte von Tübingen bis Bad Neustadt gebucht habe. Und so gibt es für ihn jetzt Lektion 2: „Die 10-Uhr-Regel bei Sparpreisen“.

[image]

[image]

Wir fahren nun über die Gäuhochfläche im Maindreieck, die Strecke ist unspektakulär. Nur in Seligenstadt werde ich kurz aufmerksam, als ich das Gleis der Mainschleifenbahn entdecke, die im Ausflugsverkehr betrieben wird. Das merke ich mir mal als Sommer-Ziel vor.

[image]

In Schweinfurt wechseln wir auf einen Zug der Erfurter Bahn, wir steigen allerdings in den hinteren Zugteil mit Fahrtziel Meiningen. Die Regioshuttles tragen das Logo des „Unterfranken-Shuttle“, die Linie EB 40 verbindet Schweinfurt mit Bad Kissingen und Meiningen, Zugteilung ist in Ebenhausen.

[image]

[image]

Wir fahren mit dem Unterfranken-Shuttle von Schweinfurt bis Bad Neustadt an der Saale, die Landschaft der Vorrhön zeigt sich leicht winterlich.
In Bad Neustadt legen wir einen Zwischenstopp ein. Das hat sich einerseits tatsächlich aufgrund der 10-Uhr-Grenze angeboten, andererseits hatten wir noch etwas Luft im Tagesprogramm und das Städtchen sah im Internet ganz nett aus. Na, dann schauen wir mal.

[image]

Die 15.000 Einwohner-Stadt liegt am Rande der Bayerischen Rhön, wir drehen nun eine kleine Runde durch die Innenstadt. Das historische Zentrum ist umgeben von der Stadtmauer, Wahrzeichen der Stadt ist das Hohntor, das 1578/79 errichtet wurde.

[image]

[image]

Als wir auf dem Marktplatz stehen, kommt die Sonne heraus und über der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist ein Regenbogen zu sehen.

[image]

[image]

Schließlich kehren wir an den Bahnhof zurück. Mit dem Mainfranken-Thüringen-Express fahren wir nun weiter nach Grimmenthal. Auf dem RE 7 werden Dieseltriebwagen der Baureihe 612 eingesetzt.

[image]

[image]

Wir queren nun das bayerisch-thüringische Grenzgebiet, hier im Grabfeld zwischen Rhön und Vorland des Thüringer Walds ist die Landschaft leicht schneebedeckt.

[image]

Heute haben wir einen reinen Nahverkehrstag und die grün-weißen Regioshuttles von Süd-Thüringen-Bahn und Erfurter Bahn werden uns noch häufiger begegnen. Auf der Werrabahn fahren wir das kurze Stück von Grimmenthal nach Themar.

[image]

[image]

Fahrplanbedingt ergibt sich auch in Themar die Möglichkeit für einen Spaziergang. Die Geschichte der Landstadt reicht bis ins Jahr 796 zurück, der Ort hat heute knapp 3.000 Einwohner.

[image]

Sehenswert sind der Marktplatz mit dem Rathaus und die denkmalgeschützte St.-Bartholomäus-Kirche an der Werra. Während zahlreiche Gebäude in Themar durch Kriege zerstört wurden, ist die Kirche der kleinen Stadt eines der wenigen Gebäude, das alle Stürme der Zeit überdauerte.

[image]

[image]

[image]

Doch nun zurück zum Bahnhof. Der Bahnhof liegt an der Werrabahn von Eisenach nach Eisfeld, außerdem hat hier die Bahnstrecke über den Rennsteig nach Plaue ihren Ausgangspunkt.

