DDR - Erinnerungen (Allgemeines Forum)

Fernpendler, Montag, 14.03.2011, 17:51 (vor 5568 Tagen) @ Henrik

"DDR-Bürger" gibts nicht.

Selbstverständlich waren wir Bürger der DDR, wie es Sowjet-Bürger, ungarische Staatsbürger oder Bürger der BRD gab. "Deutsch" bezeichnet meines Wissens die Zugehörigkeit zu gleichnamiger Volksgruppe, wie eben Mordwinier, Russen, Azteken, Basken, Hindu usw.

Wenn die Deutschen dort wahrlich ein richtiges Dach übern Kopp gehabt hätten, wären wohl kaum Milliarden von DM & Euro für die Sanierung in den Bestandsbau Ost notwendig gewesen.

Wir wohnten in einer 3ZKB-Wohnung, die voll intakt und ohne Schimmel, Wasser vom Dach uä. war. Wenn ich an meinen Freundes- u. Verwandtenkreis zurückdenke, wohnte niemand in einer Bruchbude.
Sicherlich gab es an vielen Bauten und Infrastruktureinrichtungen einen Sanierungs- u. Investitionsstau. Heute ist das aber auch nicht anders, wenn das nötige Geld dafür fehlt. Und das fehlt immer mehr sowohl bei "Privaten", als auch bei der öffentlichen Hand.
Und den exzessiven Verschönerungs-, Sanierungs-, Normierungswahn bezahlen wir heute mit satten (Kommunal)beiträgen. Das alte Kopfsteinpflaster hätte es auch weiterhin getan, statt handgefertigte Pflastersteine aus Italien zu importieren, weil die nicht nach DDR-Muff aussahen.

Sie haben nicht das tagtägliche Brot gegessen, was Du jederzeit zu Verfügung hast.
Mit gut Glück gabs doch mal was .....im Laden, war gut zu erkennen an der langen Schlange draußen vor. Dann hieß es "erstmal anstehen", was es gibt, erfahren wir schon noch...wenn wir noch was "abgreifen" können...

Hm, es gab Toastbrot, Brötchen, Schwarzbrot, Weißbrot... Und die Brötchen waren besser, als das West-Kaiserbrötchen mit 95% Luftanteil ;o) Ich kenne/kannte niemanden in meinem Umkreis, der gehungert hat oder stundenlang nach einem Brotkanten und ner sauren Gurke anstehen musste. Im Gegenteil, wir sind immer satt geworden dank Wurst, Butter, Käse, Milch. Sogar Fisch und Fischkonserven gab es. Man staune! Klar hatte man nicht die täglichen Südfrüchte. Klar hatte man vieles nur "unter der Hand" oder im Tausch bekommen. Die grundlegenden Dinge gab es allerdings in ausreichender Menge.

In Halle auf dem alten Markt gab es sogar einen (privaten) Imbiss, der Cheeseburger nachgemacht hat. Das hieß dort Grilletta. Ich kannte eine kleine (private) Kneipe, in der Pizza angeboten wurde. Die Angebote gab es nicht nur sporadisch...

Und ja, mit der Arbeit war es ähnlich wie mit Lebensmittel im Laden.
Oft wurde Däumchen gedreht oder Löcher in die Luft gestarrt,
aber nicht weil man auf besseres Wetter gewartet hat, sondern weil kein Material da war,
oder eben wegen des Systems an sich ("Aufgabe haben wir doch erledigt, dann können wir doch jetzt Däumchen drehen" ! ).
Und dann eben diese grandiose Produktivität, die versteckte wahrhaftige Arbeitslosigkeit - Arbeit, die faktische keine war, weil eben nichts gemacht wurde. Oder auch 4 Arbeitskräfte für eine Leistung, die auch eine einzelne vollrichten kann.

Das ist mir zu sehr einseitig formuliert. Wenn ich mich an meine damalige Umgebung erinnere (Biomedizintechnik, Maschinenbau, Elektrotechnik und Reichsbahn) war selten von "Leerlauf" die Rede. Im Gegenteil, wie oft meine Mutter nachts ins Krankenhaus gerufen wurde oder mein Vater Überstunden machen musste, konnte ich gar nicht zählen. Ich habe sie dort auch auf Arbeit besucht. Von Gammelei konnte da mit Sicherheit nicht die Rede sein. Das Gegenteil war eher der Fall.

Auch wenn es Arbeiten gab, wo ich dachte, dass kann auch einer machen oder wie in der Lehrzeit erlebt, dass man zu viert den ganzen Tag 15,20 Leuchtstofflampen wechselt, war doch jeder froh, Arbeit und Einkommen zu haben. Im übrigen gab es Planstellen. Es wurde nicht wahllos eingestellt, nur um keine Arbeitslosigkeit zu haben. Meinen Wunschberuf habe ich jedenfalls wegen der geringen Zahl der angebotenen Lehrstellen nicht bekommen und musste zur Alternative greifen.

zudem wurden sie von Millionen von Leuten aufs Übelste völlig grundlos bespitzelt, gar vom eigenen Ehepartner.

Wenn ich heute die Zahl der Videokameras, Datenspeicherungen (öffentliche Hand und Privatwirtschaft), Bewegungsbilder usw. sehe, mit denen mein komplettes Leben abgebildet werden kann und ich vollkommen gläsern gemacht werde, empfinde ich das eigentlich als genauso widerwärtig wie das Spitzelsystem in der DDR.


Ich persönlich finde Deine Sichtweise als sehr einseitig und diffamierend.

Frage an Dich: Das heutige Staats- u. Wirtschaftssystem ist für Dich das, was Du Dir erträumt hast? Es ist gerecht, ausgewogen, sozial und gibt individuellen Freiraum hinsichtlich der Wahrung der Privatsphäre für jeden einzelnen?


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