Was bleibt denn sonst noch übrig? (Allgemeines Forum)

Frank Augsburg, Ansbach, Freitag, 14.11.2008, 22:38 (vor 6334 Tagen) @ Matze86

Hallo in die Runde,

bei der "Aktion" zwischen Bad Doberan und Rostock hatte ich hier noch ein bißchen flapsig reagiert, aber auch nur deswegen, weil solch eine Verhaltensweise als "typisch stasideutsch" tituliert worden war.
Nun habe ich gelernt, daß dem nicht so ist. Na Gott sei Dank, auch von den Verhaltensweisen her sind wir ehemals (!) Ost- und Westdeutschen uns ähnlicher, als manche das zugeben würden.
Und: Aus eigener Erfahrung - ab und zu bin ich auch mit der Bahn unterwegs - weiß ich, daß Schwarzfahren oder wenigstens "Graufahren" sich zunehmender Beliebtheit erfreut.
Das ist wie im Versandhandel bestellen ohne zu bezahlen. Oder doch bezahlen und das Zeug dann weiter verhökern.
Bis zum April kannte ich übrigens den Begriff "Graufahren" nicht. Dann wurde er mir erklärt: Das sind Leute, die am Startbahnhof eines Zuges ohne Fahrkarte einsteigen, weit später kommt Kontrolle, und dann wird erklärt, man sei am letzten Haltebahnhof zugestiegen. Aus dem Grund wird wenigstens in Bayerns NV keine Fahrkarte mehr in den Zügen ausgestellt. Manchmal aber doch - in begründeten Fällen.
Gar nicht lange her, da lief ein Beitrag über "Bahn- Schleuser". Die kaufen sich ein Monatsticket für eine bestimmte Relation und bessern ihren Etat damit auf, daß sie am Wochenende Kilometer schruppen, bis zu 4 Leute mitnehmen und sich das anständig bezahlen lassen. Natürlich mit Gewinn.
Andere haben ihre Fahrkarte gerade nicht bei, nicht schlimm, weil die Züge ohne Zub sind. Man fährt 1 oder 2 Stationen da kontrolliert eh keiner. Also wird erst gar keine Fahrkarte gekauft. Das ist tägliche Praxis. Kommt dann doch Kontrolle, werden alle möglichen Register gezogen bis zur Endstation/ zum nächsten Halt, wo der ganze Troß aussteigt und dem Kontrolleur frech erklärt: "Weisen Sie uns doch nach, daß wir in dem Zug waren!"
Es wird IC oder ICE gefahren mit einem NV- Fahrausweis und bei Kontrolle erklärt: "Ja, ich wußte nicht, daß die Fahrkarte hier nicht gültig ist."
Gut, in den speziellen Fällen regen Aufpreis und ggf. Bordzuschlag zum (meiner Meinung nach durchaus gerechtfertigten) Nachdenken an.
Und so weiter...
Die Dummen bei der Geschichte sind alle, die sich brav für jede Fahrt eine entsprechende Fahrkarte besorgen. Sie (wir!!!) schleppen diese Betrüger durch und dürfen auch noch bei der nächsten Fahrpreiserhöhung tiefer in die Tasche greifen.
Nein, toll finde ich es nicht, wenn Schüler, Minderjährige usw aus dem Zug gesetzt werden. Nur: Wie sollen Zub/ Zubine erkennen, wer vorsätzlich betrügt und wer nicht? Tagtäglich schlagen denen diese Vertuschungsoffensiven und Verharmlosungsstrategien entgegen. Wenn ich Kontrolleur wäre, würde ich wahrscheinlich auch irgendwann den Anker werfen und sagen:
"Raus! Aber ganz schnell!"
Und wenn der Ausstieg dann eben am popligsten Provinznest ist.

Viele Grüße aus Ansbach
Frank

--
"Die Ferne ist ein schöner Ort,
doch wenn ich da bin, ist sie fort.
Die Ferne ist wo ich nicht bin,
ich geh und geh und komm nicht hin."

(Silly, mit der leider viel zu früh verstorbenen Tamara Danz)


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