[image]

Eigentlich mag ich Dampfzüge nicht besonders und der Auflauf rund um solche Sonderfahrten ist mir zuwider. Wenn ein Dampfzug aber die einzige Möglichkeit ist, um eine Strecke überhaupt bereisen zu können, lassen wir uns halt darauf ein. Der Bahnverkehr auf der Strecke von Themar über Schleusingen zum Rennsteig wurde etappenweise eingestellt, seither betreibt die Rennsteigbahn GmbH zusammen mit dem Verein Dampfbahnfreunde mittlerer Rennsteig einen Ausflugsverkehr an ausgewählten Tagen, so auch zur Bahnhofsweihnacht am Bahnhof Rennsteig am dritten Advent. Die historischen Personenwagen werden von Dampflok 94 1538 gezogen.

[image]

[image]

[image]

Die Bahnstrecke folgt noch kurz dem Werratal, dann zweigt sie in das Tal des Flusses Schleuse ab. Bei der Fahrt am Rande des Thüringer Walds gewinnt die Strecke an Höhe und die Landschaft vor dem Zugfenster wird winterlicher. Bei Schleusingen folgt ein erster steiler Streckenabschnitt, der bis 1927 als Zahnstangenabschnitt ausgeführt war.

[image]

Beim Fluss Nahe fällt mir zunächst die Nahetalbahn zwischen Saarland und Rheinland-Pfalz ein, aber auch hier im Thüringer Wald gibt es einen Fluss dieses Namens.

[image]

Der Bahnhof Schleusingerneundorf sieht nur noch selten Züge, hier hält der Zug zum Wassernehmen. Dieser Streckenabschnitt wurde 1904 eröffnet. Die Strecke führt nun hinauf nach Schmiedefeld, auch auf diesem Steilstreckenabschnitt gab es früher Zahnstangenbetrieb.

[image]

[image]

Bei der Fahrt durch den Winterwald am Hang des Nahetals gewinnt die Strecke deutlich an Höhe, auf dieser Seite des Rennsteigs hat die Bahnstrecke Steigungen bis 59 Promille.

[image]

[image]

[image]

Am Bahnhof Schmiedefeld haben wir schon 681 Meter über dem Meer erreicht. Beim Anblick des Gebäudes wird mir klar, warum es im Fahrplan hieß „Wegen der Sicherheit unserer Fahrgäste hält der Zug nicht am Bahnhof Schmiedefeld“.
Das Gebäude wurde 1903 erbaut, im Jahr 2013 wurde das mehrgeschossige Empfangsgebäude mit Nebengebäude zu einem Anfangsgebot von 5.000 € bei einer Versteigerung aufgerufen.

[image]

Bis zum Bahnhof Rennsteig ist es nun nicht mehr weit, auf den letzten knapp zwei Kilometern geht es nochmals fast 70 Höhenmeter nach oben zur Kammlinie des Thüringer Walds, auch hier war früher ein Zahnstangenabschnitt.

[image]

[image]

[image]

Der Zug wird bei der Einfahrt in den Spitzkehrenbahnhof Rennsteig bereits von zahlreichen Besuchern und Fotografen erwartet, von der anderen Seite kommt die Bahnstrecke aus Ilmenau herauf. Ich hätte nicht gedacht, dass uns hier oben so ein prächtiges Winter-Wunderland erwarten würde.

[image]

[image]

Der Bahnhof Rennsteig liegt auf 747 Meter über dem Meer auf dem Scheitelpunkt der Rennsteigbahn. Eigentlich war die Rennsteigbahn als durchgehende Bahnverbindung von Themar bis Plaue konzipiert. Da die anfangs eingesetzten Zahnradlokomotiven immer talwärts stehen mussten, wurde der Bahnhof Rennsteig als Kopfbahnhof angelegt, so dass bei durchgehenden Zügen die Lokomotiven ohne Umsetzen automatisch richtig standen. Das Empfangsgebäude stammt aus dem Jahr 1906. Anlässlich der Bahnhofsweihnacht erwacht der einsam gelegene Bahnhof mit verschiedenen Angeboten zum Leben.

Es geht gleich weiter...

--
[image] "Fensterplatz, bitte." - Meine Bahnreiseberichte.de.| instagram.com/fensterplatz.bitte/


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum