Dem stimme ich nicht ganz zu... (Allgemeines Forum)

Frank Augsburg, Ansbach, Mittwoch, 14.07.2010, 22:20 (vor 5835 Tagen) @ rainer1204

Hallo,

das Geschreibsel in der großen Boulevardzeitung mit den vier Buchstaben kann ich nicht ernst nehmen. Daß nun ausgerechnet gegen den ZC des betroffenen ICE ermittelt wird wegen des "Anfangsverdachts einer fahrlässigen Körperverletzung" muß ich dagegen ernst nehmen.
Denn: was kann der Zugchef dazu, wenn die Klimaanlage aussteigt? Und was kann er für die körperliche Verfassung seiner Fahrgäste?
Es ist doch völlig klar - und wird auch so praktiziert - daß bei gesundheitlicher Gefährdung/ Beeinträchtigung von Fahrgästen der Zug angehalten und (vorher schon) ein Notarzt verständigt wird.
Bei der Gelegenheit, sollte ich selber in solch einem Zug sitzen (war bisher 2x der Fall - also seeeeehr wenig), ärgere ich mich zwar über die Verspätung, bin aber gleichzeitig froh, nicht selbst der Grund für den Notarzteinsatz im Zug zu sein.
Soll heißen: Augsburg kritisiert die DB Bahn sehr wohl, weiß die Dinge des Alltags aber in den meisten Fällen zu werten und einigermaßen einzuordnen.
ABER:
Es mag ja sein, daß anderswo die Klimaanlagen ebenfalls aussteigen. Daß es Tfz- Schäden gibt, Signalstörungen, Stellwerksstörungen, Weichenstörungen, Türstörungen, "spielende Kinder im Gleis", BÜ- Störungen, Radschäden, Radsatzwellenschäden - etc. pp.
Was mir an der ganzen Sache auffällt, ist die Häufung im letzten Winter und aktuell. Und ich frage mich, wie das kommt.
Die ganzen Aktionen der US- Untersuchungen mal beiseite genommen...
Warum diese Häufung von 50%-igem Traktionsausfall an ICE-T? Die Vorspanndienste der BR 140 auf der Frankenwaldrampe waren sicher dienlich, aber auch höchst peinlich, oder?
Warum diese Häufung diverser Bremsstörungen auf verschiedenen ICE- Baureihen?
Und warum aktuell diese offensichtliche Häufung ausgefallener Klimaanlagen?
Was ist da in den letzten Jahren passiert (oder NICHT passiert)?
Es mag wohl sein, daß die Klimaanlagen der ICE3- Spanien nach anderen Prinzipien ausgelegt worden sind als die der ICE1 und 2. Ich weiß es nicht sicher, aber vorstellen kann ich es mir. Zwischen beiden Baureihen liegen immerhin über 10 Jahre.
Es mag durchaus sein, daß DB Bahn ein schnittiges EVU ist. Meine persönliche Statistik an Verspätungen und schlechten Erlebnissen steht im krassen Gegensatz a) zu meinen Empfindungen und b) zur Darstellung der DB Bahn in den Medien. Trotzdem bleibt da zunehmend ein ungutes Gefühl. Von Berufs wegen vertraue ich den Fahrzeugen, in denen ich mich durch die Lande kutschieren lasse. Wäre es nicht so, sollte ich besser auf die Straße umsteigen. Danke bestens, was sich da abspielt, habe ich gestern wieder erleben dürfen.
Nein, das ungute Gefühl resultiert von etwas anderem. Nämlich aus der Einsicht, in den sich häufenden Störungsfällen ZUSAMMEN MIT DEN ZUGPERSONALEN völlig mir selbst überlassen zu sein.
Darauf läuft die Geschichte meiner Meinung nach hinaus. Der Service (außer in den Zügen oder am Schalter) ist bei DB Bahn beendet, sobald die Kohle über den Tisch gegangen ist. Ab da: Sieh zu wie Du klarkommst.
Ich bin bis jetzt immer klargekommen, nur beim Betrachten der Gelegenheitsbahnfahrer beschleicht mich dann so ein melancholisches Gefühl, und letztlich mache ich zu oft das, was eigentlich Sache der Bahn wäre. Helfen, beraten, oder auch mal Trost spenden, wenn der Anschluß gerade weg ist. Und dann noch einen Tipp abgeben: "Wenn Sie die Verbindungen wieder mal nehmen, vertrauen Sie nicht auf den Anschluß, der klappt eh nicht...".
Den Kollegen im Betriebsdienst kann ich nur die besten Zeugnisse ausstellen. Aber ihr Einsatz, ihr Engagement verpufft in dumpfer Unternehmensbürokratie, und all die schönen Verbesserungen am Service (na? erinnert Ihr Euch - Exzellenzmanager!) sind völlig am Ziel vorbei.
Wie weit weg dürfen die Führungspersonen eines EVU eigentlich vom Eisenbahnverkehr/ Eisenbahnbetrieb sein?
Ich lasse das wie auch so manch anderes mal offen.

Danke für Euere Geduld.

Viele Grüße aus Ansbach
Frank

--
"Die Ferne ist ein schöner Ort,
doch wenn ich da bin, ist sie fort.
Die Ferne ist wo ich nicht bin,
ich geh und geh und komm nicht hin."

(Silly, mit der leider viel zu früh verstorbenen Tamara Danz)


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