Rüssel mit B - Teil2/4 (Reiseberichte)

Krümelmonster, München, Samstag, 03.08.2019, 13:33 (vor 2425 Tagen) @ Krümelmonster

Die Auslastung im Zug Freitag Nachmittag nach Luxemburg war erwartungsgemäß ein Witz. Im Oberdeck meines Wagens waren nie mehr als vier Beförderungsfälle gleichzeitig.^^ Als der Zug die Sauer überquerte, hatte ich den Glücksspiel-Laden hinter mir – dachte ich! In Sandweiler-Contern, dem letzten Halt vor Luxemburg, wurde (interessanterweise nur auf (Hoch-)Deutsch) durchgesagt, wir werden jetzt 20 – 25 min auf zwei Gegenzüge warten. Da klappte mir erstmal die Kinnlade runter. Doch es kam noch besser: Nach 20 min fuhren wir los, obwohl keiner der beiden Züge eingetroffen war. Ich ging zum WC. Dadurch kann ich nicht sagen, ob oder wann wir den Zügen begegneten, und außerdem verpasste ich den schönen Ausblick auf die Altstadt.
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22 Auf dieser Brücke wird der Zug jeden Moment die luxemburgische Grenze überqueren. Drüben auf der gegenüberliegenden Flussseite bleibt weiterhin Deutschland.
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23 Sandweiler-Contern hätte sicher auch für ein Bahnhofsrätsel getaugt, aber ich wollte das Bild in diesem Bericht lassen ;-)
Nach Ankunft in Luxemburg ging ich gleich zum SEV. Nachdem ein erster Bus gerade halbvoll losgeschickt wurde, betrug die Wartezeit auf den nächsten ca. 30 Sekunden. Na Mensch.^^ Als Entschuldigung für den SEV gab es für jeden eine kleine Flasche Wasser. Ganz edel deutsches Wasser.^^ Gerolsteiner – wenigstens halbwegs lokalpatriotisch.^^ In Gegenrichtung, stadteinwärts, war die Straße min. zur Hälfte mit leeren Bussen belegt. In unserer Richtung war dafür die Hölle los, der Bus fuhr bald auf die Stinktierrenne (Autobahn), wo natürlich Stinktierlambada (Stau) herrschte. Zum Glück nahm er bald die Ausfahrt, die Fahrt hatte genau die 20 min lt. SEV-Fahrplan gedauert, der Puffer ging komplett für den Stau drauf. Der Zug ab Bettembourg hatte wenig Ähnlichkeit mit unserem RE, er glich eher einer S-Bahn. Pétange wurde püntklich erreicht. 12 min Wendezeit beim 12-/18-min-Takt ist ja schon fast dekadent – Luxemburg eben. :p
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24 Luxemburgischer SEV
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25 Gare Lëtzebuerg
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26 Ab Bettembourg ging es wieder auf Schienen weiter
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27 Altes Vehikel in Esch/Alzette
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28 Die Auslastung ist auch hier nicht gerade hoch
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29 Angekommen in Pétange
In Pétange waren fast alle Züge verspätet. 10 – 20 min ist zwar weniger, als die DB häufig bietet, aber gemessen auf die Distanzen in Luxemburg ist das schon gewaltig. Ein Zug war sogar über 30 min verspätet (das ist mehr als die Fahrzeit in die Hauptstadt^^). Der nächste Zug nach Athus, den ich nehmen wollte, fiel aus. Ich war nach dem bisherigen Tag eh schon ziemlich nah an der Kettensäge gebaut. ;-) Ich fragte beim Bahnhofspersonal nach und erhielt die Antwort, der Zugverkehr über die Grenze sei aktuell eingestellt "aus Sicherheitsgründen, die lassen unsere Züge nicht rein. Aber nichts Schlimmes... Passiert immer wieder mal." Bitte was!? Es hatte keinen Anschlag o. ä. gegeben, zumindest nichts, was bekannt wäre. Der Zug war noch nicht einmal von Luxemburg nach Pétange gefahren, sondern komplett ausgefallen, allzu plausibel war die Begründung also nicht. Kurz später sagte mir der Bahnhofsmensch, dass das Problem behoben sei, der nächste Takt (30 min später) würde fahren. Mit zwei knappen Umstiegen würde ich Brüssel heute Abend noch erreichen. Auf der Abfahrtstafel war mein Zug der einzige ohne Verspätung. Das machte mir irgendwie Angst.^^ Tatsächlich war es einer der ganz wenigen pünktlichen Züge an dem Abend in Pétange. Und er fuhr wirklich bis nach Belgien. Auch die CFL hat sich an dem Tag wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert: Planmäßig sollte die Durchquerung des Großherzogtums via Bettembourg 2 h dauern – da ist die längere Fahrzeit durch den SEV schon eingerechnet –, am Ende waren es 3 h!
