Vom Säntis in eine Hauptstadt ohne Bahnhof (Fortsetzung) (Reiseberichte)

TD, Samstag, 23.02.2013, 11:42 (vor 4776 Tagen) @ TD

Eine zweite Seilbahnfahrt steht heute aber nicht mehr auf dem Programm und auch eine ausgedehnte Winterwanderung passt nicht in den Plan. Und so drehen wir nur eine kleine Runde um den Bahnhof und fahren eine halbe Stunde später mit dem gleichen Zug zurück.

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Bei der Abfahrt in Wasserauen sind wir die einzigen Fahrgäste, nur schade, dass die Fahrt nach 11 Minuten schon wieder zu Ende ist, da wir in Appenzell umsteigen wollen.

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Appenzell Bahnhof

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Weiter geht es mit der S 11 – ebenfalls betrieben von den Appenzeller Bahnen – in Richtung St. Gallen, wobei die Fahrt wiederum nur 11 Minuten dauert, da in Gais schon der nächste Umstieg ansteht.

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Welche „S-Bahn“ hat schon so eine 1. Klasse? Draußen zieht übrigens gerade eine Guggenmusik-Gruppe vorbei – hier in der Schweiz wird Fasnacht eine Woche später gefeiert.

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Von Gais wollen wir mit der Zahnradbahn hinunter ins Rheintal nach Altstätten fahren. Nur leider ist die Bahn heute im Schlittelplausch-Einsatz und befördert Wintersportler mitsamt ihren Schlitten entlang der Schlittelpiste am Stoss. Für uns Bahnreisende heißt das: Weiterfahrt mit dem Ersatzbus nach Altstätten.

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Na, dann wollen wir den Schlittelfreunden eben den Vorzug lassen und queren die Zahnradstrecke im Bus. Nun fahren wir genau in die Wolken, die wir schon vom Säntis aus über dem Rheintal gesehen haben, so dass die Aussicht von der Bahn aus auch nur bescheiden gewesen wäre. Wer trotzdem einen Eindruck von der Zahnradstrecke bekommen möchte, der findet hier einen Bahnreisebericht vom Sommer.

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Die Busfahrt endet in Altstätten Stadt, wo sich auch die Endhaltestelle der Altstätten-Gais-Bahn befindet. Um zum SBB-Bahnhof am anderen Ende des Orts zu gelangen, geht die Tour weiter mit einem City Sprinter von Rheintal Bus (RTB).

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Der Rheintal-Express bringt uns nun in einer knapp 20-minütigen Fahrt nach Buchs.

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Im Grenzbahnhof Buchs trifft die Strecke aus dem österreichischen Feldkirch auf die Rheintallinie von St. Margrethen nach Chur. So verläuft hier auch die internationale Verbindung mit dem Railjet von Wien nach Zürich. Bis zum Start des S-Bahn-Projekts „FL.A.CH“ ist die grenzüberschreitende Verbindung im Nahverkehr aber sehr dünn. Und deshalb müssen wir für die Weiterfahrt nach Vaduz den Bus nehmen.

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Na, endlich klappt es doch: von Buchs nach Vaduz fahren wir im Doppeldecker :)

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Der Rhein bildet die Grenze zwischen der Schweiz (rechts) und Liechtenstein (links). Nachdem ich letztes Jahr schon in Monaco war, kann ich nun also den nächsten Kleinstaat abhaken (ok, bei früheren Fahrten zwischen der Schweiz und Österreich habe ich schon mehrfach das Territorium durchquert, aber das ist jetzt der erste „richtige“ Besuch).

Hauptstadt bzw. Hauptort des Fürstentums ist Vaduz. Der Ort mit gut 5.000 Einwohnern hat keinen Bahnanschluss, dafür aber alles, was eine Hauptstadt so braucht, nämlich...

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Landtagsgebäude

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Regierungsgebäude und Kathedrale.

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Hier nochmals das Regierungsviertel mit Landtag und Regierungsgebäude, darüber das Schloss.

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Die politische Mitte von Liechtenstein -am Standort der früheren Parlamentsgebäudes haben die Kilometerangaben der Landstraßen ihren Ausgangspunkt.

