Einspur Spiez - Interlaken Ost (Reiseberichte)

Twindexx, St. Gallen (CH), Mittwoch, 13.07.2016, 22:30 (vor 3545 Tagen) @ ThomasK
bearbeitet von Twindexx, Mittwoch, 13.07.2016, 22:30

Hoi,

Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, aber zum Ausbauschritt 2030 ist geplant, den Lötschberg-Basistunnel soweit zweigleisig auszubauen, so dass man dann das IC-Angebot zwischen Spiez und Visp von derzeit 3 in 2 auf einen Halbstundentakt umstellen kann. Gleichzeitig soll dann auch das Fernverkehrsangebot zwischen Spiez und Interlaken ebenfalls von 3 in 2 auf einen Halbstundentakt ausgebaut werden.

Das ist zu präzisieren: Jedes Angebotsmodul in den FABI-Ausbauschritten ist jeweils mit dem dafür nötigen Infrastrukturmodul gekoppelt. Die Module 1/2h-Takt LBT und 1/2h-Takt Interlaken können auch getrennt umgesetzt werden. Der FABI-Ausbauschritt 2030 wird in den kommenden Jahren definiert. Das BAV ist derzeit intensiv mit den Planungsregionen und den Bahnen dran, ein gesamtschweizerisches Konzept festzulegen, das insgesamt auch Sinn ergibt. Anschliessend wird das dann noch durchs Parlament gehen.

Das Regionalzugangebot müssen nach meiner Kenntnis aber die Kantone beim BAV anmelden und der Kanton Bern wollte unabhängig vom Fernverkehr zwischen Spiez und Interlaken Ost im Regionalverkehr für die Zwischenhaltestellen einen Halbstundentakt anmelden.

Nein, dem ist nicht so. Im Moment ist der Kanton Bern dran, die künftige Erschliessung im Regionalverkehr zu bestimmen. Es gibt auf der Schiene mehrere Angebotsvarianten und es gibt Busvarianten, auch gemischte Varianten gibt es. Fakt ist, dass die Busvarianten bei Einführung des Fernverkehr-Halbstundentakts um den Faktor vier günstiger wären, nur die wiederkehrenden Betriebskosten betrachtet. Bei den Varianten mit Bahn ist maximal ein Stundentakt angedacht, die Busvarianten beinhalten zu Hauptverkehrszeiten auch einen Halbstundentakt. Nachteil des Busses ist, dass er im Stau stehen kann und wenige Minuten länger braucht. Vorteil des Busses sind die trotz geringerer Kosten höhere Angebotsdichte und eine bessere Feinerschliessung, welche die Reisezeitverlängerungen teilweise wieder kompensieren. Da Ende 2023 das Behindertengleichstellungsgesetz an den Haltestellen umgesetzt sein muss, sollte ein Entscheid, wo man langfristig hin will, bald geschehen, da nach 2023 in Leissigen und Därligen die Züge nur noch halten könnten, wenn es 55 cm hohe Perrons hätte. Diese Investitionen in die Publikumsanlagen sind nur sinnvoll, wenn auch langfristig noch Regionalzüge halten werden.

Sollte sich diese Zielvorgabe bewahrheiten, dann ist klar, das die Strecke Spiez - Interlaken West zweigleisig ausgebaut werden muss. Interlaken West - Interlaken Ost wird man wohl eingleisig lassen, da sonst die Kosten explodieren würden.

Eine durchgehende Doppelspur ist in keinem Fall nötig. Die angebotsbasierte Ausbauplanung sieht ja so aus, dass erst der Fahrplan definiert wird und nachher an den geeigneten Stellen Kreuzungsstellen oder Doppelspurinseln geplant werden. Im Fall der Strecke Spiez-Interlaken ist für den Ausbauschritt 2030 eine Kreuzungsmöglichkeit in Leissigen für 62 Mio CHF angemeldet. Dies ist für halbstündliche Fernverkehrszüge notwendig und würde auch für stündliche Regios ausreichen. Für die Regios ist allerdings noch der Grundsatzentscheid notwenidg, ob Bahn oder Bus. Der Doppelspurabschnitt kann mit oder ohne neue Publikumsanlagen in Leissigen realisiert werden.

Ich bin wirklich neugierig, ob dann im Zuge der Realisierung des Überwerfungsbauwerks Bern Wylerfeld

Diese Entflechtung geht Ende 2022 separat in Betrieb. Angebotsseitig wird dies im Berner Oberland erstmal nicht zu mehr Zügen führen, allerdings wird es Linienänderungen geben: Die stündliche IC-Linie Romanshorn-Brig wird in eine zweistündliche IC-Linie Romanshorn-Brig und eine zweistündliche IC-Linie Romanshorn-Interlaken Ost aufgeteilt. Wenn alle zwei Stunden der Romanshorner IC neu nach Interlaken statt Brig fährt, wird der IC aus Basel dann nach Brig statt Interlaken verkehren.

Somit auch ohne Interlaken West - Interlaken Ost eine verdammt teure Angelegenheit. Ich tippe mal für die Zweigleisigkeit Spiez - Interlaken Ost auf einen Betrag um 400 Millionen Franken. Wenn es schlecht läuft, dann können es auch leicht 500 Millionen Franken sein.

Und ich tippe auf 62 Mio CHF für eine kurze Doppelspur in Leissigen, um alles gewollte fahren zu können. ;-)


Grüsse aus der Ostschweiz.

--
[image]

Aktuell im Einsatz auf den Linien IC 1, IC 2, IC 3, IC 21, IR 13, IR 15, IR 27 und IR 70:
Der SBB FV-Dosto.


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum