DDR - Erinnerungen (Allgemeines Forum)

Markus-P, Montag, 14.03.2011, 18:24 (vor 5553 Tagen) @ Fernpendler

"DDR-Bürger" gibts nicht.


Selbstverständlich waren wir Bürger der DDR, wie es Sowjet-Bürger, ungarische Staatsbürger oder Bürger der BRD gab. "Deutsch" bezeichnet meines Wissens die Zugehörigkeit zu gleichnamiger Volksgruppe, wie eben Mordwinier, Russen, Azteken, Basken, Hindu usw.

Aus Sicht der damaligen Bundesrepublik nicht! Jeder Einwohner der DDR war Deutscher und hatte auch u.a. Anspruch auf einen Reisepass der Bundesrepublik. Für die Bundesrepublik gab es nur die deutsche Staatsbürgerschaft. Das andere waren Regelungen innerhalb der DDR die durch die Bundesrepublik nicht anerkannt wurden.

Wenn die Deutschen dort wahrlich ein richtiges Dach übern Kopp gehabt hätten, wären wohl kaum Milliarden von DM & Euro für die Sanierung in den Bestandsbau Ost notwendig gewesen.


Wir wohnten in einer 3ZKB-Wohnung, die voll intakt und ohne Schimmel, Wasser vom Dach uä. war. Wenn ich an meinen Freundes- u. Verwandtenkreis zurückdenke, wohnte niemand in einer Bruchbude.
Sicherlich gab es an vielen Bauten und Infrastruktureinrichtungen einen Sanierungs- u. Investitionsstau. Heute ist das aber auch nicht anders, wenn das nötige Geld dafür fehlt. Und das fehlt immer mehr sowohl bei "Privaten", als auch bei der öffentlichen Hand.
Und den exzessiven Verschönerungs-, Sanierungs-, Normierungswahn bezahlen wir heute mit satten (Kommunal)beiträgen. Das alte Kopfsteinpflaster hätte es auch weiterhin getan, statt handgefertigte Pflastersteine aus Italien zu importieren, weil die nicht nach DDR-Muff aussahen.

Über das alltägliche Leben in der DDR kann ich mich nicht äußern, da ich es zum Glück nicht ertragen musste.
Aber wie stand es mit der Reisefreiheit?
Freie Meinungsäußerung, Pressefreiheit, ...?

Das ist mir zu sehr einseitig formuliert. Wenn ich mich an meine damalige Umgebung erinnere (Biomedizintechnik, Maschinenbau, Elektrotechnik und Reichsbahn) war selten von "Leerlauf" die Rede. Im Gegenteil, wie oft meine Mutter nachts ins Krankenhaus gerufen wurde oder mein Vater Überstunden machen musste, konnte ich gar nicht zählen. Ich habe sie dort auch auf Arbeit besucht. Von Gammelei konnte da mit Sicherheit nicht die Rede sein. Das Gegenteil war eher der Fall.

Auch wenn es Arbeiten gab, wo ich dachte, dass kann auch einer machen oder wie in der Lehrzeit erlebt, dass man zu viert den ganzen Tag 15,20 Leuchtstofflampen wechselt, war doch jeder froh, Arbeit und Einkommen zu haben. Im übrigen gab es Planstellen. Es wurde nicht wahllos eingestellt, nur um keine Arbeitslosigkeit zu haben. Meinen Wunschberuf habe ich jedenfalls wegen der geringen Zahl der angebotenen Lehrstellen nicht bekommen und musste zur Alternative greifen.

Es gab aber auch andere Gründe, das man seinen Wunschberuf nicht erlernen konnte. Wenn man nicht politisch korrekt war oder die Eltern Probleme mit dem Staat hatten, dann war es schnell aus mit dem Traumberuf.

Es gab mal eine sehr interessante Anne Will Sendung mit Leander Haußmann.
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,660094,00.html
Gesine Lötzsch wusste gar nicht, was sie sagen sollte.
Der Vater von Leander Haußmann hatte in der DDR zehn Jahre Auftrittsverbot, weil er einen Kranz nach dem blutigen Ende des Prager Frühlings niedergelegt hatte.

zudem wurden sie von Millionen von Leuten aufs Übelste völlig grundlos bespitzelt, gar vom eigenen Ehepartner.


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