Schönen Dank und Fragen (Reiseberichte)

Sk8er, MTS, Freitag, 24.05.2013, 23:43 (vor 4691 Tagen) @ AX-330

Noch eben ein paar Fragen. Wie sieht das mit den Laufeigenschaften und dem Geräuschpegel aus? Ausreichend Beinraum? Ziehen die Kisten gefühlt gut ab? Bremsenquietschen? Gibt es auch in Japan Kutscher und Lokführer, oder ist die Fahrdisziplin ausgeprägter? Falls Du einen Kollegen beobachten/erkennen konntest: Laufen die tatsächlich in dieser halbmilitärisch-pompösen Uniform herum? Ganz dunkel meine ich mich an so was zu erinnern.

Hallo,

bei mir ist es inzwischen schon gut 18 Jahre her, als ich mit dem Japan Rail Pass zwei Wochen durch ganz Japan gedüst bin und mich haben die Züge fasziniert... man konnte die Uhr nach dem Shinkansen stellen (jetzt weiß ich wenigstens, aus welchem Land der Spruch "pünktlich wie die Eisenbahn" eigentlich stammen muss).

Die Züge liefen damals erstaunlich leise, kein Gequietsche beim Bremsen, lediglich ein Rauschen oder Zischen und die Wagen hielten ZENTIMETERGENAU vor den Bodenfliesen am Bahnsteigrand mit der entsprechenden Wagen- und Türnummer! Niemals so ein Blabla wie "verkehrt heute in umgekehrter Reihung oder "heute ohne Wagen soundso"...

Im Zug konnte man IMMER in Fahrtrichtung sitzen, denn die Sitzreihen können vom Zugpersonal am jeweiligen Endpunkt um 180 Grad gedreht werden und das ging sehr fix (ein Pedaltritt unter den Sitzen, ein Schubs und mit einem Klack rastete die gesamte Sitzreihe in die gewünschte Richtung ein).

Die Züge hatten bereits damals erstaunlich Power, die Höchstgeschwindigkeit war bereits kurz nach verlassen der Bahnhöfe erreicht, ebenso wurde bis kurz vor dem jeweiligen Halt voll Stoff gegeben... kein nervenzehrendes Getucker wie in Benztown, Bankfurt oder sonstwo über irgendwelche Vorfelder mit zig Weichen und wildem Geschaukel...

Zum Personal zur damaligen Zeit:

Lokführer waren in akkurat militärischen Uniformen mit weißen Handschuhen und Taschenuhr, welche im Führerstand in eine eigens dafür vorgesehene Vertiefung eingeklickt wurde, unterwegs... es wurde Sekundengenau gefahren, alle Türen wurden durch das Personal gleichzeitig geöffnet und geschlossen.

Zugbegleiter trugen ebenfalls blütenweiße Handschuhe und akkurate stets faltenfreie und frisch riechende Uniformen... Fahrscheine wurden nicht mit Zangen gelöchtert, sondern mit einem kleinen farbigen Rundstempel versehen.

Was mich aber besonders faszinierte: Es gab kein Geplärre durch den Wagen à la "Noch jemand zugestigen? Fahscheine Bitte!" sondern man war damals bereits sehr fortschrittlich: der Großteil der Wagen kann nur mit einer Reservierung betreten werden und die KOSTENLOSEN Reservierungen konnten bereits damals bis unmittelbar vor der Zugabfahrt unter Berücksichtigung von spezifischen Wünschen vorgenommen werden - bei jeder Station bekamen die Zugbegleiter einen aktuellen Ausdruck, auf welchen eingetragen war, wo ein neuer Fahrgast zugestigen und sich entsprechend seiner Reservierung hingesetzt hat. Der Zugbegleiter kam dann speziell - nachdem er sich beim Betreten des jeweiligen Großraumabteils zuerst verbeugt und eine angenehme Reise wünscht, nur zu dem jeweiligen neuen Fahrgast und kontrollierte äußerst leise und höflich den Fahrausweis. Ich hatte mal einen Test des Systems gemacht und mich einfach auf einen anderen freien Sitz in einem Wagen mit Reservierungspflicht gesetzt, als auf meiner Platzkarte stand und der Zugbegleiter reagierte entsprechend verwirrt... er ging durch den gesamten Wagen, schaute dann wieder auf seinen Zettel mit den Einträgen und ging dann wieder durch den gesamten Wagen zurück, bevor er dann leise zu mir kam und höflichst nach dem Fahrschein und der Reservierung fragte.

Ich muss mal kramen, ich habe die damaligen Fahrpläne und Fahr- bzw. Platzkarten alle aufgehoben :)

Viele Grüße
Sk8er


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