Fronleichnamsfahrt über die Alpen zum Santo Corporale (7/8) (Reiseberichte)
Im letzten Teil bin ich nach einer kleiner Runde durch Umbrien in Assisi angekommen: https://www.ice-treff.de/index.php?id=722374
In diesem Teil geht es mit Zwischenstopps weiter nach Bologna.
Tag 9: Assisi – Perugia – Arezzo – Bologna
Nach dem Frühstück bin ich um 20 nach 8 wieder unten am Bahnhof Assisi.
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Ganz schöne Langschlägeröffnungszeiten am Fahrkartenschalter. Zum Glück habe ich meine Reservierung für heute Abend schon gestern nach der Ankunft erworben.
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Mein erster Zug heute ist nach dem Wendezugeinerlei der letzten beiden Tage zur Abwechslung mal ein sehr leerer Pop-Triebwagen.
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Das erste Ziel des Tages, Perugia, ist schon nach gut 20 Minuten erreicht. Für eine Provinzhauptstadt ist der Bahnhof recht überschaubar.
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Das könnte mal ein faszinierender Warteraum werden, wenn er fertig saniert ist.
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Wie bei meinen bisherigen Stationen in Umbrien, liegt auch die Altstadt von Perugia weit oberhalb des Bahnhofs und wird mit der Minimetrò, einem Standseilbahnsystem, angebunden. Kurioserweise beginnt der Verkehr heute, am Sonntag, erst in wenigen Minten um 9 Uhr.
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Wahrzeichen der Stadt ist der Brunnen vom Bildhauer Pisano aus dem 13. Jh. vor dem Priorenpalast, beides prächtige Symbole eines selbstbewussten Bürgertums.
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Der Dom sieht von außen eher unspektakulär aus. Innen birgt er eine ganz besondere Reliquie: der Heilige Ring, Verlobungsring der Jungfrau Maria. Ausgestellt wird eine Replik. 1473 kam er ganz unrühmlich als Diebesgut des zwielichtigen Mainzer Franziskaners Winter aus dem nahegelegenen Chiusi nach Perugia, wo dieser mit einem einträglichen Posten belohnt wurde. Trotz großer Anstrengungen konnte Chiusi ihn nicht zurückgewinnen. Wie der Ring aus dem Heiligen Land nach Chiusi in Mittelitalien gelangt sein soll, ist natürlich eine ganz andere Frage …
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Wie Orvieto war Perugia auch eine wichtige Etruskerstadt und wieder gibt es einen etruskischen Brunnen zum Besichtigen für mich. Das etruskische Tor wurde aber wohl erst nachträglich von den Römern in die etruskische Stadtmauer eingefügt.
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Etwas abseits an der mittelalterlichen Stadtmauer liegt die spätantike Rundkirche San Michele aus dem 5. Oder 6. Jh.
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Über das mittelalterliche Aquädukt gehe ich zum Zentrum zurück.
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Durch die Lage auf mehreren langen, schmalen Bergrücken ist die Altstadt ganz schön weitläufig.
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Eine kleine Kapelle birgt ein Frühwerk von Raffael, der hier in Perugia bei Perugino sein Handwerk gelernt hat. Nachdem Raffael nach Rom gezogen war, wurde es wohl von seinem Lehrer fertiggestellt.
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Heute am Sonntag nach Fronleichnam wird wegen der Streichung des Feiertags am Donnerstag in den meisten Gemeinden das Kirchenfest nachgefeiert. Zurück am Dom und Brunnen stolpere ich über die örtliche Prozession. Hier in Italien bekommt der Katholik von der Kirche wenigstens noch was geboten.
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Rechts unten versteckt sich der Kopfbahnhof Sant’Anna der Ferrovia Centrale Umbra, der deutlich näher an der Oberstadt liegt als der Staatsbahnhof. Dort scheint aber aktuell SEV zu herrschen und so spare ich mir mit Blick auf die Zeit den Weg nach unten.
