Mal eben rüber in die Niederlande... (Reiseberichte)

Blaschke, Montag, 28.03.2016, 17:36 (vor 3690 Tagen)

Hallihallo allerseits!

Angefixt von ein paar anderen Buchungen dachte ich mir so, Ostern kannste eigentlich auch noch wegfahren. Nun mußte ich heute morgen einen Apothekennotdienst fahren, deswegen kam nur eine Tagesfahrt am gestrigen Sonntag in Frage. Die konnte auch erst um 9 Uhr beginnen wegen vorheriger Termine. Dachte ich. Als ich alles fertig geplant hatte, fiel mir die Zeitumstellung ein. Shit! Aber mit einer Abfahrt nach 10 Uhr klappte alles genauso super.

Es sollte also um 10:35 Uhr mit IC 2313 von Osnabrück nach Münster los gehen. Eigentlich fährt der 10:37 Uhr, aber derzeit laut separatem Aushang etwas früher, Bauarbeiten. Ich schaue frühzeitig in RIS, yüp, pünktlich. Gut. Also kann's losgehen. Eben etwas essen, Geld einstecken und auf geht's. Um 10 Uhr nochmal nachgeschaut - na super: 10 Minuten Verspätung! Bauarbeiten. Ich bin schon wieder bedient. Der ewige Zirkus in Münster mit dem Anschluß nach Enschede. Ich schaue nach, zur Not geht es aber auch mit dem 11:50 Uhr-IC über Hengelo. Den hatte ich nicht gebucht, weil die Fahrt dann teurer war als über Münster - Gronau.

Etwas später sind es nur noch 8 Minuten. Etwas Luft haben die Fahrzeiten ja. Ich fahre also los zum Bahnhof, pünktlich da wie immer. Schlußendlich trudelt er mit ca +6 ein. Ich setzte mich in einen mittleren Großraumwagen, so dass ich in Münster direkt neben der Treppe aussteigen kann. Es geht auch mit +7 los und den üblichen Ansagen wegen der Verspätung und den Anschlußzügen. Nicht nur wegen der Unpünktlichkeit kommt orientalisches Feeling auf, sondern auch wegen des mit entsprechender Musik klingenden Handy eine ausländischen Mitbürgers. Fehlte eigentlich nur die Bauchtänzerin...

Ich blättere in der Zeitschrift "Mobil", die im Gegensatz zum IZB ausliegt. Eines muß ich den Machern mal attestieren: Die abgedruckten Buchauszüge haben ja jedesmal einen gewissen Reiz. Eigentlich lese ich keine Bücher, aber die Auszüge von Romanen und Krimis wecken doch oft meine Neugier und dann lese ich sie und dann denke ich mir desöfteren "Das Buch kaufste Dir!" und dann mache ich es aus Zeitgründen doch wieder nicht und ärgere mich direkt ein bißchen. Aber die Form des "Anfütterns" klappt da echt gut.

Wir sind vor Münster, es werden die versprochenen Anschlüsse durchgesagt und es ist wie immer: Anschlüsse, die man vermeintlich nicht erreicht, werden einfach nicht erwähnt. So als ob es sie gar nicht gibt. Da wird der Kunde für dumm verkauft. Egal. Wir halten, Blaschi raus, Treppe runter, (Roll-)treppe rauf. Derweil Blechelse auf dem Bahnsteig den Anschluß an den IC nach Westerland verkündet. Der hat +25. Aus welcher Richtung kommen wir grad nochmal? An Gleis 4 steht die WFB nach Emden. Soll jetzt rausfahren. Folgezug in 3 Min: Meiner. Na dann. Die WFB doppeltraktiont sich hinfort nach Emden Außenhafen, mein Zug fährt direkt danach an den Bahnsteig. Sogar eine Doppeltraktion. Hätte ich gar nicht erwartet. Es ist schön ruhig im Zug. Und während wir um 11:08 Uhr pünktlich abfahren, steht an der Anzeige noch immer der 11:05 Uhr-Zug nach Emden. Die Fahrt ist wie immer. Störungsfrei. Ereignisarm. Ich komme aber im Gegensatz zu den Interview-Zeiten zur ausgiebigeren Streckenbeschauung. In Burgsteinfurt sehe ich so die übriggebliebenen Kilometersteine und Trasse der Strecke aus Coesfeld. Und hier und da diverse Neubaugebiete direkt an der Bahnlinie.

