Erfahrungsbericht Dänemark ICE und Krisenmanagement DB (Reiseberichte)

westtoeast, Sonntag, 10.08.2014, 00:08 (vor 4354 Tagen)
bearbeitet von westtoeast, Sonntag, 10.08.2014, 00:12

Ich hatte in diesem Sommer erstmals die Gelegenheit mit einem der Dänemark-ICEs ab Kopenhagen zu fahren. Meine bisherigen Erfahrungen, wenn ich den bis Berlin weiter verkehrenden Zug ab Hamburg genutzt habe, war eigentlich durchweg eher negativ, da schlicht und einfach sehr voll. Vor kurzem habe ich zudem einen der Dänemark-ICEs ab Flensburg genutzt, auch da war die Auslastung spätestens ab Flensburg bei über 100 Prozent (immer 2. Klasse). Grundsätzlich scheint also, auch wenn es nur Momentaufnahmen sind, durchaus eine gute Nachfrage da zu sein, was einen auch daran zweifeln lässt, ob es wirklich nicht möglich sein sollte, einen Nachtzug ab Kopenhagen rentabel zu betreiben. Auf der innerdänischen Strecke war der ICE ebenfalls *deutlich* über 100 Prozent ausgelastet, leerte sich dann aber ein wenig kurz vor der Fähre.

In Puttgarden wurde der Zug dann wieder sehr voll, was wohl vor allem daran lag, dass der vorangegangene EC ausgefallen war und bestelle Ersatzbusse noch nicht eingetroffen waren. Problematisch wurde die Situation dann, als auch der besagte ICE nicht weiterfahren konnte, wegen technischer Probleme. Da es in Dänemark keine solchen gegeben hatte, ist meine Vermutung, dass es Schwierigkeiten bei der Umstellung auf deutsche Sicherheitssysteme gab, aber genau weiß ich das nicht. Jedenfalls half auch ein durchgeführter kompletter "Reset" nicht. Dies führte natürlich zu einer gewissen Unruhe gerade auch unter den EC-Fahrgästen, unter denen sich auch einige ältere Personen und Familien mit Kindern befanden, die auch noch keine Versorgung mit Getränken erhalten hatten.

Der Zugchef blieb dennoch sehr professionell, letztendlich war aber relativ schnell klar, dass es nichts mehr werden würde mit der Weiterfahrt, so dass alle Fahrgäste gebeten wurden, auszusteigen und auf die bereits für die EC-Fahrgäste bestellten Ersatzbusse zu warten. Von denen trafen die ersten beiden auch gerade ein, wobei sehr klar war, dass die Kapazität bei weitem nicht für die EC- und ICE-Fahrgäste reichen würde. An diesem Punkt muss ich dann auch das Krisenmanagement der Bahn deutlich kritisieren. Denn während der Zugchef weiter damit beschäftigt war, den Zug zu räumen und die Fahrgäste zu informieren, sah ich auf dem Weg zu den Bussen, wie sich zwei weitere ZUB – ganz offensichtlich auch frustiert angesichts der Situation – einfach auf den Bänken am Bahnsteig niederließen. Es gab kein Personal an den Bussen, kein Versuch, zu organisieren, dass zuerst die EC-Fahrgäste und alte Personen und Familien mit Kindern fahren, nichts. Teilweise rannten Fahrgäste an allen anderen vorbei, nur um ja noch einen Platz zu bekommen. Die Koffer wurden unten in den Bus geräumt, mussten später wieder ausgeräumt werden, weil gar nicht alle einen Sitzplatz fanden. Keine Information seitens des Busfahrers, ob auch die planmäßigen Zwischenhalte angefahren würde, keine Durchsage zur ungefähren Ankunft in Hamburg.

Klar, dass es schwierig ist, mehrere hundert Fahrgäste zu bändigen (von denen für die meisten wohl gilt, dass sie in so einer Situation nur noch sich selbst am nächsten sind) und klar auch, dass es an so einem Bahnhof eben kein Personal gibt für solche Situationen vorhanden ist. Trotzdem: Das war schlecht, richtig schlecht. Ich hoffe nur, dass die weiteren Ersatzbusse bald kamen und alle gut aus Puttgarden weggekommen sind. In Hamburg dann wieder super nettes und professionelles Personal an der DB Information, und für mich waren es sogar nur +60 (wobei ich in einem der ersten Busse war), für die EC-Fahrgäste aber also mindestens +180. Genauso unerfreulich natürlich, wie meistens in solchen Situationen: Fahrgäste die total ausrasten, Personal übel beschimpfen (nein, das Personal hat den Zug nicht absichtlich kaputtgemacht) und damit alles noch viel unangenehmer machen, als es sowieso ist. Positive Beispiele gab es zum Glück auch, zum Beispiel eine Familie, die noch bis Zürich wollte und dennoch mit einer gewissen Ruhe meinte "shit happens" und sogar noch sehr nett einer älteren Frau half.

Am Rande: Was ich jedoch nunmehr auch ganz sicher weiß: Selbst wenn ich einmal mit dem Gedanken gespielt hätte, Fernbusse kommen für mich nicht in Frage – und dass, obwohl es jetzt nur eine kurze Strecke war. Und ich werde nie wieder behaupten, die Toiletten im ICE 3 seien eng – wer das sagt, war noch nie in der halböffentlichen Kammer eines Fernbusses, die sich Toilette schimpft.

Im Ergebnis: Sehr erfreulich, dass die Dänemark-ICEs offensichtlich so gut angenommen werden, wobei die Auslastung grenzwertig ist (in Dänemark standen selbst in den Gängen und nicht nur in den Übergängen die Leute), eine Ausweitung des Angebots wäre vielleicht sinnvoll. Krisenmanagement der DB dort top, wo es offensichtlich Routine gibt (Hamburg), das "normale" Personal schien überfordert, bzw. sich nach Räumung des Zuges nicht mehr zuständig zu fühlen – großes Minus. Mangelnde Schulung für solche (seltenen?) Fälle? Zur Zuverlässigkeit der Dänemark-ICEs generall kann ich nichts sagen, aber vielleicht gibt es hier User, die öfter auf den Strecken unterwegs sind? Eine Zusatzfrage hätte ich noch: Sind die Ruhezonen in den Dänemark-ICEs abgeschafft? Hatte extra im Ruhebereich reserviert, konnte allerdings keinerlei Kennzeichnung finden (außer, dass es auf meiner Reservierung stand).


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