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Stattdessen eile ich zum Staatsbahnhof zurück. Zwei Stunden später will ich nicht erst fahren, da ich noch einiges vorhabe.
Mein nächster Zug ist wieder einer der gewohnten Wendezüge. Nach erneut gut 20 Minuten ist Passignano am Trasimenischen See erreicht.
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Als Geschichtebegeisterter kommt mir bei dem See natürlich als Erstes die Schlacht am Trasimenischen See in den Sinn, in der der berühmte karthagische Feldheer Hannibal im 2. Punischen Krieg ein römisches Heer vernichtet hat. Wenig überraschend sieht man davon aber nichts mehr. Es ist ein recht unspektakulärer See, wovor mich auch schon meine Mutter vorgewarnt hat, die schonmal hier war. Wenn es aber sowieso auf dem Weg liegt, kann man ja aber mal kurz anhalten.
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Außerdem bekomme ich hier ein sehr feines Risotto zu Mittag.
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Erneut geht es lokbespannt weiter.
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Bei Terontola-Cortona trifft die Bahnstrecke aus Foligno auf die Hauptstrecke aus Rom, mit der ich von Orvieto auch direkt hätte herkommen können. Auch Cortona ist eine sehr alte Stadt und liegt hoch über dem Bahnhof. Meine Hostelbekanntschaft Andrea von gestern Abend war vor Assisi hier und hat es mir wärmstens empfohlen. Das kann man sich ja mal für die nächste Italienreise im Hinterkopf behalten.
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Das müsste die Burg Montecchio Vesponi sein.
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Mein dritter und letzter Zwischenstopp ist am Nachmittag Arezzo. Die Stadt gilt als Perle des Mittelalters, da sie nach einer Blütezeit im Mittelalter im Konflikt zwischen Kaiser und Papst auf der Seite des ersteren stand, den Machtkampf gegen das papsttreue Florenz verlor und in der Folge ins Hintertreffen geriet.
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Gestern war hier ein mittelalterliches Turnier, die Giostra del Saracino, wovon noch die Tribüne zeugt.
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Die zahlreichen Kirchen der Stadt bergen diverse kunsthistorische Kleinode. In der Franziskanerkirche ist ein Werk des mir davor noch unbekannten Frührenaissancekünstlers Piero della Francesca zu bewundern. Wofür auch ein saftiger Eintrittspreis verlangt wird.
Della Francescas Werke zeichnen sich durch recht strenge Figuren und eine starke Betonung geometrischer Strukturen aus. Der gute Mann betrieb als Teil seiner Kunst nämlich ausgedehnte mathematische Studien und hatte und stellte dabei grundlegende Gesetzmäßigkeiten für den Gebrauch der Perspektive in Bildern auf. 15 Jahre vor seinem Tod beendet er sogar seine Karriere als Künstler, um sich komplett auf seine mathematischen Studien zu konzentrieren.
Sein Bilderzyklus hier erzählt in mehreren Szenen die Legende des Wahren Kreuzes Christi. Hier träumt Kaiser Konstantin der Große vor der Schlacht an der Milvischen Brücke seinen berühmten Traum, dass er unter dem Zeichen des Kreuzes siegen werde.
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Man hatte hier wohl Humor gezeigt beim Umgang mit den Pandemievorschriften, wenn auch das Hinweisschild inzwischen etwas aus der Zeit gefallen wirkt.
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Auch im Dom gibt es ein Fresko von della Francesca, das die heilige Maria Magdalena zeigt.
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Außerdem gibt es im Dom ein Papstgrab zu sehen. 1276 starb Papst Gregor X. auf dem Heimweg vom 2. Konzil von Lyon nach Rom und stiftete eine beträchtliche Summe für den Neubau des Doms. Seine Wahl erfolgte erst drei Jahre nach dem Tod seines Vorgängers, was die zweitlängste Sedisvakanz in der Geschichte des Papsttums war, weshalb auf dem besagten Konzil das bis heute gültige Wahlverfahren im Konklave festgelegt wurde.