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Nun machen wir uns auf den Weg hinauf zum Schloss. Dabei gerät auch das „Rote Haus“ ins Blickfeld, welches zu den Sehenswürdigkeiten von Vaduz gehört.

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Blick über Vaduz, im Hintergrund jenseits des Rheins liegt die Schweiz.

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Das Schloss Vaduz liegt oben am Berghang, der Sitz des Fürstenhauses liegt etwa 120 Meter über den Untertanen im Rheintal.

Mit dem Hauptstadtbesuch ist das letzte Ziel unserer Rundreise erreicht und wir können nun den Heimweg antreten. Die erste Etappe legen wir zwangsläufig wieder mit dem Bus zurück, diesmal fahren wir aber nur bis nach Schaan. Schaan liegt ebenfalls im Fürstentum Liechtenstein und ist von der Einwohnerzahl sogar etwas größer als Vaduz.

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Der Bushof von Schaan ist wohl der wichtigste Verkehrsknotenpunkt im Fürstenturm. Fast alle Buslinien fahren den modernen Umsteigepunkt an, der direkt am Bahnhof der Bahnstrecke Feldkirch-Buchs liegt. Wir sind allerdings die einzigen Umsteiger, die den Weg zum verlassenen Bahnhof einschlagen.

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Der Bahnhof heißt offiziell Schaan-Vaduz - also doch ein „Hauptstadtbahnhof“ - betrieben wird die eingleisige Bahnstrecke Feldkirch-Buchs von den ÖBB. Von der Straßenseite...

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...wechseln wir nun zur Gleisseite. Im Rahmen des S-Bahn-Ausbaus soll der Bahnhof modernisiert werden und höhere Bahnsteige erhalten.

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Komisch, dass wir als einzige Fahrgäste auf den Zug warten – dabei ist die Bahnfahrt doch sogar gratis! Gut, man muss schon etwas planen und mit der Fahrplanauskunft tüfteln, um einen der 5 Züge zu erwischen, die am Samstag hier halten.

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Ein ÖBB-Talent der S-Bahn Vorarlberg bringt uns wieder über die Grenze in die Schweiz. Mit einer Fahrzeit von 3 Minuten ist das die kürzeste Fahrt unserer Tagestour.

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Ganz ohne Via-Eingaben und „erweiterte Verkehrsmittelwahl“ fahren wir nun von Buchs nach Hause, mit dem Rheintal-Express fahren wir zunächst bis Rorschach.

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In Rorschach steigen wir um auf einen Thurbo-GTW zur Fahrt nach Weinfelden. Der direkte Weg nach Konstanz würde über die Seelinie führen, da ich aber in der Fahrplanauskunft die heimische Bushaltestelle als Ziel angegeben habe, wählt das System den bequemeren Weg mit einem Umsteigevorgang weniger bei gleicher Ankunftszeit.

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Die Strecke führt zunächst vom Rorschach nach Romanshorn am Bodenseeufer entlang und dann durchs Hinterland nach Weinfelden. Da es nun langsam dunkel wird, soll dass das letzte Bild von unterwegs sein.

Von Weinfelden geht es dann mit dem Interregio wieder nach Konstanz. Wenn es im Sommer länger hell ist, hätte man mit einer Tageskarte vielleicht noch etwas mehr machen können, aber das war eigentlich so auch eine schöne Tour.

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Bis wir wieder in Konstanz ankommen, ist es ganz dunkel und der beleuchtete Bahnhofsturm begrüßt uns.

Falls es von Interesse ist, hier noch der Fahrplan. Im Original waren es übrigens 4 Seiten, das ist für eine Tagestour doch nicht schlecht, oder?

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Mit Stadtbus in Konstanz komme ich auf 21 Fahrtabschnitte – und alle Anschlüsse haben geklappt. Und dank der flotten Fahrweise des letzten Busfahrers waren wir sogar eine Minute vor Plan wieder zu Hause. Ob das bei einer Tour Richtung Schwarzwald oder Schwäbische Alp auch geklappt hätte? Vielleicht probiere ich es irgendwann aus...

Viele Grüße

Tobias

PS.: Meine früheren Reiseberichte gibt’s unter www.bahnreiseberichte.de.

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