Irgendwann sind wir in Enschede, die Uhr zeigt 12:20 Uhr. Auf der niederländischen Anzeigetafel steht die Rückfahrt drauf und klein in einer Zeile untendrunter, ich mußte schmunzeln, die Folgefahrt von diesem Bahnsteig. Hihi, ist das wieder europaweiter Einheitsbrei? Oder was die DB kann, kann NS schon lange. Oder umgekehrt? Überall dasselbe. Aber das muß ja kein Nachteil sein. Vor der Sperrenanlage steht ein großes Schild für Reisende aus Deutschland mit Fahrscheinen aus Deutschland. Es wird auf den Servicepunkt am Bahnsteig verwiesen oder auf's Personal. Sonst soll man einen Knöppes drücken irgendwo. Der Service ist verwaist, Personal auch keines da. Eine Reisende fragt mich nach Feuer für die Zigarette, ich antworte, dass ich keins habe, weil ich lieber esse statt rauche. Das Reisezentrum hat zum Glück geöffnet, ich warte kurz und dann bin ich dran. Frage nach einer Keycard und bekomme auch eine ohne dass sich die Mitarbeiterin für meinen Fahrschein interessiert.

Mit der Eintrittskarte ins Glück mache ich mich auf zur Bahnsteigsperre. Und siehe da: es klappt! Ich bin drin! YEAH! Und happy. Noch ist reichlich Zeit, mein Zug fährt 12:46 Uhr. Steht aber schon da. Eine Doppeleinheit eines Koplopers. Ich gehe nach ganz vorne. Der Zug ist leer, allerdings ziemlich dreckig und reichlich Müll liegt da. Ein WC ist defekt. Hähä, im Ausland ist ja alles besser.

Der Zugteil bleibt leer bis zur Abfahrt und mir dämmert, dass es vielleicht eine gute Idee war, Ostersonntag zu fahren, da ist nicht viel los. Die Klimaanlage erzeugt einen gewaltigen Radau, als wenn ein Flugzeug startet nebenan. Dann geht's los. Nächster Halt Hengelo - und der Bildschirm im Zug berlinert: "Dit is Hengelo!". Jo. Ich bekomme dann erstmal einen Schock, denn ich sehe deutsche Wägelchen. Der Amsterdam-Berlin-IC ist auch da. Das mag ich gar nicht; wenn ich im Ausland bin, will ich auch ausländisches sehen und nicht Deutsches, denn dann kann ich auch gleich hier bleiben. Kurz darauf passieren wir den Gastspielort des Zirkus Renz' aus Berlin. Und noch etwas später steht ein Fotograf an der Strecke und knipst unseren Zug. Was mir am sonst etwas veraltet wirkenden Koploper, Wagen/Zug 4225 war's, gefällt, ist die deutliche Kennzeichnung des Ruhebereiches mit einem "S"-Aufkleberband am Fenster.

Ich verlasse um 13:05 Uhr in Almelo den IC 1746. Lerne dabei, dass der GELBE Knopf zum Türen öffnen ist und der GRÜNE zum Türenschließen. Eigentlich logisch. "Gelb" ist Gefahr und eine offene Tür heutzutage auch. Ich habe Zeit bis 13:48 Uhr. Mir gefällt auf niederländischen Bahnhöfen ja ein gewisser Einheitsbrei. Schilder, Möblierung etc. haben einen gewissen Wiedererkennungswert. Das WC in der Halle ist irre groß ausgeschildert im Gegensatz zu hier, wo ja meist eher versteckt drauf hingewiesen wird. Tote Hose ansonsten auf dem irre langen Bahnsteig mit den Weichen in der Mitte. Bahnsteigsperren gibt's keine, ich schlendere etwas herum, sehe auf dem Bahnsteig ein Schuld "DB Schenker Locatie Almelo" und hoffe, dass damit das Deutsche jetzt ein Ende hat. Was aber nicht der Fall ist. Der IC nach Amsterdam wird mit +15 angekündigt. Was mir nicht weiter auffällt, bis ich im Warteraum sitzend als erstes eine Lok an mir vorbeifahren sehe. Lokbespannter Zug in den Niederlanden? Was folgt? Genau: weiße DB-Fernverkehrswägelchen. Der Berlin-Amsterdam-IC. Klar, +15, da paßt ja alles...