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Kurz vor 18 Uhr muss ich mich leider von Arezzo verabschieden, auch wenn ich hier noch mehr Zeit hätte verbringen können. Mein letzter Zug des Tages ist ein IC von Rom nach Triest, der mich über den Apennin nach Bologna bringen wird. Der ist am Sonntagabend gut besetzt und die meisten anderen Fahrgäste ziehen wohl lieber die Verdunkelung herunter. Vor Florenz kann ich noch auf einem Einzelsitz mit offener Verdunkelung Platz nehmen.
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In Florenz muss ich den aber räumen und auf meinen reservierten Platz in einer 4er-Gruppe umziehen, immerhin ein Fensterplatz, aber auf der gegenlichtigen Westseite. Einen Spalt zum Rausschauen kann ich mir zwar Erkämpfen, aber vorzeigbare Bilder aus der Apenninquerung gibt es trotzdem keine. In Bologna leert sich der Zug spürbar.
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Durch das Reiterstellwerk setzt er seine Fahrt Richtung Triest fort.
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Mein Hostel liegt am Gelände des Rangierbahnhofs Bologna Arcoveggio..
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Sieht mit den Bahnsteigen und den Schildern aus wie ein normaler Verkehrshalt, hatte aber außer Sonderzügen und Umleitern wohl nie planmäßige Personenzughalte.
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Tag 10: Bologna
Bevor es morgen nach Hause geht, ist heute nochmal ein bahnfreier Tag in Bologna. Erstmal werfe ich hinter dem Hostel einen Blick über den Zaun aufs Rangierbahnhofgelände.
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Der Weg in die Stadt führt mich durch den Bahnhof, wo die Italiener offensichtlich nicht ihre Bahnhofsuhren stellen können. Diese schludrigen Südländer immer …
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Spaß beiseite, viele hier im Forum werden wohl wissen, welcher ernste Hintergrund hinter der falschen Uhrzeit stehen: der Bombenanschlag von 1980. Das soll es dann auch mit dem Bahninhalt für heute gewesen sein.
Durch fast die ganze Altstadt kann man unter den seit wenigen Jahren mit UNESCO-Welterbestatus ausgezeichneten Arkaden wandeln. Bei deutlich über 30 °C bin ich um ihren Schatten sehr dankbar.
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Nach dem Grab von Franziskus vorgestern, kann ich mir nun das Grab des anderen großen Bettelordensstifters des 13. Jahrhunderts, Dominikus, anschauen. Auch wenn dieses ziemlich prächtig ist, ist der Unterschied zu den Menschenmassen in Assisi frappant. Der intellektuellere Dominikus war noch nie in der Lage, die Menschenmassen so zu begeistern wie sein Zeitgenosse Franziskus. Einige der acht Figuren der mittleren Ebene stammen vom jungen Michelangelo.
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Bologna rühmt sich der ältesten Universität Europas, angeblich 1088 gegründet. Ganz so alt ist sie wohl nicht und erst recht nicht der Anatomiesaal. Ein beachtliches Alter haben trotzdem beide.
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In Palazzo Re Enzo hat der unglückliche uneheliche Lieblingssohn des Stauferkaisers Friedrichs II. König Enzo (Heinz) von Sardinien seine letzten 23 Lebensjahre in Haft verbringen müssen. Nach einer Schlacht war er in Haft der selbstbewussten Bologneser Bürger bekommen. Für solch einen hochrangigen Häftling waren die Haftverhältnisse eher angenehm, aber den Niedergang seines Geschlechts und den meist gewaltsamen Tod seiner Verwandten ohnmächtig miterleben zu müssen, war bestimmt kein Vergnügen.
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Im letzten Teil erwarten euch dann mein Nachmittagsprogramm in Bologna und die Heimreise morgen.
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