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30 Zwei Regionalzüge in Pétange
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31 Französisch fabriziertes Vehikel
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32 Diesmal kein Triebzug, sondern eine Traxx
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33 Die nächste Traxx sollte mich nach Belgien bringen
Auch der 6-min-Anschluss in Athus klappte. Im Desiro ML saßen außer mir drei weitere Fahrgäste, davon stieg einer in Messancy aus.^^ In Arlon war dann der letzte Umstieg des Tages. Nun folgte die planmäßig längste Fahrt des Tages, nach Rüssel mit B waren es noch fast 3 h. Wenn der Zug jetzt sterben würde, hätte ich einen Zub als Ansprechpartner, und es ist offensichtlich, dass die Belgier es versemmelt haben. Wenn ich den letzten Anschluss in Arlon verpasst hätte, wäre es schwieriger gewesen.^^ Anfangs war es noch hell, als die Gumminase sich durch die Ardennen schlängelte. Ich bin der Meinung, ich sah einen Luchs neben der Strecke. Zumindest sah das Tierchen so ähnlich aus wie eine Katze, v. a. hatte es luchsige Ohren. Was eher gegen einen Luchs spricht: Es stand an einem Bach (Miezis mögen doch kein Wasser^^) und ich habe es nicht vor dem Zug weglaufen sehen (Luchse sind eigentlich sehr scheu). Ganz sicher bin ich mir nicht, es war ja nur im Vorbeifahren…
In Belgien gibt es bei der Abfertigung übrigens nicht den einen Schlusspfiff wie bei uns, sondern die Zubs sind frei, einen beliebigen Rhythmen zu pfeifen. :D Da es der letzte Zug des Tages war, wartete er in Namur und Ottignies je mehrere min warten auf Anschlussreisende. Die dabei entstandene Verspätung konnte er im Laufe der Durchquerung Brüssels in Form eines umgedrehten Us auf 5 min reduzieren. Als der Zub die Sprache wechselte, brauchte ich eine ganze Weile, um herauszufinden, ob das Englisch oder Niederländisch sein sollte. :D Zweisprachige Ansagen gibt es in belgischen Zügen ja nur in Brüssel. Trotz aller Widrigkeiten hatte ich nach 17:50 h nun endlich mein Ziel erreicht.^^ 5:42 Uhr war ich in München-Hbf. losgefahren, 23:32 Uhr in Brüssel-Süd angekommen. Mit dem SEV waren es 12 Umstiege, und das alles (zumindest grob) in eine Richtung, ohne allzu große Schlenker, und die gesamte Strecke auf einem Ticket (wenn auch mit weniger Umstiegen gebucht).^^
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34 „Ab dem 10.06. schließen die Türen 30 Sekunden vor der Abfahrtszeit. Seien Sie rechtzeitig am Bahnsteig.“ Von der DB lernen heißt ... lernen.
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35 Bahnhofsgebäude Arlon
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36 In den zweitklassigen Rüssel bringt mich passenderweise eine Gumminase ;-)
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37 Nach fast 18 h endlich angekommen^^
Ich freute mich natürlich ungemein, dass ich nun nachts die Gegend rund um den Südbahnhof durchwandern durfte.^^ Aber letztlich war es gar nicht so schlimm. Da ist wenigstens Leben.^^ Und es laufen auch nicht mehr komische Gestalten rum als anderswo.^^
In dieser Nacht habe ich gut geschlafen. :D

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Was Du suchst, ist in Dir. Ansonsten ist es im Kühlschrank. Oder in der Kekspackung. :)

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