Dann begebe ich mich auf Gleis 3, welches ganz am Bahnsteigende zwischen 2 und 4 liegt. Um 13:45 Uhr kommt eine Dieselkiste angefahren, Wagen 33, in blauer Farbe gehalten. Wobei man das blau kaum erkennt, das Ding muß seit Jahren nicht gewaschen worden sein. Die Aufschriften sind freigeputzt, der Rest ein einziger äußerer Schweinestall. Absolut peinlich, derart verdreckt herumzufahren. Gut 15 Fahrgäste steigen ein. Und ich mit einem mulmigen Gefühl.

Die Fahrkarte enthält nämlich Nullkommanull Wegeangaben in den Niederlanden. Als letztes steht da Gronau Grenze drauf. Und im Forum las ich mal, Fahrkarten in den Niederlanden gelten nur für den direkten Weg. Allerdings schlage ich jetzt ein kleines Häkchen. Weesp ist das Endziel. Und dazu muß man nicht über Marienberg(NL) fahren. Andererseits habe ich die Reiseverbindung mit. Und über die Auftragsnummer läßt sich eine Verbindung zum Fahrschein ziehen.

Wir fahren pünktlich ab. Es läßt sich aber kein Schaffner blicken. Aber an jedem Bahnhof gibt's einen wahnsinnig schrillen Abfahrtspfiff - ganz so, als würde da ein fünfzehnwägiger internationaler Fernzug abgefertigt. Die Zugsicherung ist auch ganz interessant, ständig bimmelt es im Führerstand, ein Ton wie der von der Miktrowelle, wenn sie der Meinung ist, den Inhalt ausreichend erhitzt zu haben. Manchmal bimmelt's dann gleich drei Mal hintereinander. Ich lerne derweil, wie man Marienberg(NL) richtig ausspricht, Mari-N-berg, deswegen vermutlich die Doppelpunkte auf dem "e" der Marie.

Das Bahnhofsgebäude ist ganz schnuckelig. Ich gehe rüber zum Hausbahnsteig. Es trudelt ein so ein Elektrotriebzug mit Energiecontainer drin. Diesmal sauber der Zug. 14:11 Uhr war ich da, 14:16 Uhr geht's weiter. Die Strecke nach Zwolle wollte ich unbedingt fahren. In der von Sören mal empfohlenen Thomas Cookschen "Rail Map Europe" ist die als einzige(!) in der Niederlanden als landschaftlich schön markiert. Das interessierte mich. Aber erstmal zurück zum Zug. Ich setzte mich in Sichtweite einer der Bildschirme von "DB Arriva". Mit kleiner analoger Uhr im Display, gefällt mir. In Ommen muß ich dann wieder schmunzeln. Bei den Anschlußzügen wird der eigene Zug ebenfalls mit angezeigt. Schön ist, dass vorm nächsten Bahnhof ein Bild von eben diesem Bahnhof angezeigt wird. In Dalfsen ist große Party am Bahnsteig und im Bahnhof mit aufgestellten Zelten, einem "Showmaster" und reichlich Leutchen. Dann ist auch Zwolle pünktlich um 14:40 Uhr erreicht. Interessant an der Strecke, dass man durch ein größeres Waldgebiet fährt. Eher niederländisch-untypisch.

Geplant und am 6.3. noch beauskunftet war eine Weiterfahrt um 14:45 Uhr nach Almere Centrum. Am Tag vor der Fahrt schaue ich eher aus Langeweile nochmal alles nach und stelle fest: Den Zug gibt's gar nicht mehr! Offensichtlich gibt's Bauarbeiten zwischen Almere und Weesp. Ich teste aber alles aus, möglich ist es, mit dem RE um 14:55 Uhr zum Endpunkt Almere Oostvaarders zu fahren und mit dem SEV nach Weesp. Die Strecke, die Hanzelijn, wollte ich unbedingt fahren, in buekers.net-Karte ist die noch "under construction" eingezeichnet, aber die ist schon fertig errichtet.

Wie ich nun so in Zwolle eintrudele, bin ich schon wieder von den Socken. Ich gebe zu, eine Ahnung, was mich erwartete, hatte ich nicht. Ich hielt Zwolle für eines der Provinznester der Welt und erwartete einen besseren Dorfbahnhof. Stattdessen sehe ich gelbe Züge, wohin das Auge reicht, einen gigantischen Bahnhof, die Sperren sind schon aufgebaut überall, aber noch nicht in Betrieb. Und eine Bahnsteigunterführung mit einer Breite, in die das halbe Mehdornium reinpaßt. Hammer. Alles schick, alles neu.


Weiter in Teil 2


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